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Verschwörungstheorien als Schwimmflügel – «Birds» von YES2 min read

13. November 2022 2 min read

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Verschwörungstheorien als Schwimmflügel – «Birds» von YES2 min read

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Die Anatomie einer Taube neu gedacht. Ihre Füsse sind Ortungsgeräte, ihre Augen die neuste Canon, ihr ganzes Wesen eine Drohne der Überwachung. YES, das Young Ensemble Südpol, zeigt im Südpol eine unterhaltsame Performance, welche sich der satirischsten Verschwörungstheorie überhaupt verschreibt. Und vielleicht doch Zweifel sät, immerhin: «Hesch du scho mol en Babytuube gseh? Oder öberhaupt mol en Tuube usserhalb vo de Stadt?»

Zu Beginn sind sie alle sieben Schauspieler:innen mit ihren Cowboyhüten Peter McIndoe, der Begründer der satirischen «Birds aren’t real»-Bewegung, der in den sozialen Medien je eine halbe Million Follower:innen um sich schart. Das Publikum blickt in die Kommandozentrale der Bewegung, die sich von ihm inspiriert hat. Hier gibt es extra einen Parkplatz für die Drohnentaube. Und wenn die Schauspieler:innen Popcorn essen, dann riecht man dies bis ins Publikum. Dass Birds eine interdisziplinäre Performance ist, davon zeugen auch Momente, die sich ganz der Bewegung der Körper zu der Musik verschrieben haben. Unterbrochen wird diese erste Handlung durch lustige Videoeinspieler, welche Insta-Q&A’s sind. Die nebelgeflutete Bühne wird schliesslich auch zum Schauplatz von Vögeln, deren Meinungen über die menschlichen Verschwörungstheorien bis hin zu waschechten Selbstzweifeln führen. Die Kostüme der Vögel sind durch die Verfremdung mit Perücken besondern spannend anzusehen.

Ist Ironie Ausdruck von Hoffnung oder von Hoffnungslosigkeit?

Kritik an Verschwörungstheorien zu üben, ist besonders einfach, wenn man nicht Teil des Fünftels der Schweizer Bevölkerung ist, die sich zu ihnen hingezogen fühlt. Ein Aktivist der Bewegung sinniert an der Werkbank über die Bedeutung von Halt. Und bezeichnet Verschwörungstheorien kurzum als Schwimmflügel, die dem kämpfenden Subjekt den Kopf wenigstens ein bisschen über Wasser halten. Auch die Gruppe ist sich unsicher: Ist Ironie jetzt Ausdruck von Hoffnung oder von Hoffnungslosigkeit? Nach 50 Minuten hat die Performance Raum für verschiedenste Aspekte rund um Verschwörungstheorien geschaffen und dabei noch Video, Musik, Theater und Bewegung auf spannende Weise verknüpft.

Die ausverkaufte Performance fand im Südpol statt. Immerhin ist das Young Ensemble Südpol die hauseigene Nachwuchsplattform, welche interdisziplinären Raum für Menschen zwischen 16 und 25 Jahren schafft, um auf der Bühne zu stehen. Bist du interessiert? Am 31. Januar 2023 findet ein Kick Off statt, mehr Infos findest du hier!

Fotos: © Caspar Thiel

Yes - Young Ensemble Südpol: Florian Grimm, Ljubia Kohlbrenner, 
Simon Leisinger, Noelle Saladin, Julia Schöni, Aline Schüpbach,
Gianna Weingart
Konzept und Inszenierung: Selina Beghetto, Sylvie Kohler