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«Zumutung Nachbarschaft» – Apps, die sich ein Smartphone teilen2 min read

12. April 2022 2 min read

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«Zumutung Nachbarschaft» – Apps, die sich ein Smartphone teilen2 min read

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Apps – Die Innereien deines Smartphones. In der Zwischenbühne Horw zeigt Zumutung Nachbarschaft von die Nachkommen, was sein könnte, wenn das Menschsein in der digitalen Welt kein Ende findet. Wie vernachlässigt und hilflos würden sich unsere tagtäglichen Helfer in ihrem Leben fühlen? Schliesslich summiert sich alle Macht über sie in der Hand eines einzelnen Menschen, des ominösen «Users». Oder wie es Kalender im Stück beschreibt: «Mer wüssed nie, wenn mer weder verwachet…».

Unter einem halb leeren Akku und dem Flugmodus-Symbol sitzen die Schauspieler:innen auf leuchtenden Hockern, die die Apps symbolisieren, die sie selbst verkörpern. Manchmal stehen alle simultan auf, schütteln sich, heben ihr icon und begeben sich an ihren neuen Platz. Neuorganisation – Ganz wie in echt halt. Das Zersplittern des Screens oder einen Wasserschaden erleben sie wie ein Naturereignis. Den kleinen Lebensraum teilen sich dabei charakterlich extrem unterschiedliche Apps: 20 Minuten ist ein aufgeblasener Poser, SBB eine dem Burnout nahe «Ordnerdurchblätterin», iMessages eine ernüchterte alte Frau, das Wetter ein militärisch auftretender Fan von Roger Federer. Auch familiäre Beziehungen bleiben den Apps in ihrer Nachbarschaft nicht erspart: Fotos und Bilder sind unterschiedliche Schwestern, von denen die eine depressiv, die andere extrovertiert ist. Geeint sind sie dabei durch den Raum, den sie bewohnen, aber auch durch das aufgeregte Warten auf das nächste Update, die neue maximierte Ausgabe des eigenen Selbst.

«Zwischenapplikatorische» Beziehungen

Die Handlung des Stücks, dessen Text und Idee von Lisa Brunner stammen, nimmt den Mikrokosmos der „zwischenapplikatorischen“ Beziehungen ins Visier. Von aussen gibt es zwar Handlungen von User, dessen Reise ans Nordkap beispielsweise Verunsicherung und Vorfreude in Form einer Party stiftet. Zentral dreht es sich das Stück aber um die Apps, ihre Macken und Konflikte. Zumutung Nachbarschaft ist dabei ein äusserst amüsantes Stück, das die kindliche Vorstellung, was die Kuscheltiere nachts ohne Aufsicht so treiben, in den digitalen Raum verschiebt. Dabei verliert das Publikum durch das gelungene Bühnenbild auch durch Personenwechsel nie den Überblick.

Im Stückbeschrieb steht: «Auf dieser Bühne erhalten die Apps die Aufmerksamkeit, die ihnen gebührt. Offline.» Das stimmt. Nach einer Stunde des vergnügten Zuschauens ist das Publikum dann wohl aber doch froh, dass die Apps in der eigenen Hosentasche still bleiben. Nachbarschaftsstreit kann auf die Dauer doch eine ziemliche Zumutung sein. Auch wenn er als Beobachter:in für eine kurze Zeit ungemein lustig sein kann.

«Zumutung Nachbarschaft» kannst du noch am 13.04 & 14.04 um 19:30 in der Zwischenbühne Horw erleben. Tickets gibts hier!

Fotos: Marco Sieber, www.marcosieber.ch

Text/Idee: Lisa Brunner

Regie: Nina Halpern & Gian Leander Bättig

Bühne: Christof Bühler

Spiel: Anton Kuzema, Elena Blättler, Gioia Schaller, Ines Vita Amstad, Julia Steiner, Klara Förster, Leon Schulthess, Noah Husmann, Xenia Bertschmann