Aufgemischt Musik

Von Autobahnfahrten, Bullenhass und Cuteness am Grümpelturnier2 min read

16. Juli 2021 2 min read

Autor*in:

Von Autobahnfahrten, Bullenhass und Cuteness am Grümpelturnier2 min read

Reading Time: 2 minutes

Schutzschild hoch für Dünnhäutige, Tanzbein auf Start für Energiegeladene, Ohren gespitzt für Nerds! Crème Solaire lieferten auf der Luzerner Allmend ab. Und so fühlte sich das an.

In eine Ecke «kiesen», so war wohl mancher Zuschauerin zumute gewesen, bevor das Westschweizer Duo Crème Solaire am vergangenen Sonntag auf der Luzerner Allmend auftrat. Auf der Allmend etwa nicht, weil die Band zigtausende Pandemieignoranter anziehen sollte, sondern weil das Konzert im Rahmen von oder gar als – achtung Spoiler – krönender Abschluss des Kick’n’Rush 2021 stattgefunden hat. Kick’n’Rush, das ist das Grümpelturnier Kulturaffiner im Raum Luzern, an dem jährlich während zwei Tagen gefachsimpelt wird, ob Ball oder Bier im Fokus des Sportwochenendes steht.

Nach einer Nacht, in der Schlaf bestimmt nicht Motto war, stehen sie nun also da: Pascal Stoll an Synthesizer und Gitarre und Rebecca Solari mit ihrer – wie sich später zeigen wird – beinahe beängstigend kräftigen Stimme am Mikrofon. Etwas lichter sah es im Publikum aus – es herrscht Katerlaune. Gewisse haben es wohl noch nicht einmal vor 15 Uhr auf die Luzerner Allmend geschafft.

Dann, mit etwas Verspätung geht es los. Solari zeigt sich erst einmal solidarisch mit dem Publikum und gesteht ebenfalls mit einem leisen «Miau» ihren Kater von letzter Nacht, den sie mit ans Konzert getragen hat. Was dann kommt, erinnert jedoch nicht an einen Stubentiger, sondern an eine wütende Horde Bisons, die über weite Felder rennen.

Beat: Passt. Bass: Passt auch. Synths und Gitarre: Ebenso genial. Doch was sich wohl kaum mehr aus dem Hirn der Zuschauenden schlagen lassen wird ist die Präsenz der Sängerin. Sowas ist einmalig. Stimme, Blickkontakt und Körpersprache: Sie alle ergeben gemeinsam eine mitreissende Kombo, die es so richtig in sich hat. Sogar um in der Mitte des Konzerts den Kabelanschluss ihres Mikrofons aus der Buchse auf der Bühne zu zehren, reicht ihre Energie aus.

Schnell erheben sich die müden Körper von den Bänken und so tun es ihnen die Gemüter gleich. Die Stimmung: Von null auf hundert wieder in einem für einen Sonntag überdurchschnittlichen Mass ausgelassen. Es wird mitgetanzt. In musikalischer Hinsicht arbeiten die beiden für Electro-Bands ziemlich üblichem Setup und wissen dieses gekonnt zu bedienen. Ihre Einflüsse aus lauter Stromgitarrenmusik bleibt dabei nicht unentdeckt. Nicht umsonst nennt Crème Solaire ihr Metier selbst auch Electro Punk.

Im Nu geht das Set der Fribourger über die Bühne, oder über den Teppich, auf dem sie stehen. Nach einer Zugabe, die vom Publikum verlangt und kurz mit dem Tontechniker besprochen wurde, ist Ende angesagt. Erfrischt und überwältigt widmet sich das begeisterte Publikum wieder seiner realen Umgebung und stellt sich auf die Finalrunden des einzigartigsten Grümpelturniers der Zentralschweiz ein.

Ihr neustes Album «Pannenstreifen ist ohne Pic-Nic» erschien dieses Jahr auf AuGeil Records:

Open in Spotify