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„Der Hang zur Dystopie trifft den Realismus doch eher“ – Neuer Track + Interview mit Rosa Anschütz4 min read

17. November 2019 3 min read

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„Der Hang zur Dystopie trifft den Realismus doch eher“ – Neuer Track + Interview mit Rosa Anschütz4 min read

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Am Freitag hat Rosa Anschütz ihren neuen Track „Soft Resource“ veröffentlicht. Erneut ist es ein Meisterwerk der Düsterkeit; gelayerte Stimmen, mit knalligen Industrial Drums, in einer dynamischen Rhythmik. Ich habe Rosa Anschütz an der Quiet Love Labelnight in Zürich zu einem interessanten Gespräch getroffen:

Elia Brülhart: Deine Musik hat eine sehr düstere Qualität, und auch insgesamt gibt es in Musik und auch im Film heutzutage, wie ich finde, eine Tendenz zum finsteren. Was denkst du wieso das so ist?

Rosa Anschütz: Ich persönlich fühle mich zum düsteren emotional etwas näher hingezogen, als zu dem eher Fröhlichen. Und ich glaube, dass wir momentan in der Gesellschaft generell viele Dystopien als Realität haben und das, glaube ich, realistischer ist. Dass ist jetzt keine Vorschrift oder irgendwie ein Allgemeinkonsens, aber ich glaube der Hang zur Dystopie trifft den Realismus doch eher. Und ja, mit Freude, also mit fröhlicher Musik finde ich mich schwieriger ein.

EB: Aber hast du mal probiert, fröhliche Musik zu schreiben?

RA: Nein, das ist einfach nie passiert, aber so von dem was ich jetzt selber an Musik höre, ist es auch eher düster.

EB: Ich habe auf Resident Advisor entdeckt, dass du schon an einem frühen Zeitpunkt deiner musikalischen Laufbahn im Berghain einen Auftritt hattest. Wie kam es dazu?

RA: Das hatte weniger mit dem Berghain als Klub an sich, wie man ihn kennt, zu tun. Das war in der Kantine und war mein zweites Konzert überhaupt. Die Band Beacon hat einen Act gesucht, der zuvor spielt, und irgendwie hatte sich das halt dann so ergeben. Aber es war mein zweiter Auftritt und der war noch ganz anders als die Sachen jetzt, nur mit einem Looper in der Hand und noch viel Akustisches und viel improvisiert auf jeden Fall.

EB: Du warst auch sehr viel in Japan unterwegs? Hast du eine besondere Beziehung zu Japan oder wie ist es dazu gekommen?

RA: Es ist dazu gekommen, weil ich mich schon immer sehr für Japan interessiert habe, von der Kultur her. Da habe ich kurzerhand eine Reise allein geplant. Etwas, was ich sehr oft mache. Das war 2016. Und dann habe ich mir gedacht, wieso eigentlich kein Konzert spielen? Dann habe ich mir ein Konzert organisiert, über die Kontakte, die man so macht. Das ist das Schöne am Internet, dass wir uns alle so vernetzen können. Daraufhin habe ich eine andere Musikerin kennengelernt, die auch an dem Abend gespielt hat. Julia Shortreed, sie ist halb Japanerin, halb Kanadierin, und wir haben dann gemeinsam mit einem anderen Musiker, Hiraku Yamamoto, 2017 eine Tour gemacht.

EB: Was ist deine grösste Inspirationsquelle? Gibt es Musiker oder Künstler welche du als grosse Vorbilder anerkennst?

RA: Ich glaube mir ist Songwriting sehr wichtig! Also Lyrics, da lege ich Wert drauf. Ich höre schon auch Instrumentalmusik. Aber wenn es um das Lyrische geht, vielleicht auch ein wenig als poetische Geste, dann so Künstlerinnen wie Nico zum Beispiel. Oder was ein ganz anderes Genre wäre, zum Beispiel Kate Tempest, die sich ja auch auf die Schwere des Textes fokussiert, also im dystopischen Sinne. Sie spricht mich sehr an und da finde ich Zugang dazu. Aber dann auch so Bands wie Coil oder halt einfach tiefe Musik, in die man sich so reinfallen lassen kann.

EB: Wenn du einen Künstler aussuchen könntest, der dein nächstes Cover designt, oder auch dein nächstes Musikvideo dreht, für wen würdest du dich entscheiden?

RA: Ich habe noch nie darüber nachgedacht, muss ich ehrlich sagen. Weil ich bis jetzt alles selber mache, fällt mir dieser Schritt, dass mal jemand anderes das macht, sehr schwer. Ich habe jetzt zum Beispiel darüber nachgedacht, mit jemandem zusammenzuarbeiten, der gar nicht aus einem künstlerischen Genre kommt. Das fände ich interessanter, zum Beispiel jemand, der Tierdokumentationen filmt. Jemand also, aus einem anderen Bereich, der in meinem Umfeld nicht direkt zu holen wäre.

EB: Wann und wie hast du damit begonnen deine eigene Musik zu schreiben und wie kam es dazu?

RA: Das passierte schon ziemlich früh. Ich hatte überall hingeschrieben: “Ich will Sängerin werden!“ Wirklich selber Songs geschrieben habe ich ungefähr mit 12 am Klavier. Und da habe ich schon sehr früh auf Englisch gesungen, aber halt so Nonsens-Englisch.

EB: Wo hast du dein erstes Konzert gespielt?

RA: In der Villa Neukölln, in Berlin, eigentlich ein Jazz Club.

EB: Was für Ziele setzt du dir noch für die Zukunft. Hast du grosse Ambitionen?

RA: Ich bin sehr zielstrebig. Seit ich beschlossen habe, dass ich das machen will, ist es für mich auch ernster geworden. Da ist auch automatisch eine Zielsetzung passiert. Aber ich glaube, die Ziele werde ich für mich behalten.

EB: Welches Lied hast du dir selbst zuletzt angehört?

RA: Es ist ein dänischer Titel, den ich im Moment ganz oft höre vom dänischen Künstler Repro. Er gehört zu der Gruppe «Euromantic» aus Kopenhagen, mit denen ich auch an Sachen arbeite. Das Lied ist auf seiner EP, welche zuletzt erschienen ist, und es heisst „Det Går Bedre“. Übersetzt heisst es sowas wie: Das war gut.

Und hier noch der neue Track, Soft Resource:

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