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«Grundsätzlich scheisse ich auf den Fame, vor allem auf den Fame um meine Person» – Der Berner Mundartrapper Chico Chicago im Interview4 min read

5. August 2022 3 min read

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«Grundsätzlich scheisse ich auf den Fame, vor allem auf den Fame um meine Person» – Der Berner Mundartrapper Chico Chicago im Interview4 min read

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Das Rapattack Festival: Ein kleiner Familientreff der Zentralschweizer Hiphop-Szene, inmitten schönster Gebirgslandschaft im Landenberg in Sarnen. In der vierten Ausgabe überzeugt das Festival wieder mit beachtlichem Lineup von lokalen Gästen wie Luuk, Mimiks oder EAZ, aber auch mit internationalen Grössen wie OG Keemo oder Ocean Wisdom. Wir hatten die Möglichkeit uns mit dem Berner Rapper Chico Chicago auszutauschen. 

Gastautor: Carlo Brülhart

frachtwerk: Deine neue Musik wurde unter dem Namen «Morpheen» veröffentlicht. Kannst du beschreiben, um was es da genau geht?

Chico Chicago: Morpheen ist die Crew, der Kosmos, das Universum, in dem wir uns drin bewegen, wo wir uns entwickeln und zusammen Musik erschaffen. Momentan sind da drei Leute dabei, mein Produzent Z-Maka, der alle Beats macht, S-Tune, zuständig für Mix & Master «put some respect on his name!» und natürlich ich selbst, Chico Chicago.

frachtwerk: Seit der Entstehung der neuen Gruppe «Morpheen» hat sich dein Musikstil etwas gewandelt und du bist vom klassischen Boom-Bap eher auf eine trappige, düstere Schiene geraten. Du redest viel von Dämonen, Vampiren und Mondlicht, von wo kommt die Inspiration zu dieser Musik?

CC: Schon lange wollte ich mit Maka ein derartiges Soundbild kreieren und jetzt mit den Morpheen-Projekten konnten wir dies auch endlich realisieren. Musikalische Inspirationen waren vielleicht: Lil Peep, Night Lovell, City Morgue, Lil Tracy, aber auch ausserhalb des Trap-Genres Bands wie Nirvana, The Doors, Pink Floyd und Molchat Doma, alles Musik, welche ich selbst höre und so auch mein Schaffen beeinflussen.

frachtwerk: Die Soundästhetik von Morpheen besteht oft aus rockigeren Beats mit Gitarrensamples. Könntest du dir vorstellen, mal was mit einer Band zu machen?

CC: Auf jeden Fall! Eine Liveshow mit einer Band wäre sicher etwas was ich gerne mal realisieren würde. Am liebsten würde ich mit Gitarristen und Instrumentalisten zusammenarbeiten, dazu bin ich jetzt ein Paar Leute am rekrutieren.

frachtwerk: Hört man auf deinen Tracks Z-Maka, welcher die Gitarre spielt, oder benutzt ihr Samples für eure Beats?

CC: Er hat auch schon mit der Gitarre Melodien eingespielt, jedoch liegt der Fokus eher auf Samples, insbesondere bei den ersten zwei EPs.

frachtwerk: Bist du auch selbst bei der Produktion deiner Instrumentals involviert?

CC: Ich selbst bin insofern am Producerprozess beteiligt, dass ich viele Samples digge und picke, welche später von Maka weiterverwendet werden. Ansonsten bin ich einfach für die Vocals zuständig, aber seit Morpheen bin ich auch im Grafischen unterwegs. Ich gestalte Covers und sonstigen Content und kann so meine Musik noch mit einem visuellen Aspekt untermalen.

frachtwerk: Früher waren viele deiner Beats von Questbeatz (der auch viel mit Künstlern wie z.B. Nativ arbeitet) produziert, in welcher Verbindung steht ihr beiden heute zueinander?

CC: Meine Debut-EP ist ausschliesslich von Questbeatz produziert worden, wie auch die darauffolgende Single «HSTLR», welches jedoch eine Kollaboration war zwischen den drei Produzenten Questbeatz, Z-Maka und Mishon Beats, wo jeder ein Bisschen von seiner «Sauce» hinzugefügt hat. Auf jeden Fall ist Questbeatz wie ein grosser Bruder für mich und ich bin immer on, mit ihm zu arbeiten. Wir haben da auch was in Planung. Man wird mich bald wieder auf einem Quest-Beat hören!

frachtwerk: Mit welchen Leuten aus der Szene hast du sonst noch zu tun, vielleicht auch aus dem Luzerner Kreis?

CC: In Luzern bin ich natürlich mit «YoungYoung» (The Youngest) cool. Wir haben einen gemeinsamen Song auf dem Album von Dawill. Ich habe aber auch schon mit vielen anderen gearbeitet, Künstler wie zum Beispiel DaHated, Reypharaoh, oder Soukey. Andererseits bin ich aber auch kein besonders extrovertierter Mensch. Ich mache einfach mein Ding und ziehe das durch.

frachtwerk: Chico Chicago ist ein Name, den man kennt innerhalb der Schweizer Rapszene, jedoch denke ich, dass ausserhalb dieser Grenze nur wenige etwas von deinem Namen gehört haben. Wie wichtig ist dir der Fame oder der Einfluss auf die Szene?

CC: Grundsätzlich scheisse ich auf den Fame, vor allem auf den Fame um meine Person. Ich will, dass das was wir kreieren, die Musik und alles was dazu gehört, an Berühmtheit erlangt, weil dies die volle Aufmerksamkeit verdient. Diesen Monat haben wir die «Painkiller EP» releast und arbeiten jetzt schon wieder an neuem Material. Nächstes Jahr wird expandiert! Es werden sicher noch neue Morpheen-Projekte rauskommen, aber auch neue Soloreleases und Collabs.

frachtwerk: Noch als abschliessende Frage: Chicago, hast du einen Bezug zu dieser Stadt? Wie kam es zu diesem Namen?

CC: Der Name kommt eigentlich von einem Homie von mir, welcher immer «Chicago Chico» zu mir sagte. Als ich 16,17 Jahre alt war, trug ich nur eine Jacke, eine «Chicago Bulls» Jacke. Es war die Einzige, die mir gefiel. Als es darum ging einen Künstlernamen zu finden, habe ich einfach die beiden Wörter getauscht.

Titelbild: Gian Gebhardt