Kultur Theater

Das Scheitern und sein Zirkuszauber – «The perfect Show» der Tortellinis2 min read

16. August 2021 2 min read

Autor*in:

Das Scheitern und sein Zirkuszauber – «The perfect Show» der Tortellinis2 min read

Reading Time: 2 minutes

Am einem Freitag, dem 13. eine Premiere mit dem Titel The perfect Show aufzuführen, scheint ein wagemutiges Vorhaben zu sein. Auch der Bulli, der die Artist:innen auf die Bühne bringt, braucht ganze drei Anläufe, bis er das Kuddelmuddel von Füssen und Händen komplett vor das Publikum bringt. Der Zirkus Tortellini kreiert mit seinem Stück The perfect Show eine Ode an das ganz perfekte Scheitern, die mit ganz viel Zirkuszauber angehaucht ist.

Vor dem roten Haus auf dem EWL-Areal rahmen zwei Gerüste das Bühnenbild ein. In der Mitte schwebt eine lange Metallstange zwischen den beiden Gerüsten, dort wo sich eigentlich der Vorhang befinden würde. Nun sieht man nur die drei langen, teilweise demolierten Fenster des roten Hauses, was eine charmante Kulisse ergibt. Nur ganz so charmant finden es die Tortellinis nicht, gerade zu der perfekten Show ihren Vorhang vergessen zu haben – sie schwirren aufgeregt über die Bühne. Bis sich eine Lösung findet. Das Publikum verwendet seine eigenen Augen als Vorhänge und siehe da: Kaum sind sie geöffnet, schwebt schon eine Artistin am Ring.

Die Perfektion und ihr ewiger Konjunktiv

Das Stück balanciert in der Folge zwischen lautem, schnellen Chaos und den Kunststücken, die bis zum Applaus Langsamkeit und anerkennende Stille bringen. Für den Zirkuszauber ist alles dabei: Jonglage, Seilnummern, Veloakrobatik und alles andere, was das Publikum in Staunen zu versetzen vermag.  Die Zirkusnummern werden mit tosendem Applaus, und manchmal auch mit einem anerkennenden «Alter…» (Zitat Publikum) kommentiert. Vom atemstockenden Staunen kann sich das Publikum mit Lachen erholen. Beim gefühlt achten Anfang der «perfect show» kann man den Tortellinis beim Zähneputzen zusehen. Oder aber sie stehen mit erhobenen Armen da, während jemand mit einer Dose Deo durch die Reihe rast.

Die Perfektion scheint sich für die Artist:innen nicht einzustellen. Da kann auch der nun aufgehängte Vorhang nichts ändern, der in passenden Rottönen zur Kulisse erscheint. Oder aber die passende musikalische Begleitung, die vom Gerüst rüberschallt. Der Kriterienkatalog für «gute Kunst» sitzt ihnen im Nacken. «Vielleicht stehen wir wieder auf, vielleicht nicht», skandieren sie, während die sonst so beweglichen Artist:innen auf der Bühne liegen. Mit Akkordeonmusik verfallen sie in Monologe über «den ewigen Konjuktiv». Was wäre wenn?  Welchen Sinn hat Zirkus, wenn er nicht als sinnvoll wahrgenommen wird? Dabei entdecken die Artist:innen ihre ganz eigene Bedeutung des Scheiterns und wie viel Zirkuszauber ihr innewohnt. Das Selbstbewusstsein ist spätestens wiedergewonnen, wenn sie über den Zirkus Tortellini singen, dass er «Leider geil» ist – und Standing Ovations das bestätigen.

Der Zirkus Tortellini spielt The perfect Show unter der Regie von Valeria Stocker und der musikalischen Leitung von Alban Müller bis zu der Dernière vom 4. September noch ganze neun Mal! Tickets gibt’s hier. Der «ewige Konjunktiv» wird wohl auch dich verfolgen, wenn du diese Chance nicht ergreifst…

Fotos: Jugendzirkus Tortellini