Musik

So klang Luzern 2020 – die Never-to-forget-Tracks von Kulturlobbyistinnen und Punkschuppenbetreibern6 min read

29. Dezember 2020 4 min read

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So klang Luzern 2020 – die Never-to-forget-Tracks von Kulturlobbyistinnen und Punkschuppenbetreibern6 min read

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Einen schlimmeren Ausgang hätte das Jahr in musikalischer Hinsicht wohl kaum nehmen können. Zumindest könnte man das meinen. Nicht wenigen hat aber die Musik geradewegs dazu verholfen, dieses Jahr zu überstehen und ihm einige Momente intensiver Emotionen abgewinnen zu können. Wir haben bei den Schönen und Coolen Luzerns nachgefragt, welcher Track für sie persönlich denn am wichtigsten war.

Für unsere Endjahres-Compilation erzählten uns Luzerner Kulturschaffende, welcher Track in diesem speziellen Jahr 2020 denn für die meisten Emotionen sorgte – so ganz persönlich. Daraus entstanden ist eine Compilation, ergänzt mit den Gedanken jener Personen, die – hoffentlich – im kommenden Jahr wieder für gefüllte Häuser, spannende Programme und Inhalte, bespielte Bühnen und dröhnende Soundsysteme sorgen werden!

Am Ende des Artikels findest du übrigens die ganze Compilation, auf der du alle Never-to-forget-Tracks 2020 auf einer Spotify-Playlist findest. Gelange hier direkt zur Playlist und speichere sie dir ab!

When In Rome – The Promise
Belia Winnewisser, Musikerin

«Ich liebe die Energie von dem Track. Er gibt mir Sehnsucht, Freude und gleichzeitig Trauer zu verspüren. Der Refrain hat eine unglaubliche Energie und ich kann nicht anders als die Arme in die höhe zu werfen, laut mitzusingen und dazu zu tanzen.»

Einstürzende Neubauten – Alles in Allem
Samuel Savenberg (S S S S), Musiker

«Corona hat mir einmal mehr bestätigt: Das liberale westliche System hat sich so dermassen in unseren Köpfen eingebrannt, dass wir uns weder dessen Ende noch eine Alternative vorstellen können. Egal ob Überlastung des Gesundheitswesens, Gefährdung zigtausender KMUs, ach sogar die Gesundheit der eigenen Grossmutter: Man nimmt es irgendwie alles in Kauf und freut sich stattdessen darüber, dass Spotify das Gendersternchen einführt und Kamala Harris ins Weisse Haus darf.

Immerhin: Die Einstürzenden Neubauten haben ein neues Album herausgebracht. In den ruhigeren Stücken der Band höre ich eine Müdigkeit sowie eine unzynische, ehrliche Ambivalenz zum Leben und Allem. Ich meine dieser Speed-Kater-Vibe passt ganz gut zu 2020.»

Big Zis – F C V
Lena Brechbühl, Leitung Technik Treibhaus & Freelance Tontechnikerin

«Der Song, welcher auf dem neuen Album von Big Zis zu finden ist, feiere ich mega. Ich freute mich extrem auf das Album, welches diesen Sommer herauskam. Doch weshalb ausgerechnet Big Zis? Einerseits war es eines der wenigen Konzerte, an denen ich in diesem Jahr gearbeitet habe. Die Plattentaufe in der Roten Fabrik war so toll, für einen kurzen Moment konnte man sogar die ganze Corona-Situation trotz der Masken etwas vergessen!

Andererseits finde ich, dass das Jahr ganz im Namen der Schweizer Musik stand. So ganz nach dem Motto: «Support your local artist!» Gerade zu Zeiten, in denen Reisen nicht wirklich möglich ist, sollten ja auch vermehrt lokale Musikerinnen gebucht werden. Und: Dieses Jahr ist 50 Jahre Frauenstimmrecht in der Schweiz. Das Lied steht für die sexuelle Befreiung der Frau, was immer noch ein wichtiges Thema ist. Denn Gleichberechtigung beginnt genau an diesem Punkt.»

GeilerAsDu – Venedig
Alain Schurter, Co-Gründer Young and Aspiring

«GeilerAsDu haben mit ihrer ‚Fire Festival Diaries‘-Reihe (2019/2020) bereits eindrücklich gezeigt wie CH-Conscious Rap klingen soll. Tiefgründige, sozial-kritische Texte mit hervorragenden Wortspielen. Beim letzten Track der Reihe ‚Venedig‘ zeigt sich das Duo so aktuell wie nie, sowohl auf lyrischer wie auch musikalischer Ebene. Ein wichtiges Zeitdokument wo sich genaues hinhören auf jeden Fall lohnt! Weitere Songs die ich empfehlen kann sind ‚Portraits‘ von Frederik, ‚German Oak‘ von Alois, ‚Death‘ von A River Crossing, ‚Wake N Bake‘ von Captain Komodo and The Carnival Caravan und ‚Schwarze Hoodie‘ von Mimiks.»

