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Shibuya Crossing – Juse Ju2 min read

16. März 2018 2 min read

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Shibuya Crossing – Juse Ju2 min read

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Heute hat der münchener/japanische/schwäbische/berliner – Rapper Juse Ju sein neues Album veröffentlicht. Es heißt Shibuya Crossing. Es ist sein viertes Album. Und sein Bestes.

Juse Ju hatte eine sehr bewegte Lebensgeschichte: als 4-jähriger zog er mit seiner Familie nach Tokio und lebte dort bis zu seinem 11. Lebensjahr, dann zog er wieder in seinen Geburtsort Kirchheim unter Teck in schwäbischen Teil von Baden-Württemberg. Daraufhin verbrachte er wieder ein Jahr in El Paso (Texas) als er 17 war, studierte dann in München und zog als er Mitte 20 war nach Berlin. Bevor er Tracks veröffentlichte, war er vor allem als Freestyler auf verschiedensten Rap-Battles in der Stuttgarter und Münchener Umgebung unterwegs.

Und genau von dieser Geschichte handelt sein Album: er erzählt in dem namensgebenden Track Shibuya Crossing von seiner Kindheit in Japan, im ersten Lied des Albums Kirchheim Horizont vom Aufwachsen in einer Kleinstadt und in Bordertown von El Paso. Zwischendrin immer wieder lustige Texte mit meist tieferer Aussage.

Wer Juse Ju bereits länger verfolgt, der hat vielleicht in der Vergangenheit an seinen Alben bemängelt, dass diese zu einseitig wurden, soll heißen: die Tracks ähnelten sich zu stark und irgendwie fehlte immer das gewisse Etwas. All das wurde beim neuen Album verbessert: die Tracks glänzen mit guten, etwas minimalistischen Beats, welche perfekt zu Juse Jus Stimme passen.

Dabei kann man bei manchen Tracks die Melancholie des Rappers förmlich fassen: wenn er von seiner alten Heimat Kirchheim erzählt, dann spürt man, dass das wirklich Geschichten aus seiner Jugend sind, wenn er von der Angst davor rappt, eine Beziehung einzugehen (Lovesong – vielleicht der beste Track des Albums, mit tollen Video) dann merkt man seinen Schmerz und seine Hilfslosigkeit.

Sie fragt, „Liebst du mich denn wirklich?
Oder meinst du das ironisch?“
Fuck, das ist 'ne Empfindung
Fuck, das ist wie 'ne Bindung
Ich bin nicht perfekt, sie ist nicht perfekt
Fuck, ich muss hier verschwinden

Dann aber machen andere Lieder wieder unfassbar Spaß, wenn Juse HipHop – Szene auf den Arm nimmt (Justus BWL) oder die Rolle eines Verschwörungstheoretikers (Propaganda) einnimmt.

Wer Rap ganz anders erleben will, der sollte sich das Album mal anhören, wer noch nie etwas mit Rap anfangen konnte, der sollte das auch.

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