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Der letzte Freitag am Montreux Jazzfestival3 min read

22. Juli 2022 3 min read

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Der letzte Freitag am Montreux Jazzfestival3 min read

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Ein Wochenende am Genfersee mit feinster Musik. Wie es am 56. Montreux Jazz Festival war, erfahrt ihr hier…

Ein bisschen gute Musik am renommiertesten Jazzfest in ganz Europa – da müssen wir mit dabei sein!  Am vorletzten Festivalabend erreichen wir DAS Jazzfestival am Genfersee. Es ist bereits zwanzig vor zehn als wir die «Avenue Nobs» betreten. Jene Prachtstrasse, an der das Geschehen zum 56. Mal stattfindet. Benannt wurde sie nach dem im Jahre 2013 verstorbenen Leiter des Festivals, der Legendenstatus hat, wie uns diverse Künstler:innen immer wieder bestätigen. Soweit so gut: Wir haschen am Lake House, dem linken Zentrum des Festivals, vorbei. An jenem Ort, wo sich Kino, Bücherei, Clubbühne und eine Loggia für Gesprächsrunden und Podcastaufnahmen befinden.

Grossmeister Van Morrison im vollen Effekt (Foto: Thea Moser)

Feinster Rap im Montreux Jazzlab

Wir eilen schnellen Schrittes an Menschmassen hinüber. Überwiegend Frauen stehen an den Tourlinerbussen und am Bühneneingang. Wir kombinieren schnell – ah – kein geringerer als Johnny Depp beehrt das Festival heute als Special Guest von Jeff Beck. Mehr dazu später im Text.
Nach kurzer Akkreditierung geht es sofort hinunter zum Montreux Jazz Lab. Die zweitgrösste Bühne des Festivals wird vom UK-Rapper Loyle Carner bespielt. Die Menge tobt und ist vergnügt. Der Saal wirkt entspannt, aber ausgelastet. Neben der stehenden Menge befindet sich eine kleine Tribüne mit Sitzplätzen für die «Besserzahlenden». Der Hinterausgang führt zu einer einladenden Bar mit Blick auf den Genfersee.

Währenddessen auf der grossen Bühne
Jeff Beck und Johnny Depp auf der Bühne des Auditorium Stravinski während des 56. Montreux Jazz Festivals (Foto: Marc Ducrest)

Carner rappt im feinsten britischem Englisch und geniesst die Menge vor sich. Kurz vor Schluss bekommen wir noch ein a-cappella um die Ohren, dass uns zum Schweigen und Schwelgen bringt. Souverän und cool verabschiedet sich der Engländer. Im Vorfeld hatte er mit dem Album «Not Waving, But Drowning» imponiert.

Die Nacht will nicht zu Ende gehen

Wir warten auf Parcels und währenddessen werden wir von lieben Festivalfreunden aus Deutschland überrascht, die uns spontan auf ein Bier einladen. Ehe wir Stopp sagen können, verpassen wir fast das Konzert und können noch Momentaufnahmen erhaschen und freuen uns über die grosse Stimmung und gute Laune im Saal. Parcels haben genauso Spass wie die Crowd, die vor Ihnen steht.

Zur etwa derselben Zeit kommt im grossen Saal, der ungefähr 4500 Seelen beherbergen kann, kein geringerer als Jeff Beck die Bühne. Das Auditorium Stravinski. Jeff Beck hat als speziellen Gast tatsächlich Johnny Depp eingeladen. Der 59-Jährige wird applaudiert und begrüsst wie die Beatles und es ist unfassbar, welche Geräuschkulisse plötzlich entsteht. Lässig spielt er zum Grandseigneur und dessen Band und darf auch selber noch etwas am Mikrofon zum Besten geben. Eher mittelmässig, aber unter dem ganzen Geschreie auch wiederum mittelmässig zu verstehen. Es wird leiser nach seinem Gastspiel und Beck bringt souverän sein Set zu Ende.

Zack boom. Tag Eins ist faktisch schon fast fertig. Aber sicher nicht am Genfersee, denn jetzt geben die DJs erst richtig Gas. Wir geniessen die Atmosphäre beim Spazieren am See, dort wo die Plattenaufleger:innen auf extra installierten Bühnen stehen. Dabei bemerken wir, dass es wohl noch viele Fans gibt, die gerne Mister Depp näher kennengelernt hätten. Um 00:45 Uhr ist es immer noch so heiss, dass alle dringend an die Bar und wir nun zur S-Bahn müssen. Vorfreudig warten wir auf den nächsten Tag. Montreux, du bist was Besonderes. Das haben wir auch schon nach vier Stunden verstanden. Wir freuen uns auf den letzten Tag.

 

Titelbild: Daniel Klein