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Victor Solf von Her über Liebe & Hoffnung7 min read

5. Mai 2018 5 min read

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Victor Solf von Her über Liebe & Hoffnung7 min read

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Am vergangenen Montag präsentierte Victor Solf mit seinem Her-Team sein neues und erstes Album Her. Das Konzert war grossartig. Mit dem wahnsinnig berührenden Song We Choose eröffneten die fünf jungen Herren den Gig im Mascotte und brachten schlagartig eine ganz spezielle Stimmung in den Saal. Die Band riss die Zuschauer mit jedem Song nochmal mehr in ihren Bann und stiess auch mit den neuen Songs auf ein überaus positives Echo. Die Sounds der Band liessen die Zuschauer zu einer einzigen Masse verschmelzen und lösten  verschiedenste Gefühle irgendwo zwischen Liebe und Hoffnung aus. Victor und sein Team kommunizierten sehr direkt mit dem Publikum, was einen sehr nah am Geschehen teilhaben liess. Diese gute Stunde hätte von mir aus gerne um ein paar weitere verlängert werden dürfen.

Wie die Produktion des ersten Albums war und was für Victor Solf das wichtigste bei seinen Liveauftritten ist, hat er uns im Gespräch mit Jan erzählt:

 

frachtwerk: Wie war der Release deines ersten Albums für dich?

Solf: Es war ein unglaublich erlösender Release, denn es war sehr schwer für mich, das Album fertigzustellen. Ich war unter grossem Druck letztes Jahr, da ich sowohl im Studio, als auch auf Tour war. Es gab zu viele Songs, die überhaupt noch nicht fertig waren und mit denen ich noch nicht zufrieden war. Als dann endlich alles vollendet war, wartete ein riesiger Moment auf mich.

frachtwerk: Auf deinem Album «Her» gibt es ganz viele neue Songs. Doch du hast auch die alten Songs wie «Five Minutes» draufgepackt. Gibt es dafür einen bestimmten Grund?

Solf: Ja, klar. Es gab drei bis vier Songs, die für Simon und mich besonders wichtig waren. Quite Like, Five Minutes, Blossom Roses und Swim waren die Tracks, welche unsere Geschichte als Her sehr beeinflussten und es war für uns klar, dass die auf dieses Album mit drauf mussten. Es gibt auch ganz alte Songs, die wir ganz lange her schon gemacht haben, wie zum Beispiel Neighborhood und We Choose, die jedoch bisher auf keiner Veröffentlichung erschienen. Und klar, wir haben auch einiges an neuen Songs geschrieben, die wir zusammen mit AnnenMayKantereit und Roméo Elvis produziert haben.

Dieses Album hat auch einfach eine sehr harte Geschichte hinter sich. Wir arbeiteten schon seit mehr als vier Jahren an Her, also ist es eine ziemlich lange Geschichte für mich.

frachtwerk: Aus welchem Grund habt ihr nicht schon früher ein ganzes Album rausgebracht?

Solf: Naja weisst du, dieses Album ist für uns sowas wie ein Ende einer langen Geschichte. In den Sechzigern veröffentlichte man häufig nur einzelne Singles und so ist es auch bei uns. Wir haben in diesem Album all unsere Arbeit zusammengefasst und sie zu einem Gesamtwerk gebracht.

Wir haben ja die verschiedenen Her Tapes rausgebracht. Für Simon und mich war es schon von Anfang an klar, dass das Album dann das Ende dieser wunderbaren Geschichte sein wird. Und dieser Gedanke mochte ich wirklich sehr.

frachtwerk: Simon Carpentier ist letztes Jahr an Krebs verstorben. Was hat sich für dich alles geändert? Und woher hattest du die Energie, alleine weiter zu machen um das Album fertig zu kriegen? 

Solf: Alles veränderte sich. Nur schon weil ich eher ein einsamer Mensch bin. Ich brauche nicht viele Menschen um mich, um glücklich zu sein. Simon war aber genau einer von diesen wenigen Menschen, die ich zwingend brauchte und deswegen war es unglaublich schwer für mich, in dieser Situation so weiterzuleben. Ich habe meine ganze Kraft von ihm bekommen, weil er so stark war und immer für alle anderen geschaut hat. Ich vermisse ihn so unglaublich und deswegen versuche ich, seine Worte und seine Arbeit den Leuten zu präsentieren. Das ist das Allerwichtigste für mich. Ich sehe es als meine Aufgabe, dies zu tun und darüber habe ich auch nie nachgedacht. Für mich ist das klar.

frachtwerk: Was genau ist die Message, die du und Simon mit eurem Album an die Menschen bringen wollt?

