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Eine Stimme, die zum Nachdenken anregt3 min read

30. Juli 2018 2 min read

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Eine Stimme, die zum Nachdenken anregt3 min read

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Es ist der letzte Abend des Blueballs Festival in Luzern. Der Konzertsaal im KKL füllt sich an diesem warmen Sommerabend mit einem durchschnittlich älteren Publikum. Auf der riesigen Bühne einige Gitarren, Mikrofone, eine Loopstation und eine Mundharmonika.
Gespannt warten alle auf den aus Israel stammenden Künstler Asaf Avidan, welcher das einwöchige Festival mit seinem Auftritt beenden wird.

Das Publikum verstummt, sobald er die Bühne betritt. Ein grosser, schlanker Mann setzt sich, die Lichter lassen nur seine Silhouette erkennen. Wer ihn kennt, lässt sich  von seinem Aussehen nicht beirren, denn seine Stimme scheint im ersten Moment nicht mit diesem übereinzustimmen. Tattoos an den Oberarmen, Irokesenschnitt und Skinny Jeans hinterlassen den Eindruck, auf der Bühne stehe ein harter Typ. Entgegen allen Erwartungen erweist sich der Künstler schon beim ersten Ton als das Gegenteil seiner optischen Erscheinung. Der 38-jährige wechselt zwischen tieferen Stimmlagen und Falsettstimme, mit der er seine Emotionen möglichst authentisch ausdrücken kann.

Zwischendurch spricht er die Zuschauer an und erzählt davon, wieso er seine Musik mit uns teilen möchte. Gestartet hat der Film- und Animationsstudent aus rein egoistischen Gründen, um seine Gefühle zu verarbeiten und diese Ausdrucksart ist dafür das beste Ventil. Er würde auch weiterhin nur für sich spielen, meint er, aber viel schöner ist es, das Ganze mit Menschen zu teilen, die seine Musik hören, aufnehmen und reflektieren. Sein Gefühlschaos verwandelt er in Texte über die Liebe und die damit verbundenen Hoffnungen und Ängste.

Gestartet hat Asaf Avidan das Konzert mit Folk auf seiner akustischen Gitarre, bevor er zu seiner Loopstation greift und ein kleines, eigenes Orchester entstehen lässt. Mit dabei auch sein wohl bekanntester Song „One Day“, welcher 2012 durch den Remix des deutschen DJs „Wankelmut“ zu einem Hit wurde und Avidan zu seiner Bekanntheit verhalf. Es empfiehlt sich also, sich die Originalversion anzuhören, welche mir persönlich besser gefällt. Seine zerbrechliche Stimme lässt die eine oder andere Träne nicht mehr zurückhalten.
Sein letztes Lied, bevor er die Bühne das erste Mal verlässt, wird unterstützt durch eine lebendige Lichtshow. Avidan kniet auf den Boden und bedient die Regler seiner Loopstation, während sich um ihn herum alles, ausser sich selbst zu bewegen scheint. Danach verlässt er die Bühne.

Durch das begeisterte, laut klatschende Publikum kehrt Asaf Avidan für zwei weitere Lieder auf die Bühne zurück. Sein Konzert schliesst er mit dem Song „Different Pulses“ aus dem gleichnamigen Album ab. Auch dabei singt er wieder über Gefühle. Der Anfangssatz „My life is like a wound, I scratch so I can bleed“ verbildlicht erneut, was Asaf Avidan mit seinen Texten sagen möchte. Man soll nicht alles in sich hineinfressen, legt er dem Publikum noch einmal ans Herz und sagt, dass er uns nicht wie bei jedem anderen Konzert mit dem wildesten, lautesten Song gehen lassen möchte. Viel mehr endet sein Konzert mit berührender Melancholie. So verlasse ich nachdenklich und schwer beeindruckt von seiner Persönlichkeit und seinem Talent den Saal – ein musikalisch und philosophisch bereichernde Erfahrung.

Empfehlen kann ich dir den Song „Maybe you are“ aus dem Jahr 2008, welcher Asaf Avidan mit seiner damaligen Band „Asaf Avidan & the Mojos“ aufgenommen hat und eine ziemliche Gefühlswucht hervorbringt.

Text: Meret Lustenberger
Foto: Dudi Hasson

 

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