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Danger Dan über sein neues Album, Feminismus und warum man Adorno nicht gelesen haben muss

3. Juli 2018 11 min read

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Danger Dan über sein neues Album, Feminismus und warum man Adorno nicht gelesen haben muss

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Die Antilopen Gang aka Panik Panzer, Koljah und Danger Dan machen seit gut 13 Jahren schon zusammen Musik, genauer gesagt HipHop. Dabei stellen sie immer wieder die Gesellschaft an den Pranger. Nun hat Danger Dan die Schaffenspause der Antilopen dazu genutzt, wieder einmal alleine ein Album zu releasen. Es heißt „Reflexion aus dem beschönigten Leben“ und ist verdammt gut. Wir haben im XXL – Interview mit dem gebürtigen Aachener über das Album, Feminismus, Die Prinzen und vieles mehr gesprochen. Da dieses Interview jedoch per Telefon geschah, ist die Audioqualität etwas schlecht, wenn du jedoch davon absehen kannst, würden wir dir raten, das Interview dir selbst anzuhören. Du findest es hier.

Du bist mit deinem neuen Album „ Reflexion aus dem beschönigten Leben“ auf Platz 20 der Charts gestartet. Letztes Jahr ist das Album „Anarchie und Alltag“ von der Antilopen Gang auf Platz 1 der Charts gestartet. Wie fühlt man sich denn als etablierter Chartkünstler?

Auf der einen Seite ist das natürlich komplett egal, eine Chartplatzierung sagt ja nicht einmal etwas über die Verkäufe oder die Umsätze eines Albums aus – geschweige denn über die Qualität der Musik. Sondern sagt nur etwas über die Verkäufe, in Relation zu den Verkäufen der anderen Musiker in diesen Zeitraum etwas aus. Eine Chartplatzierung ist vermutlich das Nichtssagenste über das man sich so freuen kann, aber tatsächlich ist es trotzdem immer cool. Das sind Zahlen, mit denen sogar Trottel verstehen können „Ah okay, das hat also doch eine gewisse Relevanz“. Manchmal denke ich an meinen Musiklehrer, der mir auch nur ne Zahl gegeben hat – nämlich eine fünf – und dem ich jetzt sagen könnte: „Ey, ich hab eine neue Zahl gekriegt und zwar in Deutschland eine 20 und in der Schweiz eine 69, dann ist das doch eine Genugtun für mich, weiß auch nicht warum.

Freust du dich dann über die 69 besonders?

Die 69 habe ich mir natürlich stark erhofft, das macht natürlich doppelt Spaß, im wahrsten Sinne des Wortes. [lacht].

Es ist schon ganz interessant: Fatoni, Juse Ju, ihr als Antilopen Gang und du jetzt Solo habt es alle innerhalb eines Jahres in die Charts geschafft, obwohl ihr eigentlich eine Gruppierung im HipHop darstellt, die nicht wirklich den klassischen Chartkünstlern entsprechen.

Also ich glaube wir denken da auch nicht dran. Was ganz interessant ist, dass genau diese beiden – also Fatoni und Juse Ju – mit uns zusammen ein Studio aufgemacht haben und wir das teilen. Es besteht zur einen Hälfte aus Studio und zur anderen aus Wohnzimmer, weil wir dann wirklich zusammen dasitzen und quatschen und ich mag das gerade voll, dass wir da alle einen guten Wind im Rücken haben und ich werde allgemein gerne mit ihnen [Fatoni und Juse Ju] assoziiert. Von daher finde ich es gut, wenn Fatoni und Juse Ju gut charten, das ist für mich mindestens so gut, wie wenn ich gut charte.

Du warst ja auf dem „Alle Liebe Nachträglich“ Album von Mine & Fatoni, sowie auf dem „Shibuya Crossing“ Album von Juse Ju vertreten, wie war denn da die jeweilige Zusammenarbeit, so unter Freunden?

Das ist meistens total unromantisch. Wir schicken uns da einfach mit WhatsApp Sachen hin und her, so „Hey hier, hör mal an, was hälst du davon“. Man stellt sich das gerne so romantisch vor: man setzt sich zusammen und erarbeitet dann was zusammen, aber meistens läuft es eher so, dass die Einen schon was fertig haben und einfach fragen ob man da noch ne Strophe dazu schreiben würde. Aber tatsächlich war das jetzt in diesen Fällen so, dass ich bevor ich irgendetwas fertig gestellt habe, ihnen vorher schon Sachen gezeigt und Feedback eingeholt habe. Ich kenn auch mittlerweile schon einige Lieder von einem Fatoni Album, das irgendwann mal kommen könnte. Wir zeigen uns da einfach viel gegenseitig und fragen uns untereinander, ob wir uns da blamieren oder ob das irgendwie cool ist. Also insbesondere mit den beiden bin ich im regen Austausch. Wenn Toni und Juse das mögen was ich mache, dann bin ich immer auf einen guten Weg das selbst zu mögen.

