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Er verbindet zwei Mentalitäten auf humoristische, aber auch realistische Weise – Johnny Burn im Kleintheater4 min read

6. November 2018 3 min read

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Er verbindet zwei Mentalitäten auf humoristische, aber auch realistische Weise – Johnny Burn im Kleintheater4 min read

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Es ist ein gemütlicher Samstagabend im Kleintheater. Drei Gitarren und eine Leinwand mit tempelartiger Stuckatur sind auf der Bühne: Was erwartet uns?

Johnny Burn lässt uns zu Beginn in seine Kindheit eintauchen. In Südostmalters mit einem kambodschanischen Hintergrund aufgewachsen, ist er sich an Maltesers und an die Beschwerden seiner Nachbarin Frau Krummenacher gewöhnt.

In spielerischer Manier bezieht er das Publikum mit ein, zum Beispiel als er uns auffordert, ein kambodschanisches Kinderlied mitzusingen. Gegen Ende seines Auftritts geht er mit uns nach Kambodscha und führt das Schweizer Kinderlied «Tannige Hosen» im Karaoke-Format vor. „Es ist ein Lied, das die Leute kennen, es ist sehr ähnlich wie das Arapyia, es sind eigentlich so Parallelen.“ erklärte uns Johnny Burn seine Auswahl an Liedern im Interview.

Burn schafft es, nebensächlichen Dingen wie beispielsweise ein Bild von einem Kleiderbügel im Auto für einen Witz zu gebrauchen. Mit seiner Wokulele, einem Unikat, gelingt es ihm, eine musikalische Schnulze mit sarkastischem Text ins Lächerliche zu ziehen. Mit kritischen Bemerkungen, die zum Nachdenken anregen, merkt man wie lasch Burn die Grenzen seines Humors setzt. Zum Beispiel als er Szenen seines Samschtigs-Jass-Auftritts zeigt, bei dem er auf seine äusserlichen Merkmale degradiert wird.

Er thematisiert auch konkrete politische Themen wie Waffenexporte, Racial Profiling und Rassismus im Alltag. Im Gespräch meint Burn, dass er gar nicht wolle, dass Johnny Burn irgendwie politisch eingeordnet werde.

Burns flexible Weise, seine Rolle zu wechseln, kommt bei uns gut an und sorgt für Feuer im Programm. Als Onkel Gao mit kambodschanischen Akzent und seinem «Schatzeli» (aka seinem Auto) löst er viele Lacher aus.

 

Mau Bun, das ist Johnny Burn’s gebürtiger Name, konnten wir nach seinem dritten Auftritt im Kleintheater spontan auch noch folgende Fragen stellen:

Gregory Li: Könntest du dir einen eineinhalb-stündigen Auftritt ohne Klischees vorstellen?

Mau Bun: Sehr schwierig. Ja, ich könnte mir das schon vorstellen, das Problem ist einfach, dass du dir gewisse Sachen aneignen und erarbeiten musst. Die Klischees gehören zu mir und zu dem was ich bin – mit diesen bin ich gross geworden. In jeder Gesellschaft hat es Klischees und schlussendlich mache ich Comedy, da gehört das einfach dazu. Man müsste da sehr dahinter und vielleicht gäbe es das, eine Show ohne Klischees. Doch letztendlich lebt die Show auch davon, die Leute wollen das hören. Das ist für mich kein «müssen», das ist da und ist auch schon immer da gewesen und ich bediene mich den Klischees. Denn das ist das, mit was ich die Leute zum Lachen bringen kann. Klischee ist ja nicht nur negativ. Man muss das servieren und brechen können, das ist das Ziel für mich. Einfach so Klischees raushauen kann jeder. Daraus etwas zu machen ist wieder etwas anderes, das ist meine Aufgabe eigentlich. Aber ich habe es mir noch nie überlegt.

GL: Gehst du mit Vorurteilen im Alltag auch so locker um wie auf der Bühne?

MB: Vorurteile haben mich immer geprägt. Im Fachwort sind das die «tendenziösen Apperzeptionen». Das heisst eigentlich sind es vorneweggenommene Wahrnehmungen. Wenn du irgendjemand siehst und dann sagen die Leuten schon einmal: «Ah okay, der sieht so aus, den tun wir mal in diese Sparte.» Ich bin damit aufgewachsen. Das ist für mich nichts Neues. Das habe ich nicht erfunden, das ist einfach da. Als Secondo wirst du immer damit konfrontiert sein, egal wie gut du deutsch sprichst. Zuerst ist immer das Visuelle. Das coole daran ist, wenn du dich wehren kannst. Wenn du die Sprache beherrschst, dann kannst du Gas geben. Das ist das, was ich gelernt habe mit dem umzugehen, dass ich mich wehre.

GL: «Und dann mehr auf eine humorvolle oder mehr auf eine ernste Art?»

JB: Das ist mega unterschiedlich. Ich nehme Situationen an und denke «Ah hier passt jetzt das hin.» und habe viele verschiedene Varianten, wie ich dem gegenüberstehe. Es gibt Situationen wo ein Witz fällt und ich finde hier wäre es unpassend, wenn ich voll darauf reingehen und sagen würde «Ich meine, ich stinke auch beim Scheissen und koche auch nur mit Wasser». Oder wenn mal ein Witz fällt und du bist in einer Runde und du findest «Ok, ja das ist jetzt nicht so angebracht, aber ist jetzt nicht wahnsinnig, so crazy, dass ich jetzt mega berührt und verletzt weggehen würde. Es kommt immer auf die Situation darauf an.

Text: Andrin Conrad und Gregory Li

Interview: Andrin Conrad und Gregory Li

Bild: Roberto Conciatori