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Laut, vibrierend, aquatisch – Joyfull Seeorchester an der Bad Bonn Kilbi2 min read

5. Juni 2022 2 min read

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Laut, vibrierend, aquatisch – Joyfull Seeorchester an der Bad Bonn Kilbi2 min read

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Es ist der zweite Tag an der Kilbi Bad Bonn, Samstagmittag. Das Publikum sammelt sich am See. In freudiger Erwartung baden die Besucher der Kilbi, sie warten auf ein besonderes Happening. Hans Koch, Martin Schütz und Julian Sartorius bringen gemeinsam mit dem Lautsprecherorchester zu einem berauschenden Klangebilde zusammen.

Die Musiker:innen des Lautsprecherorchesters Freiburg bilden einen Kreis um Julian Sartorius, Hans Koch und Martin Schütz. Die drei, besonders Sartorius, instruieren die Musiker wie das Spektakel ablaufen wird. Sie sollen nicht versuchen zu interragieren sondern starke Statements zu spielen. Koch, Schütz und Sartorius werden per Funk dirigieren, wo die Boote hinfahren sollen, und wann wer sein Spiel stoppen und wieder beginnen soll.

«I will only say stop»
Hans Koch

Das Dirigententrio: Hans Koch, Martin Schütz und Julian Sartorius (v.l.n.r.) (Bild: frachtwerk/Jan Rucki

Nachdem das Briefing beendet ist, begeben sich die Musiker auf jeweilige Boote, die mit Lautsprechern und Instrumenten beladen sind. Die drei Dirigenten verschieben sich an den Rand des Ufers, von wo sie sich einen Überblick verschaffe. Akustisch sind sie mit Kopfhörern und Funk mit den Schiffsbesatzungen verbunden. Auf den Booten erkennt man unter anderem ein Harmonium, selbstgebaute Lautsprecher, verschiedene Amps, eine Klarinette und weitere Klangkörper und Instrumente.

Die Boote verteilen sich auf dem See und der Sound entflammt von einzelnen der Lautsprechern. Verschiedene musikalische Themen entstehen parallel auf den Booten, einzelne Bordun-Töne, sehr rhythmische Sparten, harmonische und melodiöse Motive werden von den verschiedenen Gefährten über den See geschickt und beschallen das Publikum am Strand des Schiffenensees. Die Improvisation ist sehr dynamisch, sehr wechselnd, über vereinzelte harmonisierenden Sequenzen bis wieder hin zu totalem akustischem Chaos. Sartorius spricht rhythmisch schwankend in sein Funkgerät.

Die Boote verteilen sich, fahren parallel in entgegengesetzte Richtungen aneinander vorbei, nehmen so auch die musikalischen Elemente mit sich und tauschen sie, wechseln deren Standort und somit auch das gesamte Klanggebilde, wie Hans Koch bereits im Briefing erwähnte: «Es wird kein Stereosound entstehen» Besonders spannend sind aber doch die Sequenzen in denen die Boote wild durcheinander fahren, und auch ihren Sound in einer Heterogenität über den See knallen, so dass Wasser und Ufer vibrieren und das Publikum in der akustischen Reizüberflutung begeistert wird.

Titelbild: frachtwerk/Jan Rucki