Musik

olfactory meditation tape loops – Endless Bazaar N° 73 min read

11. Oktober 2021 2 min read

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olfactory meditation tape loops – Endless Bazaar N° 73 min read

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Der Boden mit Kissen und Teppich bedeckt, auf dem Tresen ein Früchtebouqet, das Setup in der Kegelbahn am vergangenen Dienstag liess bereits erahnen in welche Richtung sich der Abend musikalisch bewegen dürfte. Der sonstige Ravekessel wird zum Chillout umfunktioniert. Der Sound der zwei Künstlerinnen wird jedoch nicht nur in der Entspannung verweilen sondern fordert und verwundert. 

Wie ein Atelier oder ein Studio ist der Raum eingerichtet, zwei verschiedene Installationen von digitalen und analogen elektronischen Musikinstrumenten zieren jeweilige Ecken der Räumlichkeiten des Luzerner Klublokals. Kombiniert mit Teppich und Kissen entsteht damit eine Stimmung einer gemütlichen kreativ musikalischen Werkstätte.

Es ist genau dieses umfängliche Konzept in welches Veranstaltungen des Bazaars gepackt sind, welches die  Einzigartigkeit dieser Konzertreihe ausmacht. Die Veranstaltungen wandeln sich, und runden jeden Event angepasst ab, in einer Weise welche die  Zuschauer bewusst begleitet, oder auch im Raum stehen lässt. Musiker werden konzeptuell in den Rahmen des Abends hineinkomponiert, die Künstler werden durch Parallelen, Analogien oder Deviationen verbunden. Teils wird, wie diesen Dienstag, sogar das Setting darauf abgestimmt. 

In dieses Setting setzt sich Martina Lussi an ihr Pult. Darauf erscheinen vertraute, konkrete Klänge; sich vermehrende Fussschritte, Naturgeräusche, Wind. Mit der Pluralisierung der Klänge tauchen auch vermehrt abstrakte elektronische Klänge auf und schliessen sich dem generierten Soundscape an. Besonders präsent erscheint ein Basston der organisch mit dem Wind mitzuschwingen scheint. Mehr und mehr wird jedoch diese begleitende Qualität des natürlichen und elektronischen gebrochen und die abstrakten Töne nehmen Überhand im Klangkonstrukt, zwar tauchen die organischen, oder Natürlichen Sounds immer wieder auf und beruhigen die Energie der Musik, aber die Elektronik bleibt präsent. Unterstrichen wird die Performance olfaktorisch mit einer Essenz welche wie auch der Sound schwer einzuordnen ist, Petersilie, Blätter oder doch Gurke? Innerhalb des Konzerts erscheinen melodiösere Intermezzos, Pop-Elemente oder hypnotische Spoken-Word Elemente die an Laurie Anderson erinnern, und Bewusstsein oder die Präsenz oder Absenz dessen beschreiben. Mit den warmen Drones und der begleitenden weichen Stimme der Künstlerin entsteht eine Stimmung welche man auf Meditationguide-Tapes der frühen 2000er findet. In sich ein Sinn- und Gedankenerregendes Konzert, voller Abwechslung und doch einem angenehmen Bogen der in sich rund wieder zum Organischen des Anfangs zurückkehrt.

Nach kurzer Pause wird der Abend durch die Künstlerin Marta de Pascalis fortgeführt. Mit alten Synths und einer Tapespule ausgestattet beschallt sie die Zuhörer anfänglich mit Synthklängen die an New Age der 90er wie Deuter oder auch Vangelis erinnern, somit besteht eine erstmalige klangästhetische Parallele zu Lussi. Im Verlauf des Konzerts wird die Musik aber komplexer, intensiver. Fundiert wird die Musik in einem präparierten, analogem Tapeloop. Die Musikerin manipuliert den Klang des Tapes mit Pappstücken, die sie daran legt um den Klang zu verzerren. Somit entsteht eine zyklische Grundqualität in der Musik die den Zuhörer hineinzieht in die ineinander zerschmelzenden Synthdrones. Der Sound ist hypnotisch, berauschend. 

Die Energie wird jedoch im Verlauf eine immer düstere, im Vergleich zu Martina Lussi. Aber die Musik ist im grossen Teil doch für das ungeschulte Ohr nicht melodiöser aber zumindest tonaler, klarere Frequenzen, eine zirkulierende, pulsierende Rhythmik. Der Sound ist treibender, auffordernder. Und doch verliert sich der Zuhörer in den verwirrend übereinandergelegten Klängen, welche die Geräte durch Marta de Pascalis betätigt von sich geben.