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Audiovisuelle Performance zwischen Tradition und Avant-Garde: Jerusalem in My Heart2 min read

6. Juni 2022 2 min read

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Audiovisuelle Performance zwischen Tradition und Avant-Garde: Jerusalem in My Heart2 min read

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Distorted Oud, überblendeter analoger Film und ein Schlauch. Wir sprechen vom visuellen und akustischen Experiment des Duos «Jerusalem in My Heart» auf der B-Stage der Kilbi Bad Bonn. Das Duo kombiniert experimentellen Film mit elektronischen Sounds, mit Vokalexperimenten und mit traditionellen Einflüssen, sowie der Dekonstruktion ebendieser.

Schon bereits vor dem Konzert wird im Publikumsraum der B-Stage an der Kilbi ein Gerüst aufgestellt. Darauf werden vier analoge Filmprojektoren installiert, dahinter eine Art Kleiderstange mit darüberhängenden Filmbändern. Auf der Bühne steht, hinter einer Oud und einigen elektronischen Instrumenten, auch eine Leinwand. Radwan Ghazi Moumneh bespielt die Instrumente, Erin Weisgerber wird sich später an den Projektoren betätigen.

Moumneh experimentiert mit Sound. Er nimmt Elemente aus traditioneller arabischer Musik und entfremdet sie in die Avant-Garde, beispielsweise mit der traditionellen Langhalslaute.

Besonders spannend ist jedoch der Schlauch, der an Pete Drake mit seiner «Singing Steel Guitar» erinnert. Er steckt sich den Schlauch in den Mund und schreit oder bläst hinein und verzerrt die Klänge, die dadurch generiert werden. Verbunden mit dem gesamten Noisekonstrukt der akustischen Darbietung wird es schwer erkenntlich, welche Klänge von seinen Vokalinstrumenten und welche von der sonstigen Elektronik gespielt werden.

Währenddessen kombiniert und überlappt Erin Weisgerber die Projektionen der 16-Millimeter-Filmrollen, welche sie sich um den Hals wirft, bevor sie sie in den Projektor einspannt und das Bild auf die Leinwand hinter dem Musiker werfen lässt. Sie variiert in der Geschwindigkeit und spielt mit Schattenwürfen ihrer Hände. Sie betreibt ein Film-Djing während der Performance von Moumneh. Die Bilder sind parallel zum Sound eher düster, oft Bilder der Natur, verzerrt, und rhythmisch präsentiert.

Die Performance irritiert und begeistert zugleich, und ist derart packend, dass man stetig mit Blick von Projektoren, Leinwand und Instrumenten hin und her schwankt, um irgendwie erfassen zu können, welcher Sound wie generiert wird, wie welche Bildverzerrung erschaffen wird, wie Weisgerber es schafft die 16mm Filme rhythmisch auf den Sound abzustimmen und was es mit dem Schlauch auf sich hat. Eine einmalige Performance – spannend in ihrer Extremität und in auch in ihrer Ungewohntheit.