Solf: Der Inhalt unserer Message ist das Leben und die Hoffnung. Das klingt vielleicht ein bisschen klischeehaft, doch das ist es nicht, denn es ist wirklich schwierig, jemanden innig zu umarmen oder zu lieben und genauso schwierig ist es auch, jemanden zu hassen oder gar zu bekämpfen. Und genau das ist die Perspektive, für die wir uns entschieden haben. Swim zum Beispiel ist ein Song, den wir auf einer US-Tour in Washington geschrieben haben, als Donald Trump zum Präsidenten gewählt wurde. Wir wollten einen Song gegen ihn schreiben. Die ganze Sache war mit sehr viel Negativem verbunden, doch wir wollten den Amerikanern und den Amerikanerinnen Hoffnung schenken, um gegen solche Dinge ankämpfen zu können. Und genau das macht den Geist dieses Albums aus. Wir singen: «Swim against the tide and walk against the flow.» Just don’t lose hope. Never.

 

frachtwerk: Wenn du auf der Bühne stehst: Was ist das Wichtigste für dich persönlich?

Solf: Das Wichtigste für mich ist ganz klar, dass ich mit dem Publikum kommunizieren kann. Es ist wie eine Diskussion, denn wir spielen und sie hören. Das müssen wir gemeinsam machen, sonst geht es nicht. Wenn wir zu fest für uns selber und nicht für unser Publikum spielen, würden die Menschen nicht verstehen, was wir ihnen mitteilen wollen. Und darum ist bei uns auch alles live. Wir haben keine Tapes und wir brauchen auch keine Computer. Ich liebe es, mit meiner Musik mit dem Publikum zu sprechen. Es ist ein einmaliges Gefühl, meine und Simons Liebe mit der Crowd zu teilen. Und dabei geht es einfach nur um Hoffnung, Musik und Liebe.

Was ich besonders liebe ist, wenn sich das Publikum speziell auf den Song konzentriert und zwischen den einzelnen Songs nicht spricht. Die Ruhe, welche zwischen zwei Songs herrschen kann, bedeutet für mich sehr viel und löst bei mir das Gefühl einer unmittelbaren Bindung zu allen Menschen in diesem Raum aus. Alle sind nämlich gespannt, was als Nächstes kommt.

frachtwerk: Die Konstellation des Her-Teams hat sich ja nun verändert. Wie kommt ihr untereinander aus?

Solf: Anfangs war es sehr schwer, denn wir waren auch alle immernoch sehr erschüttert aufgrund des Todes von Simon. Am Ende der Tour hatten wir ein sehr wichtiges Konzert in Paris, wo wir viel darüber sprachen. Einige von uns haben sich dann entschieden, etwas Neues zu tun und sich eine Auszeit zu nehmen. Für mich war das unmöglich, denn meine Aufgabe war noch nicht erfüllt.

Jetzt geht es mir schon viel besser. Ich habe neue Leute, die mit mir auf Tour sind. Sie sind glücklich, dass sie mit dabei sind und wissen auch genau, was die einzelnen Songs ausmacht. Menschen wie sie, die auch eine positve Message mit dabei haben ist genau das, was ich jetzt brauche. Damit hat ein ganz neues Kapitel begonnen in meinem Leben. Ich versuche so weiterzumachen. Ich mache es für Simon und mich.

frachtwerk: Was ist denn dein grösster Wunsch für die Zukunft?

Solf: Fähig zu sein, das zu tun was ich jetzt tue. Simon und ich haben unser eigenes Label aufgebaut, womit wir sehr unabhängig wurden. Ich möchte das tun, was mir persönlich gefällt. Ich will nicht an Erfolg oder Geld denken, sondern einfach das geniessen, was mir passiert. Und ich hoffe, dass ich so bleiben darf, wie ich jetzt gerade bin. Das klingt auch sehr einfach, doch es ist es nicht. Es ist einfach mein grösster Traum, Musik für immer so geniessen zu können, wie ich es mit 16, als ich mein erstes Konzertchen vor etwa 60 Leuten in meiner Heimatstadt hatte, tat. Ich erinnere mich, dass ich vor dem Auftritt so unglaublich aufgeregt war und als ich dann auf der Bühne stand von Glücksgefühlen überwältigt wurde. Ich hoffe, dass ich dieses Gefühl von Freiheit, Glück und Liebe für eine ganz lange Zeit weiterleben darf, denn genau das gibt mir und meinem Leben eine Aufgabe und einen Sinn.

Interview, Text & Bilder: Jan Rucki

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Und hier auch noch – extra für dich – ein paar Hörbeispiele aus dem ersten Album von Her! Einfach so als Beweis, dass sich die Teilnahme am Wettbewerb lohnt!

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