Theater

„Das esch happiness, das esch algorithm“ – Aphrodite von die Nachkommen3 min read

20. November 2021 2 min read

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„Das esch happiness, das esch algorithm“ – Aphrodite von die Nachkommen3 min read

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Speicheltests als Rekalibrierung unserer zwischenmenschlichen Beziehungen? Ein Drucker mit Spotlight soll es richten. Nein, vielmehr ist Aphrodite eine KI, die uns wieder ermöglichen soll, bedeutsame Beziehungen zu führen. Im Schlössli Utenberg sitzt man als Investorin auf weissen Sesseln und hört sich an, wie das gehen soll: „Needs satisfied, happiness maximized“. Die vier Schauspieler:innen vom Kollektiv die Nachkommen lassen die KI in der Alphaphase  ihr Leben und Lieben diktieren. Denn: Wie soll man 2021 ohne „algorithm“ wissen, was man sich wünschen soll?

Das Schlössli Utenberg begrüsst das Publikum an diesem kalten Novemberabend als leuchtende Bastion. Um was soll es an diesem Ort wohl gehen, wenn nicht um ein Stück über Liebe? In der beliebten Hochzeitslocation begegnet einem als erstes Nina Halpern, die von Leonardo Dicaprios Verflossenen (alles velofahrenden Models) berichtet. Und auch das Publikum muss sich als erstes zwischen den vier Schauspieler:innen entscheiden. So zum Beispiel Lori, die erklärt, was sie sich vom Experiment Aphrodite verspricht.

Dann wird Aphrodite im Saal vorgestellt, das pinke Logo wird auf den Spiegel projiziert. Norma und Enno, die Initiant:innen des Projekts (und ein ehemaliges Paar) sprechen von der Rekalibrierung von zwischenmenschlichen Beziehungen – Von der maximalen Happiness halt. Die mit einem Zahnpastalächeln vorgetragenen Phrasen wirken schal, als ob man sich wirklich im Silicon Valley befinden würde. Und sie lassen erahnen, dass wohl in der nächsten Stunde nicht alles so rund laufen wird, wie der Slogan „do it right, with aphrodite“ impliziert. Gespielt von Klara Förster, Xenia Bertschmann, Ines Vita Amstad und Gian Leander Bättig geben die Figuren Einblick in ihr Innenleben, welches zwischen Skepsis und Vertrauen zu Aphrodite schwankt.

Was ist man ohne die Deutungsmacht der Maschine?

Die vier Menschen, die auf die Alphaphase vertrauen, sieht man in der Folge ständig mit einem Stäbchen im Mund für den Speicheltest Aphrodites Botschaften aus dem Drucker erhaschen. Aphrodite bringt sie dazu, zusammen in Kochbüchern zu schmöckern, tagelang alleine joggen zu gehen oder zusammen Salsa zu tanzen. Doch, die Wünsche, die Aphrodite aus dem Drucker ausspuckt, decken sich schliesslich trotzdem nicht immer damit, was sich die einzelnen Menschen fühlen. Ist Aphrodite kaputt? Oder man selbst nicht mehr in der Lage, seine eigenen Gefühle richtig zu entziffern?

Das Stück Aphrodite des Kollektivs die Nachkommen verhandelt, was dem Menschen noch bleibt, wenn er die Deutungsmacht der Maschine an sein Innerstes heranlässt. Und er eine Frage trotzdem noch im Hinterkopf behält: Wünscht du dir das? Dass dir eine KI sagt, was du fühlst? Das skurrile Ende lässt die Einsamkeit des Schlössli Utenberg erahnen, welches selbst den Versprechungen von Aphrodite nicht widerstehen kann. Zu einfach ist diese Lösung, seine happiness von einer Maschine maximieren zu lassen. Schliesslich ist es dann doch das Publikum an der Bar, welches das Schlössli mit andern Bauten matchen kann. Von di Caprios Verflossenen ist man über einen matchenden Drucker hier gelandet und weiss nun: Selber auswählen – Das esch happiness!