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Echolot-Festival 2022: To Athena setzt die Messlatte mit grazilem Auftritt hoch3 min read

29. Oktober 2022 2 min read

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Echolot-Festival 2022: To Athena setzt die Messlatte mit grazilem Auftritt hoch3 min read

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Imposanz – die tragende Kraft am Donnerstag des Echolot Festivals. Es ist ein schierer Auftakt, der sein Publikum auf grazile Art auf die weiteren zwei Tage vorbereitet. Berührend, durchdacht und souverän irritierend.

Kein anderes Festival in der Innerschweiz hat es sich je zur Aufgabe gemacht, bewusst an grundsätzlich musikkulturfremden Werkplätzen eben solche Events über die Bühne gehen zu lassen. Wobei Bühne ein denkbar unpässlicher Begriff ist, wo am Echolot doch noch so manche:r Künstler:in nicht auf einer klassischen Bühne anzutreffen ist.

Ob Weinfachhandel, Möbelgeschäft, Trickfilmtheater oder Kinosaal, die Locations könnten auch in diesem Jahr unterschiedlicher nicht sein. Am ersten Tag der diesjährigen Ausgabe des Festivals entführt es uns da hin, wo bis vor wenigen Jahren Profimusiker:innen der klassischen Genres herangezogen wurden.

Von Kronleuchtern und Parkettböden

Die pompösen, beinahe einschüchternden Räumlichkeiten der alten Musikhochschule im Konservatorium-Park beheimaten am Donnerstagabend das vorfreudige Publikum, die den Weg hoch auf den Bourgoise-Hügel Luzerns gefunden haben. Die Churerin Anna Erhard mit Band präsentiert uns hier mit einem stündigen Live-Set einen Festivalauftakt in spezieller Atmosphäre. Die Band unter Kronleuchtern stehend, das Publikum auf dem edlen Parkett sitzend, versinkt die Gemeinschaft in zärtliche Klänge des Trios.

Gitarre, Bass, Schlagzeug und ein paar Synths führen uns durch eine Stunde soliden Indie-Sounds, lassen uns eintauchen in ein Wochenende voller Live-Musik. Während die Band musikalisch überzeugt, verunsichert ihr Auftritt ein wenig. Trotz dem vielen Platz scheinen sie sich etwas in eine Ecke verdrückt zu fühlen, mustern insbesondere Bassist und Drummer doch lieber den Boden als das glückliche Publikum.

Grosses Kino im grossen Kino

Ohne jegliches Pardon betritt ein wenig später die Luzernerin To Athena die «Bühne» des Filmtheaters IMAX im Luzerner Verkehrshaus. Ein überraschender unplugged-Opener heisst das Publikum zur Show willkommen. Dafür hat sich die Sängerin und verschiedene Mitglieder ihrer Band im ganzen Kinosaal verteilt und sangen mit verschiedenen Einsätzen ein chorales Intro – unverstärkt. Die Personen erschienen aus der Dunkelheit, bewegten sich langsam gehend in Richtung Bühne, erzeugten damit einen dreidimensionalen musikalischen Moment, der berührt.

Ganz generell hat der Auftritt von To Athena berührt. Altbekannte wie «Angscht» und «No History» wechseln sich ab mit Neuerscheinungen und noch nicht Erschienenem wie «Fäschtmol» und «Garten». Das spezielle an dieser Show: Es stehen zwölf Musiker:innen auf der Bühne: Streicher:innen, Drums, Sänger:innen und einen Harfenspielerin sind nur einige der talentierten Künstler:innen, die hinter den Live-Sets von To Athena stecken.

Einen Gänsehautmoment beschert uns To Athena beim Track «Angscht», den sie als Duett mit der Musikerin Gina Été singt, zweisprachig auf Französisch und Schweizerdeutsch.

Ein hochmusikalischer, sinnlicher Festivalauftakt

Etwas bedauerlich war im Gegensatz zu einem hochkarätigen, berührenden und makellosen Auftritt das Auskosten der Möglichkeiten, die ein Konzert im Saal mit der grössten Leinwand der Schweiz hergibt. Der Visual-Designer Moritz Flachsmann bespielte die monumentale Bildwand mit Live-Visuals, die jedoch in ihrer Zweidimensionalität eher etwas enttäuschten. Zwar gelang es ihm, mit dem Musikalischen visuell mitzugehen, doch hätten wir uns von den Darstellungen und der Wirkung jener visuell durchaus mehr erhofft.

Dennoch: Der Auftritt von To Athena, der einen zum Ort passenden einen Einblick in das im nächsten Jahr erscheinende Album «The Movie» bieten soll, war grandios. Auf imposante Art grazil, ergreifend und musikalisch auf höchstem Niveau hat uns das Echolot am Eröffnungsabend seiner zweiten Ausgabe ein Konzert beschert, das die Messlatte punkto Darbietung und Location schon sehr hoch gesetzt hat.

Titelbild: Sam Aebi