Alizée – Moi… Lolita
Gianluca Pardini, Geschäftsleiter IG Kultur Luzern

«Einer der gelungensten Popsongs für ein misslungenes Jahr.»

Janelle Monaé – Django Jane
Simon Borer (Long Tall Jefferson), Musiker

«Der Song ist aus dem Jahr 2018, aber er hat mich erst im Sommer 2020 erreicht. Und er hat mich weggeblasen. So dicht, so clever, so groovy, so selbstbewusst, so Black Power, so Girl Power, damn!»

Interstellar Supercops – Springtime
Interstellar Supercops (LU-Band)

«Springtime is the season of the life: Eine Aussage, basierend auf einem Missverständnis (Deep Purple singt vom Frühling als «season of the light), die nicht wahrer sein könnte. Im Frühling liegt nicht nur die Hoffnung auf Fruchtbarkeit und Neuanfang, sondern viel eher deren Bestätigung. Letztlich bereitet er der Dunkelheit ein Ende und bringt Leben in die totgeglaubte Welt: Plötzlich scheint alles gar nicht mehr so schlimm zu sein. Freuen wir uns also auf den Frühling und eine unbeschwerte Zeit.»

Dehd – Loner
Benedikt Geisseler, Musikredaktionsleiter Radio 3FACH

«Das neue Album ‘Flower of Devotion’ war 2020 eines der ganz grossen persönlichen Highlights. «Loner» widerspiegelt dabei die momentane Lage ziemlich schön: Melancholische Grundstruktur mit Gitarren die ausbrechen möchten und ihren eigenen Weg suchen. Dazu brilliert Sängerin Emily Kempf mit einzigartigen Vocals. Sorgte definitiv für die nötige Lässigkeit im 2020.»

Visions in Clouds – Tides (Crimer Rework)
Simon Schurtenberger – Co-Geschäftsleiter NF49 am Seetalplatz

«Mein Highlight dieses Jahr war tatsächlich, dass wir mit unserer Band (und Label) für unsere Remix-EP eine Zusammenarbeit mit Crimer realisieren konnten. Dazu lässt sich in der Quarantäne ganz gut die Pandemie wegtanzen.»

Prince – Nothing Compares 2 U
Anna Chudozilov – Redaktionsleiterin 041 – das Kulturmagazin

«Da muss man doch einfach die Liebe zu Prince (wieder) entdecken!»

Coilguns – Watchwinders
Marcel Bieri – Co-Gründer B-Sides Festival

«Coilguns und die Hummus Records Community haben mich mit ihrer Energie, Kreativität und Solidarität auf und neben der Bühne sehr beeindruckt. One Love.»

The Partisans – No U Turns
Martin Gössi – Luzerner mit dem meisten Punkrock im Blut

«Nein, dieses Jahr war ein Jahr zum Vergessen. Ein richtiges Scheissjahr!!! Für viele und auch für mich. All diese Stunden und auch Geld für nichts in die Organisation von Konzerten die nicht stattfinden, investiert. So viel mehrfach Herumgeschiebe von Daten auf nächstes und übernächstes Jahr. So viel Zeit in die Gestaltung von Plakaten für Anlässe aufgewendet, die nicht stattfanden. All die Absagen von Auftritten mit den Möped Lads und das nicht mehr Proben können mit den Brüdern! Dies aber war ja sogar noch der harmlosere Teil von allem Ungemach 2020. Im Frühling wochenlang darnieder gelegen mit einer Lungengeschichte, nein nicht Corona, das hat mich erst die letzten paar Wochen dieses Jahres darniedergestreckt und meine Lungen surfen noch immer mächtig (tja, Vorbelastete leben riskant in diesen Zeiten)… (Hier geht der Text von Martin Gössi weiter.

Warmduscher Midnight Dipper (Soulwax Remix)
Greg Zeder – Marketing, Konzerthaus Schüür

«Warum? Die Crazyness der UK-Truppe Warmduscher gepaart mit den Sounds der belgischen Nerd-Brothers Soulwax, die ich schon seit geraumer Zeit vergöttere, macht einfach Spass. Dieser Track und das komplette Album von Warmduscher haben mir die Zeit im Lockdown definitiv erträglicher gemacht. Verdammt schade ist allerdings, dass das für Dezember geplante Konzert im Neubad auch abgesagt werden musste…»

In diesem Sinne: Herzlichen Dank an alle, die das graue vergangene Jahr ein bisschen bunter gestalteten und auf ein etwas hoffnungsvolleres, farbenfrohes 2021! Wir sehen uns.

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