Aufgemischt Musik

Der Künstler als Charon, die Musik als die Fähre – Endless Bazaar N°42 min read

28. August 2021 2 min read

Autor*in:

Der Künstler als Charon, die Musik als die Fähre – Endless Bazaar N°42 min read

Reading Time: 2 minutes

Nach kurzer Sommerpause des Konzert-Labels Endless Bazaar, eröffnet Gil Schneider alias GIL die neue Saison der Konzertreihe der Kegelbahn in Luzern. Der Sound des Schweizer Künstlers, der jetzt in Berlin lebt, trägt eine sehr düstere Stimmung in sich und das erstarrte Publikum lauscht gebannt den Klängen die GIL in die Kegelbahn trägt.

Das Konzert startet mit einfachen Akkorden auf einem Piano welches GIL live bespielt. Der Sound beginnt in einer gewohnten Harmonie und verfällt immer mehr und schneller in dissonantere Klänge und läuft so über, in die mysteriösere Stimmung welche die gesamte Performance atmosphärisch fundieren wird. Begleitet oder unterlegt wird das anfängliche Klavierspiel mit Field Recordings. Kinderlachen und Vogelgezwitscher vereint mit den verwirrt wirkenden Tastenklänge des Pianos.

Über diesen noch musikalisch vertrauten Beginn geleitet der Künstler die Zuhörer durch die düsteren und akustisch ungewohnteren Zugänge seines Sounds. Vorbei an einem Edit des Suspiria Themes, geschmückt mit einer neuen Rhythmik und 808-Bässen, an Spoken Words über Verfolgungsjagden und seltenen kurzen Tanzelementen und kleine Pop- und Clubreferenzen, passiert das Publikum geführt durch den Künstler die düsteren Klangwelten des Sounds des GIL. Die Musik ist filmisch, verwirrend, obskur. Durchgehend wird Emotion und Fantasie angeregt oder teils fast schon bereits begleitet durch die Klänge des Musikers. Der Sound scheint oftmals mit vertrauten Rhythmen und Klängen am Zuhörer anzudocken und ihm Halt zu geben, schmeisst ihn doch sogleich wieder von sich und lässt ihn in eine Akustik der Verwirrung und des Unbekannten fallen.

Getanzt wird während der Performance kaum. Zwar versuchen sich immer wieder einzelne Zuschauer an teils auftauchende repetitive Rhythmik zu klammern, jedoch gelingt dies auch nur in den Sequenzen in jenen GIL dies zulässt. Im grossen Ganzen lauscht das erstarrte Publikum gebannt den Klängen und findet sich in dieser Atmosphäre welche der Künstler manifestiert ein. Still steht das Publikum auf der Fähre welche GIL als Charon mit seinem Pult vor welchem er steht steuert. Ein berauschendes, faszinierendes Konzert welchem man sich hingeben muss um die Fahrt geniessen zu können.