Es gibt ja nächsten Herbst eine Überschneidung: Juse Ju und du gehen da gleichzeitig auf eure jeweiligen Touren. Kann man da darauf hoffen, dass es Auftritte gibt, wo du als Überraschungsgast bei ihm auftauchst und er bei dir?

Soweit wie ich mir das angeguckt habe eher nicht. Das ist zum Beispiel einfach doof geplant, wir spielen in Köln einen Tag auseinander, da hab ich mir einfach vorher keine Gedanken zu gemacht, dass sich das gegenseitig befruchten kann, aber auch dass wir uns da gegenseitig Wasser abgraben. Der „normale Juse Ju und Danger Dan – Fan“ ist halt eher so ein broker Student, der kein Geld hat und wenn er auf ein Konzert geht sich so schrecklich betrinkt, dass er am nächsten Tag keinen Bock mehr hat irgendetwas anderes zu machen. Das wäre natürlich schlecht. Soweit ich weiß, spielen wir wenigstens nicht am selben Tag in derselben Stadt, aber zumindest einen Tag auseinander. Vielleicht hinterlassen wir uns ja gegenseitig ein paar Nachrichten. [lacht] Ich empfehle übrigens allen, dass sie auf die Juse Ju – Tour gehen, wenn sie sich entscheiden müssen zwischen ihm und mir. Der hat viel mehr Live – Erfahrung als ich, gerade so als Alleinunterhalter, ich glaube das wird ein viel besseres Konzert als meins. Am besten wäre es natürlich, sich beide Konzerte anzugucken, aber im Zweifel zu Juse.

Juse Ju war ja auch auf der Antilopen Gang – Tour im letzten Winter dabei, oder?

Genau, wir hatten sowohl ihn als auch Toni als Vorband mitgenommen, in der Hoffnung, dass sie dadurch so bekannt werden, dass sie uns irgendwann mal als Vorband mitnehmen können. Die sind beide auf jeden Fall auf den richtigen Weg, ich vermute noch 2-3 Jahre und dann spielt die Antilopen Gang als Vorband von Juse Ju und Fatoni.

Dein letztes Soloalbum [Dinkelbrot & Ölsardinen] ist ja schon sechs Jahre her. Warum jetzt wieder Solo?

Es gibt mehrere Faktoren, die dafür sprachen: ich habe ein wenig nachgerechnet und hatte jetzt gerade mal wieder Zeit dafür. Außerdem kann ich meine eigene Kreativität nicht wirklich planen, es gibt da einfach so Phasen, in denen ich einfach viel verarbeite und viel mache. In diesem Fall war das einfach der Beginn meiner Psychotherapie, der mich irgendwie dazu gezwungen hat, mich viel mit mir auseinander zu setzen und das führte auch einfach zu einem großen kreativen Schub, den ich jetzt hatte und irgendwie nutzen konnte. Und naja, plötzlich war da einfach ein fertiges Album.

Das erinnert etwas an den Rapper Edgar Wasser, der in dem einen Interview, das er in seiner Karriere gegeben hat, gesagt hat, dass Rap so etwas wie Therapie wäre. Gilt das auch für dich?

Therapie halte ich grundsätzlich eher für etwas Professionelles und Begleitetes. Ich glaube nicht, dass Musik machen eine Therapie ersetzen kann, aber Musik machen und Texte schreiben ist auf jeden Fall ein kreativer Umgang den ich, zumindest für mich therapeutisch nutzen kann. Aber alleine reicht das für mich nicht aus. Ich würde das nicht als Therapie empfehlen. [lacht]

In dem Track „Sand in die Augen“ hast du erzählt, dass du Vater geworden bist. Man hört ja immer wieder, dass mit dem Elternsein sich alles verändert, war das bei dir auch so?

Nein, leider nicht. Ich bin immer noch derselbe Typ. Aber ich hab jetzt einfach eine andere Lebensrealität und andere Anforderungen an mein Leben und mein Familienleben, die sich einfach mit der veränderten Situation ergeben haben. Und das verändert halt total viel. Wobei wenn ich mir so die letzten sechs Jahre angucke – vom letzten Album bis jetzt – ist von meinem damaligen Leben nicht viel übrig geblieben, weil es auch einfach ganz viele andere Veränderungen gab und die Elternschaft ist natürlich ein Teil davon.

Du hast in der „Coming Out EP“ von 2008 einen Track namens „Private Altersvorsorge“ gemacht, welcher damals an dein Ich in zehn Jahren gerichtet war. Jetzt hast du mit „Altersvorsorge 2“ deine Antwort gebracht. Hast du damals gedacht, dass du diese Antwort jemals produzieren würdest?

