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«Der drive und thrill einer Echtzeitproduktion» – Der Kult der Toten Kuh ist ein Insta-Game anderer Art4 min read

27. November 2020 3 min read

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«Der drive und thrill einer Echtzeitproduktion» – Der Kult der Toten Kuh ist ein Insta-Game anderer Art4 min read

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Influencer, Ethical Hacking, Datenschutz – Der Kult der Toten Kuh will erfahrbar machen, was es heisst, im Internet an seine Grenzen zu gehen. Im Stück geht es um eine Influencerin, die gehackt wird und in einen Strudel von Ereignissen gerät. Dabei hebt die Produktion Interaktion auf ein neues Level. Passiver Theaterkonsum ist hier fehl am Platz, geschrieben wird das Stück durch das Kollektiv aus den Zuschauerrängen. Vom 30.November bis 20.Dezember kannst du via Instagram Teil des Projekts werden, das unter einem Motto steht: Wie weit wirst du gehen?

Inspiriert wurde der Name des Projekts durch das Hacker-Kollektiv The Cult of the Dead Cow, welches den Begriff des Hacktivism in den 1980er-Jahren massgeblich prägte. Menschenrechte und Datenschutz sind folglich zentrale Themen der Produktion. Wir haben mit der Regisseurin Laura Tontsch darüber gesprochen, welche Möglichkeiten und Schwierigkeiten das Format des surrealen-dystopischen Games mit sich bringt. Aber lies selbst!

Laura Tontsch im Interview

Der Kult der Toten Kuh findet im Format der kollektiven Autor*innenschaft statt. Wie genau können die Zuschauer*innen das Stück mitgestalten und mitmachen?

Indem sie «engagen», wie es im deutsch-englischen Social Media Kontext heisst. So wie es in konventionellen Theaterräumen die Verabredung gibt, still im Publikum zu sitzen und Spielende auf einer Bühne zu beobachten, gibt es im Raum Instagram die generelle Verabredung zu klicken, zu teilen, zu kommentieren und zu posten. Indem die Teilnehmenden genau das, was sie sowieso auf Instagram tun, auch beim Spielen machen, geben sie uns bewusst oder unbewusst Feedback. Das Mitgestalten beginnt also schon damit, dass die Teilnehmenden dran bleiben und uns damit zeigen, dass sie weiter Interesse haben. Wenn wir merken, dass uns die Leute abspringen, können wir spontan darauf reagieren. Denn nur weil unsere Ideen theoretisch Sinn ergeben, heisst es nicht, dass sie dann tatsächlich online funktionieren. Spannend wird es dann, wenn sie sich auf die Geschichte und das Spiel einlassen und aktiv ihre Gedanken, Meinungen und Ideen zu Situationen mitteilen. Dann können wir auf sie eingehen und die Geschichte am Ende ganz anders gestalten, als wir es ursprünglich geplant haben.

 

«Digitale Inszenierungspraktiken haben aus meiner Sicht aber durchaus das Potential sich zu emanzipieren, eine eigene Kunstform mit einem eigenen Umfeld zu bilden und dabei Kategorien und Netzwerke des Theaters hinter sich zu lassen»

 

Ist die Bezeichnung als «performatives Game» auch eine Möglichkeit für Euch, aus dem gewohnten Umfeld des Theaters auszubrechen? 

Sicherlich können Games und digitale Performances Menschen erreichen, die weniger im gewohnten Umfeld des Theaters zu finden sind. Aber die analoge und digitale Bubble, in die unser Game sich gerade einnistet, besteht hauptsächlich aus den Menschen, mit denen unser Team vernetzt ist. Und unser Team ist aus dem Bereich Theater, Film und Medien. Wirklich dem gewohnten Umfeld des Theaters ausbrechen tun wir also nicht, egal wie wir unser Format bezeichnen.  Digitale Inszenierungspraktiken haben aus meiner Sicht aber durchaus das Potential sich zu emanzipieren, eine eigene Kunstform mit einem eigenen Umfeld zu bilden und dabei Kategorien und Netzwerke des Theaters hinter sich zu lassen. Und da bin ich gern dabei dieses Potential auszutesten, auch gern mit Der Kult der Toten Kuh.

 

«Wir werden es mit einer sich ständig verändernden Gruppe an Teilnehmenden zu tun haben, mit Neuzugänger*innen, Abgänger*innen und Wiedereinsteiger*innen. Und das muss okay sein. Für das Publikum und uns»

 

Welche Herausforderungen stellen sich für Dich als Regisseurin mit dieser «Echtzeit»-Produktion, mit der Du gleichzeitig eine «hürdenlos zugängliche Kunstform» umsetzen willst?

Auch wenn wir versuchen durch einen Anmeldeprozess eine gewisse Verbindlichkeit herzustellen, ist sie uns in keinster Weise garantiert. Wir werden es mit einer sich ständig verändernden Gruppe an Teilnehmenden zu tun haben, mit Neuzugänger*innen, Abgänger*innen und Wiedereinsteiger*innen. Und das muss okay sein. Für das Publikum und für uns. Gegen diese Aufmerksamkeit-Windmühlen fangen wir gar nicht erst an zu kämpfen. Für mich als Regisseurin gilt es eher ein Gespür dafür zu entwickeln, was die Gesamt- und individuellen Erfahrungen aller Beteiligten sind und den Überblick zu behalten, um dann gemeinsam mit dem Team zu entscheiden, was der nächste Schritt ist. Ich freu mich schon sehr darauf, ein paar witzige und interessante Momente mit dem Team und dem Publikum auf Instagram zu erleben und dabei diese Plattform auseinander zu nehmen, ohne dass ich oder irgendwer weiss, was am Ende dabei rauskommt. Darum soll es gehen. Das ist mein persönlicher Fokus, Drive und Thrill bei dieser Echtzeit-Produktion.

Vom 7. bis 10.Januar 2021 wird das digitale Projekt zurück in die analoge Welt versetzt. Auf der Bühne des Theaters der Künste in Zürich findet eine Performance statt, in der auch «engaged» werden kann. Der Inhalt dieses «Labyrinths» ist noch vollkommen offen. Mitgestalten kannst du ihn direkt mit deiner Teilnahme am digitalen Projekt!

Foto: Samuel Bosshardt