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Black Lives Matter und eine Huldigung an Roger Federer: Der letzte literarische Jahresrückblick4 min read

12. März 2022 4 min read

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Black Lives Matter und eine Huldigung an Roger Federer: Der letzte literarische Jahresrückblick4 min read

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Wir freuen uns, euch im letzten Rückblick des Buchjahres 2021 diverse englischsprachige Autor:innen vorstellen zu dürfen. Dabei legen wir den Fokus auf die nordamerikanischen Schreiber:innen respektive die USA. 2021 stand, ähnlich wie schon im Vorjahr, bei den Verlagen im Mittelpunkt bei den ausländischen Büchern der People of Color. Den haben wir ähnlich gesetzt und euch noch ein Schmankerl aus der Versenkung geholt, welches wieder neu aufgelegt wurde.

Das Buch von Kiley Reid (Titelbild) «Such A Fun Age». (Bild: zVg)

Der einzigen Dame in unserem Rückblick gewähren wir daher gentlemen-like den Vortritt, nämlich der bezaubernden Kiley Reid. In ihrem Debüt «Such a Fun Age» geht es um eine schwarze Babysitterin, die kurz nach Mitternacht noch mit der weissen Tochter einkaufen gehen soll. Das allerdings scheitert genauso wie die guten Absichten der Mutter. Eigentlich meint sie es nicht so, dennoch gehen in diesem Werk einige Dinge grundlegend in die falsche Richtung. Spannend wiederum sind die Wendungen, die uns immer wieder ans Buch fesselten. Reid gelingt mit ihrem Erstling zudem, dem weissen Amerika in Zeiten der Black Lives Matter-Bewegung einen Spiegel vorzuhalten. Zusätzlich wird auch sehr deutlich gemacht, was es immer noch heisst, mit Privilegien zu leben. Da freut man sich auf die kommenden Werke der Lady aus Los Angeles.

Der US-Amerikanische Autor Brandon Taylor. (Bild: Bill Adams)

In der gelungenen Übersetzung von Eva Bonné erzählt Brandon Taylor in «Real Life» von einem schwarzen schwulen Mann. Genauso wie er. Der Protagonist arbeitet als Biochemie-Laborant in einer kleinen amerikanischen Universitätsstadt, die er als befremdlich und sehr weiss empfindet. Zusehens versteckt er sich in seinem Job und analysiert das Leben aber sehr scharfsinnig um ihn herum. Das Werk beschreibt viele Alltagssituationen und anscheinend das Leben eines Aussenseiters. Was hier und da wie eine Art Abrechnung des Autors mit der Gesellschaft wirkt, aber uns unter dem Strich etwas gelangweilt hat. Sicher spricht eine Nominierung für den Booker Prize Bände, aber so sehr es einerseits den Zeitgeist trifft, hat es uns nicht wirklich erreicht und auch nicht allzu sehr bewegt.

Jamel Brinkley (Bild: Arash Saedilia)

Kommen wir zum dritten Werk in unserem englischsprachigen Literaturrückblick. Das von Uda Strätling übersetzte Werk «Unverschämtes Glück» erschien im Original von Jamel Brinkley bereits 2019. Wir waren dennoch sehr erfreut, es, wenn auch spät, lesen zu dürfen.
Es werden mehrere Kurzgeschichten von jungen urbanen Afroamerikanern erzählt. Im Grunde genommen befinden wir uns entweder in der Bronx oder im Brooklyn der Jetztzeit. Egal ob zwei junge Schwarze Männer bei einem Partybesuch feststellen, dass sie doch nicht so cool sind, wie sie meinen oder ein kleiner Junge sich über einen Haarschnitt aufregt. Brinkleys kurze Erzählungen haben es in sich und sprühen vor Echtheit. Es geht dennoch immer um die Frage, was Männlichkeit ist oder was sie gerne wäre. Präzise und humorvoll.

Eine Huldigung an Roger Federer

Im letzten Teil des Jahresrückblicks widmen wir uns der Huldigung Roger Federers durch David Foster Wallace. Der bereits 2008 verstorbene Autor war quasi Federers grösster Fan, was wiederum seine Fans spätestens seit «Ein unendlicher Spass» schon wussten. In der bei KiWi erschienenen zweisprachigen Ausgabe von «Roger Federer» hatten wir die grosse Freude, parallel lesen zu dürfen und huldigen an dieser Stelle selber auch einmal. Denn Übersetzer:innen gebührt an dieser Stelle auch der Respekt, den sie nur selten bekommen. Danke, Ulrich Blumenbach. Great Job man!

Portrait von David Forster Wallace im Jahr 1996 (Bild: Gary Hannabarger)

Federer selber sagte seiner Zeit: «Ich wusste nicht, ob daraus der beste oder schlimmste Text über mich werden würde.» Wir gehen von Ersterem aus. Oder Roger? Wir blieben aber die ganze Zeit am Staunen und denken, dass wohl selten einem Sportler so viel Admiration und Herzlichkeit geschenkt wurde wie in dieser Lobhudelei. Unglaublich, wie genau sich Foster Wallace mit dem Ballspiel doch auskennt und wie viel Liebe und Feuer er sowohl als Zuschauer wie auch als Schreiber zu Papier gebracht hat. Tatsächlich ist diese Hommage nicht nur etwas für Tennis- und Sportfreunde. Schlussendlich müssen wir uns alle bei der Tennisspielerin und Autorin Andrea Petković bedanken, die ihrerseits Patin für eine Wiederveröffentlichung des Werkes stand. Hvala lijepa!

Diese Bücher passen gut zu…

…einem Tennismatch in Flushing Meadows

…Freunden von guten englischen Übersetzungen

…einem hausgemachten Imbiss mit einem kalten Bier

 

 

 

Titelbild: Gary Hannabarger Phtotgraphy