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Honey for Petzi: «Wir sind keine Nostalgiker»4 min read

21. April 2022 4 min read

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Honey for Petzi: «Wir sind keine Nostalgiker»4 min read

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Die Post-Rock-Band Honey for Petzi, bestehend aus den drei Mitgliedern Sami Benhadj, Philippe Oberson und Christian Pahud, meldet sich mit neuer Musik zurück. Schon Anfang der 2000er Jahre mischte die Lausanner Band die Schweizer Alternativ-Rock-Szene auf.

Text: Julia Süess

Plaudern mit frachtwerk und Konzert im Konzerthaus Schüür spielen

Bekannt sind Honey for Petzi für ihren rauen, rhythmischen Sound, der sie schon bis vor die Tür des Rock-Produzenten Steve Albini führte. Nun tourt die Band mit ihrem neusten Album «Observations + Descriptions» durch die Schweiz. In diesem Werk verschmelzen Einflüsse des Post-Rock der 2000er Jahre mit frischen Pop-Elementen zu einem höchst energetischen Sound.

Honey For Petzi (Bild: Two Gentleman)

Wir hatten die Möglichkeit mit der Band über ihr allerneustes Album zu sprechen.

Wie entstand die Idee zu eurem neuen Projekt? Immerhin liegt etwas mehr als ein Jahrzehnt zwischen diesem und dem letzten Album, das ihr aufgenommen habt.

Eine zeitlang war es tatsächlich ruhig um Honey for Petzi. Jedes unserer Mitglieder verfolgte eigene Projekte, teils auch im Ausland. Wir blieben in Kontakt und sahen uns ab und zu. Die Musik war dabei aber nie Thema. Mit der Zeit wurde die Nachfrage nach neuer Musik jedoch immer grösser. Da wir Lust auf ein neues Projekt hatten, beschlossen wir einen Zeitraum zu fixieren um zu spielen und zu schauen, ob was Neues entstehen konnte. Das war Ende 2018. Zu unserer Freude lief es sehr gut und wir konnten viel Material sammeln. Wir organisierten uns in kleinen Sessions – eine Woche hier, paar Tage da. Zu diesem Zeitpunkt war es die einzige Möglichkeit, trotz unserer verschiedenen Lebenssituationen etwas auf die Beine zu stellen.

Erzählt mir was über den Titel eures Albums «Observations + Descriptions»

Wir haben für das Album Songs auf Französisch, sowie auch auf Englisch komponiert. Deshalb haben wir einen Titel gewählt, der für beide Sprachen passt. Hinzu kommt, dass es sich bei den meisten Songtexten um Beobachtungen und Beschreibungen handelt.

Auf welche Art entstand das Album? Gab es dazu ein Konzept oder entstand die Musik mehr oder weniger spontan?

Das Album entstand Schritt für Schritt, Stück für Stück. Wie ein Puzzle. Sobald wir eine Idee hatten, arrangierten wir diese und nahmen sie direkt auf. Unsere Songs entstanden meist innerhalb von zwei bis drei Tagen. Da manchmal Monate zwischen den Sessions lagen, liefen wir so auch nicht in die Gefahr, die Songs oder die Art, wie wir gewisse Sachen spielen wollten, zu vergessen. Sobald wir was im Kasten hatten, ging es schon weiter zur nächsten Session und den nächsten paar Songs. Es war eine sehr effiziente Art, Musik aufs Band zu bringen. Umso anspruchsvoller für Christian, unseren Bassisten, der für den grössten Teil des mixings und producings verantwortlich war.

Wie stark beeinflusst das eure Live-Auftritte?

An den Konzerten spielen wir neue sowie auch alte Tunes, wobei wir die neuen komplett neu erarbeiten mussten. Da die Songs innerhalb einer sehr kurzen Zeit entstanden sind, hatten wir gar nie Zeit, um sie richtig zu lernen. Wir befinden uns immer noch mitten im Prozess, einen guten Sound zu kreieren. Dabei erhalten wir Verstärkung von Mathieu Urfer, der uns als vierter Musiker auf der Bühne ergänzt. Im Prinzip sind wir also eine Coverband für Honey for Petzi. Wahrscheinlich die beste, aber gleich eine Coverband.

Bild: Two Gentlemen

Was nehmt ihr von dieser letzten Zeit mit für die Zukunft?

Die Arbeit an «Observations + Descriptions» hat unsere Idee über mögliche Herangehensweisen an ein Album total verändert, da wir uns mehr auf die einzelnen Songs und weniger auf ein Konzept konzentriert haben. Wir dachten anfangs gar nicht erst an ein Album. Das kam erst viel später, als wir merkten, dass wir genug Songs für eine Platte zusammen hatten. Diese Herangehensweise hat uns viel Freiraum gelassen. Wir haben alle möglichen Ideen zugelassen und liessen uns von den dabei entstehenden Sounds überraschen.

Es ist euch gelungen, eurem Sound treu zu bleiben und trotzdem mit der Zeit mitzugehen. Seht ihr das auch so?

Das war uns tatsächlich sehr wichtig. Wir hören ständig neue Musik und sind in dieser Hinsicht echt keine Nostalgiker.

Es gibt gewisse Elemente unseres Sounds, die wir sehr interessant finden. Beispielsweise der Bass, der in unserer Musik sehr wuchtig daherkommt. Diese Ästhetik schlängelt sich durch all unsere Alben. Paar dieser für uns charakteristischen musikalischen Elemente behalten wir über Jahre hindurch. Wir versuchen aber immer neue Wege zu finden, um diese Details in einen Sound zu integrieren, der sich der aktuellen Zeit anpasst.

Als ältere Band fragen wir uns oft, inwiefern wir in der heutigen Zeit noch relevant sind. Sind die Leute vor allem an unserer alten Musik interessiert oder schaffen wir es, sie mit etwas Neuem zu begeistern? Das ist und bleibt für uns eine wichtige Frage.