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Retrospektive auf das Gurten Festival 2022 – Pad Thai verdrücken im Sonnenuntergang4 min read

29. Juli 2022 4 min read

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Retrospektive auf das Gurten Festival 2022 – Pad Thai verdrücken im Sonnenuntergang4 min read

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Es hat uns wieder auf den Güsche gezogen! Die Eindrücke vom viertägigen Schwumm in der Publikumsmasse und der Aare sind verarbeitet und verschriftlicht. Hier liest du, was das legendäre Musikfestival auf dem Berner Hausberg so besuchbar macht und worum du lieber einen Bogen machst.

Zu wenig Schlaf und lange Menschenschlangen, dafür Pad Thai verdrücken im Sonnenuntergang und Hymnen zusammen mit tausenden Musikbegeisterten mitsingen. Ein Kompromiss, der nicht zu viel Bedenkzeit benötigt.

Endlich bot sich das Gurtenfestival wieder an und selbstverständlich konnten auch wir uns die Möglichkeit nicht entgehen lassen, uns durch das Programm zu schlängeln. Über 150 Acts aus allen Ecken der Welt locken die knapp 44’000-köpfige Besucherschaft vor die vier Bühnen und in die Club-Zelte.

Von Megan Thee Stallion bis Prix Garanti

Das Line-Up ist im schweizweiten Vergleich eines der diversesten; sowohl die auftretenden Musikschaffenden als auch deren Musikstil bringen die Vielseitigkeit mit auf den Berner Hausberg. Der Frauenanteil liegt bei tupfgenau 50 Prozent, die Genres reichen in alle Himmelsrichtungen: Wer will, kann von Parcels über Skepta direkt zu Jessiquoi.

Fix im Kalender vermerkt haben wir nur wenige Acts – und doch verpassen wir gleich den ersten: Zum Auftritt unserer Luzerner Homeboys und -girls von M’Ghadi kommen wir knapp zu spät. Aber immerhin – so gibt es kein Gehetze von Bühne zu Bühne und uns bleibt genug Zeit, um das gesamte Festival-Experience auszukosten: Einen täglichen Aare-Schwumm und Ausflüge durch das kulinarische Angebot inklusive. Verzichtet haben wir lediglich darauf, den Fussweg statt das Gurtenbähnli zu nehmen – dafür ist die Hitze zu drückend.

Die Gurtenluft ist frischer

Die heissen Temperaturen prägen das gesamte Festival. Und das, obwohl die Luft auf dem Hausberg einen frischeren Eindruck macht – was möglicherweise auch daran liegt, dass es in der Gurtenbahn so stickig ist. An den Nachmittagen sind jeweils nur wenige Festivalgänger:innen in der prallen Sonne vor der Hauptbühne anzutreffen. Schade, denn als erstes Highlight wird sie von der holländischen Band Yin Yin bespielt. Wer schon da ist, tanzt dennoch ausgelassen.

Wir flüchten vorerst in den Schatten der Zeltbühne – mein Lieblingsort des gesamten Festivals: Hier rufen einerseits die Moshpits zu 01099 und Jack Harlow, anderseits lässt es sich auf dem hügeligen Gelände sitzend den Sonnenuntergang und die Bühne gleichzeitig betrachten.

Auf dem Hügel vor der Zeltbühne lässt es sich auch aus der Distanz der Musik lauschen. / Bild: © Gurtenfestival / Dominic Brügger

Für einzelne Acts lassen wir uns dennoch von der Sonne blenden: Kraftklub ist eine hitzige Angelegenheit, wofür sich der Schweiss lohnt. Ebenfalls Eindruck hinterlässt die Soul-Legende Erykah Badu. Ihren Auftritt lassen sich auch die Mitglieder von Parcels nicht entgehen, die neben uns im Publikum mitwippen. Nicht ganz den gleichen Effekt erzielen die Black Eyes Peas. Nach dem initialen Schwelgen in Kindheitserinnerungen vertreiben uns die fragwürdigen Remixes und schlecht hörbaren Stimmen. «Ich kann das nicht ohne Bier», meint Desi schon nach dem zweiten Lied.

Ausgangsziel Supermercado

Muss sie zum Glück auch nicht. Wer nach den Headlinern noch nicht nach Hause will, hat die Auswahl zwischen unterschiedlichen DJs und Venues. Im und um den Supermercado etwa versammeln sich schon am frühen Abend massenhaft Tanzlustige. Für meinen abstandmögenden Geschmack etwas zu viel.

Besonders wer am Wochenende auf den Gurten will, muss etwas Geduld mitbringen. Am Freitag macht sich der Feierabend schlagartig bemerkbar: Der Fussweg von A ist B wird doppelt so lang, ebenso die Schlange vor dem Burger-Stand. Einen kleinen Moment lang wünsche ich mich zurück zu Yin Yin am Mittwochnachmittag.

Das sagt die Gurten-Crew

Auch die Begleitung macht natürlich einen wichtigen Teil des Festivalerlebnisses aus. Was ihre persönlichen Highlights waren, sagen sie gleich in ihren eigenen Worten.

Diese frachtwerk-Süssis haben es auf den Gurten geschafft! (v.l.n.r. Rebecca, Timon, Desi und Miriam) / Bild: Rebekka Schöpfer

Rebecca: Tanzen in der Nacht vom Donnerstag auf Freitag war eines von vielen Highlights des Gurten Festivals 2022. Über Yung Singhs Turntables flogen Tracks aus den 80ern bis hin zu traditionellen Gesängen – alles unglaublich tanzbar gemischt.

Desi: Hmmm…Mein Highlight am Gurten Festival? Schwer zu sagen. Im Allgemeinen sicherlich der Standort und die Aussicht auf dem Gurten. Was die Konzerte anbelangt war es wohl Kraftklub. Erstaunlicherweise konnte ich beinahe jeden Song noch mitsingen. Ganz viel Liebe dafür!

Timon: Auf dem Berg hat es sich ausgetanzt. Zurück bleiben schwere Beine und Herzen, eine akut burnout-gefährdete Leber und eine Erinnerungskiste voller Erlebnisse. Grösstes Highlight war für mich mit Abstand der Auftritt Seeeds. Wummige Bässe, wuchtige Show und eine dicke Portion Nostalgie (grosser Fan seit der Kindheit) lässt mich dieses Konzert noch lange nicht vergessen.

Du willst noch mehr Gurten? Dann sei gespannt auf das anstehenden Interview mit Palma Ada! Eindrücke in Form von Videos findest du zudem auf unserem Instagram-Kanal. Ansonsten sehen wir uns nächstes Jahr am 40. Jubiläum des Festivals – wenn auch möglicherweise nicht mehr unbedingt zur Prime Time.

 

Titelbild: Miriam Abt