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Landwirtschaftswerkzeuge begleiten Schreie über den Tod – Senyawa an der Bad Bonn Kilbi1 min read

5. Juni 2022 2 min read

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Landwirtschaftswerkzeuge begleiten Schreie über den Tod – Senyawa an der Bad Bonn Kilbi1 min read

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«Every Set has a concept, a story, but I don’t wanna ruin your day with a Story about Death», so Rully Shabara, Leadsänger der indonesischen Band «Senyawa» an der Bad Bonn Kilbi. Die Band kombiniert und verbindet traditionelle indonesische Musik mit Noise, Hardcore, Metal und Ambient Elementen. Ein Feuerwerk der Ekstase und der Spiritualität.

Ganz in Schwarz gekleidet betreten Senyawa die A-Stage der Kilbi Bad Bonn, der eine schreitet an Mikrofon und Distortion- und Loopstation, der andere an seine selbstgebauten Saiteninstrumente. Das eine besitzt dicke schwarze Seile, das er besonders für Perkussion verwendet. Das andere ist tonaler und bezweckt besonders harmonische Klänge. Natürlich werden sowohl Stimme als auch Instrument in avantgardistischer Tradition entfremdet und mit den Grenzen der gegebenen Werkzeuge experimentiert.

Der Leadsänger Rully Shabara schwankt zwischen liturgischem Gesang und verschiedensten Formen des Growlings, und Kehlkopfgesang. Besonders intensiv wird seine Stimme verwendet, indem er sie mithilfe der Loopstation mit kurzen Patterns layert, bis ein chaotischer Chor aus schreienden Shabaras entsteht. Daneben hämmert Wukir Suryadi auf eines seiner selbstgebauten Instrumente, die er meist aus indonesischen Landwirtschaftswerkzeugen oder aus Bambus fertigt. Diese bespielt er mit diversen Werkzeugen, die er neben sich ausbreitet. Dazu gehören unter anderem verschiedene Schlagelemente und ein Streichbogen. Die komplexe Rhythmik, die er auf die Instrumente schlägt, erinnert stark an Indonesische oder Taiwanische Opferungsmusik.

Spielt auf eigens konstruierten Instrumenten: Wukir Suryadi (Bild: frachtwerk/Jan Rucki)

Insgesamt manifestiert sich die Performance in einer extremen Energie, fast schon in einer vermeintlichen Aggression. Das Konzert ist überwältigend, furchteinflössend und bringt die Zuhörer:innen in einen Zustand der Trance, in einer solchen auch die zwei Musiker hingebend schweben.

Titelbild: frachtwerk/Jan Rucki