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Hypnagogic Hyperpop – Galore von Oklou2 min read

23. September 2020 2 min read

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Hypnagogic Hyperpop – Galore von Oklou2 min read

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Warme Synths, sanfte Melodien und viel Auto-Tune. Das ist Oklou. Die junge Französin veröffentlicht zwei Jahre nach ihrer letzten EP und zahlreichen Singles dazwischen, nun ihr Mixtape Debüt; „Galore“. Publik wird das Werk morgen, am Donnerstag, 24. September. Ich durfte bereits diese vergangene Woche mir einen akustischen Überblick verschaffen.

Sechs Jahre sind vergangen, seit Oklous Karriere in der virtuellen Öffentlichkeit startete, denn nach einer ersten Single, publizierte sie mit der „Avril EP“ ihr erstes längeres Werk, damals noch unter dem Pseudonym „Loumar“. Seither veröffentlichte sie zahlreiche Songs und arbeitete unter anderem mit Mura Masa, Flavien Berger, Krampf oder Sega Bodega zusammen. Nebenbei ist sie auch Teil des rein weiblichen DJ-Kollektifs TGAF, oder spielte die Hauptrolle in einem Kurzfilm welcher an der „Cannes International Critics Week“ gezeigt wurde.
Die Musik der Künstlerin bewegt sich durchgehend im Popbereich jedoch schwankt es zwischen oder fusioniert gar verschiedene dessen Subgenres. oklou steht mit Sicherheit mit mindestens einem Fuss auf der Schwelle der Hyperpopszene, aber gab doch auch ihre experimentelle Seite schon mehrmals zum Besten wie zum Beispiel auf dem frühen Song „Silicium“ oder auf ihrer letzten EP von 2018. Auf dem neuen Mixtape sinkt sie wieder mehr in die klassische Popsparten zurück, zumindest im Fundament. Darauf baut sie mit Field Recordings und viel Auto-Tune, Synthesizer und musikalischen Referenzen an die  2000er Jahre, stilistisch typisch für Hyperpop, eine akustische Architektur, die bisher in dieser spezifischen Kombination, die ihr beliebt so nicht vorhanden ist und war.

Stimmungsmässig bewegt sie sich wieder mehr in eine sehr atmosphärische Richtung ähnlich wie ihre frühe Single „22“, und entfernt sich von der experimentellen Sparte ihrer letzten EP. Das Mixtape ist emotionaler, atmosphärischer und auch düsterer. Interessant und fast schon überraschend sind auch die Features die auf dem Werk vorzufinden sind; nämlich CaseyMQ, ein Vorzeige-Hyperpop-Musiker, mit welchem sie bereits 2017 eine gemeinsame EP veröffentlichte. die andere Künstlerin die auf einem Song erscheint, ist die spanische Künstlerin Zero Castigo, welche auf ihrem Soundcloud-Account  gerade mal ein Lied geposted, und 29 Abonnenten hat.

Die Musik trägt die eine Stimmung der Hypnagogie, mit sanften Vocals, mit verzerrenden aber subtilen Auto-Tune welches eine verträumte Stimmung darauf legt. Darunter meist weiche Synths und selten eine Drum Machine. Und doch aber durchgehend, schwebt die Musik in einem Hauch einer Ambition zum phantastischen und sphärischen. Es ist der Kompromiss zwischen Tanz und Traum. Die Stimmung des Mondsüchtigen.

Am Ende des Mixtapes nach einer langen Sequenz gefüllt mit Zikaden und Hundegebell, überrascht ein in Relation zum restlichen Werk ein doch sehr emotionaler und instrumentaler „Hidden Track“. Oklou in melancholischem Gesang begleitet rein mit Gitarre ohne Synths oder sonstige Elektronik obendrauf. Für mich das stärkste Lied und ein wunderbares Ende für ein grossartiges Mixtape welches einen in dessen Stimmung mitreisst. Ein Werk das berührt, begeistert und in wohliger Wärme versinken lässt.

 

Bild: Till Tanz, Virgile Flores