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Aus der Regenbogen-Wunschbox vom «Queeren Winterzauber» by Rachel Harder3 min read

9. Januar 2022 2 min read

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Aus der Regenbogen-Wunschbox vom «Queeren Winterzauber» by Rachel Harder3 min read

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Es ist schon wieder eine Weile her seit es im Südpol glitzerte und richtig laut war. Am «Queeren Winterzauber» im Dezember stellten wir eine Wunschbox auf und fragten die Menschen vor Ort, was sie sich für die queere Community von Gesellschaft und Politik wünschen. Dabei kam Einiges zusammen, was wir nun mit euch teilen wollen. 

Toleranz, Gleichberechtigung und Verständnis für Queerness

Die Menschen, welche vor Ort waren wünschen sich vor allem Liebe für alle. Wieso soll Liebe eine Grenze haben? Es kann nie genug Liebe geben für alle, so der Tenor. Die Queerness soll akzeptiert, die Menschen angenommen werden. Der Stadt-Land-Graben bezüglich Verständnis für Querness soll verschwinden und die Leute wünschen sich mehr Ehrlichkeit gegenüber einander. Es soll für mehr Sicherheit und Gleichbehandlung gesorgt werden und dies soll nicht die alleinige Aufgabe der queeren Community sein.

Es braucht Verständnis und Unterstützung der Politik, damit die Energie der LGBTQA+ nicht bei der Abwehr und andauernden Rechtfertigung gegen Anfeindungen verloren geht, lassen andere Zettel verlauten.

Andere Zettel-Bekritzler:innen lieferten konkrete Vorschläge wie gegen Vorurteile, Hass und Abgrenzung vorgegangen werden kann. Beispielsweise fordern sie die Abschaffung der Geschlechtsangaben in der Bürokratie. Eine solche Veränderung würde dazu führen, dass die Menschen der Community von unnötigen Unsicherheiten und unangenehmen Gefühlen verschont bleiben. Wichtig und unverzichtbar sind Infotage für Schulen, an denen Aufklärung und Suizidprävention angeboten werden soll.

Normalisierung der Queerness

Die am Queeren Budenzauber tanzenden und feiernden Menschen wünschen sich mehr Repräsentation von Queerness, was dazu führen könnte, dass es in der breiten Gesellschaft keine Exotisierung, sondern eine endliche Annahme von Queerness geben würde. Die Queercommunity müsste sich nichts mehr wünschen, es wäre kein Thema mehr. Aber wie gelingt es, mehr Repräsentation zu schaffen, und eine Annahme aller zu erreichen? Wir denken, dass die queeren Veranstaltungsreihen by Rachel Harder im Luzerner Südpol auf jeden Fall auf ihre Art Repräsentation schaffen.

Vor allem dann, wenn Musik, Show und Tanz mit Informationsanlässen verbunden werden. Diese sollen Sensibilität für Queerness schaffen, worin ein grosses Potenzial steckt. Aber wie können Menschen, die null sensibilisiert sind und es auch nicht sein wollen, sensibilisiert werden? Dies ist eine Frage, die ich mir selbst immer wieder stelle, wenn es darum geht, Veränderungen in bestehenden Systemen zu schaffen.

Wie kann erreicht werden, dass eine Gesellschaft dem binären Geschlechtersystem von Mann und Frau weniger Gewicht verleiht? Die Menschen vom Südpol-Fest wünschen sich die Non-Existenz der Geschlechter und das kritische Hinterfragen des biologischen Geschlechts und sozialen Geschlechts. Kritisches Hinterfragen vor allem, weil im existierenden und herrschenden System sehr viele Menschen nicht mitgedacht werden und diese unter diesem Ausschluss leiden. Wenn ein Mensch sich mehr geschlechtslosen Sex wünscht, dann besteht der Wunsch wohl darin, der Lust mehr Beachtung zu schenken als der Fortpflanzung.

Alles wundervolle Menschen

Eine weitere am Winterzauber anwesende Person wünscht sich, dass endlich alle angenommen werden. «Egal ob bi, schwul, trans, Lesbe, sie sind wundervolle Menschen». Dieser Wunsch stimmt nachdenklich, da sich schnell die Frage stellt, ob Menschen der Queercommunity denn zuerst noch allen beweisen müssen, dass sie wundervoll sind?

Menschen haben den Wunsch sich immer so wohl zu fühlen wie an diesem Abend. Doch wieso funktioniert das im Alltag niemals so gut wie an queeren Parties? Es scheint, als sei es noch ein langer Weg, bis eine ganze Gesellschaft so offen und herzlich ist wie die Stimmung an diesem Abend.

Es liegt an uns, den Weg in diese Richtung zu Bahnen und uns einzusetzen für eine echte und ehrliche Diversität.

Titelbild: Patrick Hürlimann