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Nichts für zarte Ohren – Children on Trees von Sir Donkey’s Revenge mischt Psychedelic Rock mit Rap3 min read

26. Juni 2021 3 min read

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Nichts für zarte Ohren – Children on Trees von Sir Donkey’s Revenge mischt Psychedelic Rock mit Rap3 min read

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Mit «Children on Trees» brachten Sir Donkey’s Revenge Ende Mai ihre vierte Platte raus – nach ihrem vor mehr als zwei Jahren veröffentlichten Album «Fog’s End». Die vierköpfige Band aus Engelberg hat wohl ihr bestes Album bis dato herausgebracht. 

Schon mal was von Sir Donkey’s Revenge gehört? Nun, wer gerne mal etwas die Haare schwingen lässt und laute, energetische Bandmusik mag, der sollte reinhören. Die Band, die 2014 in Engelberg entstand, ging im Sommer des Jahres darauf ins Studio und brachte «Retrosexual» raus. Das zehn Songs umfassende Album klingt rauer, die Lieder langsamer und weniger kompakt als die aktuelle LP. Daraufhin folgte die EP «Cute Little Creatures Corporation», die zum einen Ska-Einschläge hat, aber bereits sehr viele Hardrockeinflüsse aufweist. Dieses Extended Play-Album mit 5 Songs wurde im Liquidstudio im süddeutschen Freiburg aufgenommen. «Fog’s End», die Platte, die dann im Februar 2019 herauskam, hat bereits den Weg für «Children on Trees» gebahnt. Daraus muss ich zwei Lieder hervorheben, «Invasion Redundant» und «Villagers», deren Melodien so richtig geschmeidig in die Gehörgänge eindringen und an einem Konzert sicher für schwenkende Köpfe sorgen würden.

Nun zum eigentlichen  Gesprächsthema: Das Album «Children on Trees», das bereits am 28. Mai dieses Jahres veröffentlicht wurde, enthält laute und mal crunchige, mal mit Wah-Wah-Effekt gespielte Gitarrenmelodien. Das Schlagzeug nimmt zudem viel Platz ein, was schwierig abzumischen sein kann. Bei Harrison Recordings in Winterthur  konnten sie in dem begnadeten Rock-Produzenten Phil Harrison, der bereits für Pablo Infernal arbeitete, einen geeigneten Partner für ihr Projekt finden.

Im Song «Stain of Colour» treffen schnelle Hi-Hats-Abfolgen, gut getimte Kickdrums und rasch wechselnde Gitarrenmelodien auf die kratzig laute Stimme des Sängers Toni Küng. «Three Ugly Sisters» sticht etwas heraus, da unerwartete Klänge Eingang finden, so wird der Bass unter anderem bewusst übersteuert und klingt eckig, die Gitarre hat teils Wah-Wah-Effekte und das ganze Klangbild scheint vom Psychedelick Rock inspiriert zu sein, das die musikalischen Siebzigerjahre etwas nachhallen lässt. In «The Quest» und «Castle» haben Sir Donkey’s Revenge sich wiederholende Gitarrenklänge eingebaut, diese mit Delay und Reverb versehen und sich dem Charakter von Liedern aus dem Genre Psychedelic Rock bedient. «Birdie» ist eine Hymne der Freiheit, so singt Küng „We’re free Birdie, free, Birdie free“ – übersetzt singt er vom vogelfrei sein. Diese Zeile, die er in einem interessanten Rhythmus singt, erklärt den Stil des Sängers, der sehr viel mit Geschwindigkeit und Lautstärke spielt. Dies zieht sich das Album hindurch, so scheint er mal eher zu rappen, als zu singen, dies weil er die Tonhöhe selten melodiös verändert. Seine Stimme klingt ähnlich wie die von Sänger Zack de la Rocha der Crossover-Band Rage Against The Machine. Die mitreissenden, crunchigen Gitarren-Power-Chords in «Birdie», die abgestimmt auf die Drumparts gespielt werden und die Stimme, die wie oft durch Distortion-Effekt verändert wurde, machen sich gut in dem auf den Refrain ausgerichteten Song. Die energiegeladene und laute Musik auf der Platte ist live Garant für Headbangen und Moshpits. «Simplicius», der sich als letzter Song richtig gut ins Album einfügt, da dieser die Stimmungen und diversen Klänge des Albums passend einfängt, beginnt leise und mit einer dominierenden Gitarrenmelodie. Nach aufbäumendem energievollen Chorus werden die Gitarrenmelodien repetitiv gespielt und der zuletzt gehaltene Ton ausgefadet.

Im Endeffekt scheint Küng’s Aussage, dass sie ihren Sound gefunden hätten, die er in der Luzerner Zeitung (Ausgabe 3.6.2021) gemacht hat, vollkommen zu stimmen. Die Einzigartigkeit, die die aus vier Musiker bestehende Band mit ihrer Mischung von Psychedelic Rock, Rap und teils Metaleinflüssen kreieren, ist live sicher noch erlebbarer einzufangen.

Ihr nächstes grösseres Konzert findet am 17.12.2021 an der Winteruniversiade in Engelberg (OW) statt. Wenn du bis dann nicht zu warten vermagst, dann höre dir unterdessen das Album auf Spotify an.

Hier noch einen Einblick in das Schaffen der Band, die auch weitere Live Sessions aufnahm, wie z.B. vor einem vereisten Wasserfall.

Foto: Olivia Tolusso