Barfuss und Behutet: Ziggy Alberts im Kaufleuten

Der pompöse Saal war proppenvoll. Ein „Östrogenometer“ hätte am vergangenem Mittwoch im Kaufleuten unvorstellbare Werte angenommen. Die Bühne war in feuriges Licht getaucht. Auf ihr ein einsames Mikrofon, welches darauf wartete, besungen zu werden.

Harrison Storm eröffnete den Abend und beglückte das Publikum mit seiner sanften, melancholischen Stimme. Support und Main Act waren sich ganz schön ähnlich. Beide australisch, jung und gut aussehend. Die Reaktionen des Publikums waren zu Beginn eher verhalten, bis Harrisons Interpretation von Lana Del Rey‘s Hit Video Games die Zuhörer zum Mitsingen bewegte.

In der Pause wurden in der Reihe vor mir fleissig Instagram-Storys mit Selfie und Texten wie: „Ziggy we’re waiting for you!“, erstellt. Als Ziggy Alberts ohne Schuhwerk, mit Mütze und halb offenem Hemd die Bühne betrat, flogen die Endorphine. Schwarz gekleidet setzte er sich an die Keys und begann zu spielen. Poppig-folkige Melodien füllten den Raum. Aus Tasten wurden Saiten. Die Fusspedale seiner Effektgeräte, wusste er auch barfuss zu bedienen. Während seiner ganzen Performance, war das Licht, passend zu seinen butterweichen Texten, im warmen Bereich des Farbspektrums gehalten.

Zwischen den Songs legte Ziggy Wert auf aussagekräftige Worte. „The question is not if you can, it is how you can make a difference.“, meinte er zur Umweltthematik. Mit seinem sympathischen australischen Englisch erzählte er kurze Anekdoten aus seinem Leben. Betonte etwas zu klischeehaft, wie schön doch die Schweiz sei und wie alle mehr wandern, schwimmen und allgemein Abenteuer erleben sollten.

Nach meinem Geschmack fand dieses Konzert in einem etwas zu grossen Rahmen statt. Ich hätte Ziggy gerne in einer etwas intimeren Atmosphäre erlebt. Trotzdem war es schön, seine Bodenständigkeit, trotz des momentan schnell wachsenden Erfolges, zu sehen. Der Junge von „Down Under“ überzeugte das Publikum sowie auch mich, mit seinem authentischen Auftritt.

Als die letzten Saiten und Tasten gespielt waren, verabschiedete sich Ziggy, zu noch nicht all zu später Stunde, mit einem galanten, schweizerdeutschen „Tschüss“ und verschwand hinter roten Gardinen.

 

Bilder von Gastautoren: Kaj Bossard und Rebecca Emmenegger

Text von Gastautorin: Rebecca Emmenegger

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