Gesellschaft Kultur

Die Comedy im Parterre hat wieder offen!4 min read

14. Oktober 2020 3 min read

Autor*in:

Die Comedy im Parterre hat wieder offen!4 min read

Reading Time: 3 minutes

Ab wann ist man in der Quater-Life-Crises und wer kümmert sich eigentlich um die Scheisse von Blindenhunden? 

 

Im ausverkauften Parterre ist die Stimmung gelassen bevor es losgeht. Ein Publikum, das sich noch etwas schwer mit der Maskenpflicht tut und dem Alter seiner Komödianten entspricht wartet gespannt auf die Akteure.

Fröhlich läutet der Host des Abends Joel von Mützenbacher die 6. Runde der „Comedey im Parterre“ Veranstaltungsreihe ein. „Yeah ENDLICH ist es wieder soweit und auch noch vor ausverkauftem Haus! Hammer! Nach einigen einleiteten Sätzen nähert er sich dem Publikum und stellt fest, dass ein Großteil der Gäste zum ersten Mal da ist. Der Gastgeber nutzt die Gunst der Stunde und baut die Neulinge in seine Gags und Anmordation ein.

Jungspund Piet Heusser eröffnet den Abend. Der Winterthurer wirkt anfangs etwas nervös, löst aber mit seinen Gags zumindest seine eigene Coolness.

Seine Erzählungen handeln über sein Alter. Fünfundzwanzig. Die Quater-Life-Crises über die thematisiert wird bringt die Zuhörer hier un da zum Lachen. Leider zünden seine Gags nicht worüber er auch selber lachen kann und so wieder die Sympathie vom Publikum gewinnt. Nach knapp zehn Minuten geht er dann auch wieder unter verhaltenem Beifall von der Bühne.

 

Als zweiter Künstler folgt der Deutsche David Kebekus. Im rheinländischen Akzent baut er das Thema Angst auf und damit eine Brücke zum Corona Thema. Aufmerksam hat er den Abend verfolgt und spricht die bereits interaktiv verbundenen Gäste mit ein. Seine Körpersprache und die Mimik zeigen einen bühnenerfahrenen Mann, der mit seinem Aussehen quasi als Jesus von Bergisch-Gladbach durchgehen könnte.

 

Da weisse, die war dat nich!!!

Sehr selbstbewusst, mit dem Schalk im Nacken und sicher auch mit dem Hintergedanken, dass sein Programm in 2 Wochen an gleicher Stelle zu sehen ist (was er aber bescheidener- und sympathischerweise nie erwähnt), bringt der Mittdreißiger immer wieder die Luzerner zum lauten Lachen. Leider, aber auch zum Schmunzeln des Publikums, weißt er eine gewisse Unkenntnis des politischen Systems und weitere Fakten der Schweiz auf.

Kebekus setzt scharfe Pointen auf die Kirche, die er neuerdings immer häufiger besuchen muss, weil er so oft auf Hochzeiten eingeladen ist. Mit dem üblichen „ach der is wieder da“ kokettiert er mit seinem Aussehen. Selbstironisch zu sein und zu fragen, warum es denn den Leib Christi nicht auch mit Dip gäbe, versetzt die Zuschauer in schallendes Gelächter. Der Deutsche überzieht leider etwas und versteht die Lichtsignale nicht, was im Saal aber keinen stört.

 

Nach der Pause kehrt ein auch weiterhin äußerst gut gelaunter Joel auf die Bühne zurück, feuert noch einen Gag ab, bevor er die nächste Entertainerin ankündigt.

Die slam-erprobte Comedy-Newcomerin Martina Hügi bringt im breiten thurgauerischen Dialekt Geschichten über tote Hunde und das Leben im Thurgau. Mit einer sympathisch-hektischen Körpersprache fabuliert sie über ein Dasein mit oder ohne Vierbeiner und schafft schöne Analogien zur Zweisamkeit.

Vondue mit V? Da sag ich Fick dich mit F!

Der letzte Künstler des Abends setzt bei der Hundegeschichte an und stellt die Frage: „wer räumt eigentlich die Scheisse von einem Blindenhund auf?“ und hat damit die Aufmerksamkeit der Ladies and Gents. Derbe geht es weiter und endlich hat der Abend auch einen Künstler, der den schwarzen Humor beherrscht.

Stories über die Einsam- aber auch Zweisamkeit während der COVID Zeit folgen. Mit einer gewissen Souveränität erzählt er über das Zürcher Nachtleben und seine „krassen“ Freunde.

Stefan Büsser genießt es sichtlich, wieder auf den Brettern zu stehen und Gastgeber Joel von Mützenbach wird auch nochmals zum gemeinsamen interaktiven Fragen-Antwort Spiel auf die Bühne gebeten. Das Publikum reagiert erst noch etwas zögerlich aber dann werden kluge Fragen ideenreich interpretiert und beantwortet. Gute und witzige Zusammenspiele folgen. Der Zürcher schafft es aus zeitlich nicht mehr noch sein Extra abzugeben, aber dies macht eigentlich nichts mehr aus.

Ein amüsanter Abend nimmt nach zwei Stunden ein Ende und das Luzerner Publikum feiert die Helden des Abends.

Wir freuen uns schon auf die nächste Episode.

 

Text: Daniel Klein