2008 auf jeden Fall nicht. Aber vor fünf Jahren bin ich da drüber gestolpert und hab mir gedacht, dass irgendwann der Tag kommt, an dem das 10 Jahre alt ist und hab mir das dann manchmal so romantisch ausgemalt, dass das eigentlich total schön wäre, das so zu machen. Hab es dann aber immer wieder vergessen. Ich hatte in den letzten 10 Jahren so oft Zeiten, in denen ich das Lied komplett verdrängt hatte und es ist mir jetzt einfach genau im richtigen Moment auf die Füße gefallen und es hat jetzt einfach unfassbar viel Spaß gemacht, an diesem Lied zu schreiben.

Im dritten Part des Liedes rappst du an dein Ich in 10 Jahren. Das fällt überhaupt nicht positiv aus, hast du Angst genau zu dem zu werden, was du heutzutage verabscheust?

Ich kann zunächst einfach gar nicht absehen, wer ich in 10 Jahren sein werde. Hab‘ ich vor 10 Jahren aber auch noch nicht gewusst. Vermutlich hab‘ ich bei sowas auch immer einen halb-pessimistischen Blick, aber eigentlich bin ich aktuell sehr zufrieden mit mir, vor allem im Vergleich zu mir vor 10 Jahren. Es könnte natürlich auch sein, dass ich mir in 10 Jahren denke „Boah, was hab ich denn damals für eine peinliche Scheiße gemacht?!“. Bin auf jeden Fall gespannt darauf.

Auf dem Backcover von der „Coming Out EP“ stand damals „Es tut mir Leid, dass ich ein Rapper bin. Bitte sprecht mich nicht drauf an und nennt mich nicht in der Öffentlichkeit immer Danger!“. Empfindest du heute immernoch Scham dafür Rapper zu sein?

Ja. Wirklich. Wenn ich Leute kennen lerne, die mich fragen was ich denn eigentlich mache, sage ich oft, dass ich Musiker bin und versuche dann das Thema zu wechseln.

„Ich bin Chartkünstler?“

Genau. Ich sag dann meistens „Ich bin Chartkünstler und war auf Platz 69 der Charts in der Schweiz“. [lacht]

Je nach dem ist es mir total unangenehm zuzugeben, dass ich Rapper bin. Man verbindet einfach total viel Negatives mit dem Thema „Rap“ und was ein Rapper sein soll. Und die meisten Rapper sind halt auch einfach peinliche Vögel. Da gibt es Vorurteile, die sich ständig bestätigen und deswegen ist es mir einfach unangenehm, mit denen assoziiert zu werden. Aber wenn sich Leute dann mal mit mir und meiner Musik auseinandergesetzt haben, ist es meistens nicht mehr so schlimm.

Du warst ja früher in vielen anderen Genres unterwegs, u.a. hast du in einer Punk- und in einer Reggae-Gruppe gespielt. Gibt es da ein „Lieblingsgenre“, in dem es am meisten Spaß macht, Musik zu machen?

Also es gibt kein Genre, dass ich am liebsten mache, aber ich hätte schon Lust mal in einer Skinhead-Reggae-Band Orgel zu spielen und da in der zweiten Reihe zu stehen. Und ich hatte ja mal ein Gesangstrio mit Sebastian Sturm und DJ Müllmann Moses Cool [das Trio hieß „Cheer Up Trio“ Anmk. d. Red.] und das fand ich total super und es würde mir nochmal Spaß machen, etwas in diese Richtung zu produzieren.

Dass du Gesang magst merkt man ja auch auf dem neuen Album: der Track „Die Prinzentragödie“, den du zusammen mit dem Sänger von den Prinzen, Sebastian Krumbiegel, gemacht hast. Der dreht sich ja um das Älterwerden, aber auch um das Älterwerden der Jugendhelden. War das ein Stück weit ein Traum für dich, mit den Prinzen zusammen zu arbeiten?

Es wäre vermutlich ein Traum gewesen, allerdings war das viel zu unrealistisch, als dass ich mir das jemals hätte vorstellen können. Das sind Utopien, die für mich einfach nicht vorstellbar waren. Es erinnert ein bisschen an meine politische Ansichten: es wäre zu schön um wahr zu sein. Und man muss auch sagen, es ist nicht nur ein Traum der in Erfüllung geht, sondern auch eine Blamage. Man könnte sagen: „ein zweischneidiges Schwert“. Aber ist eine gute Blamage.

Wie ist diese Zusammenarbeit überhaupt zustande gekommen?

Also ich hatte den Track gemacht und habe diesen dann dem Label gezeigt. Daraufhin hat er sich dann bei dem Label, dem Management und auf 1000 verschiedenen Wegen gemeldet und versucht meine Nummer zu bekommen. Ich dachte dann als erstes, dass es irgendwo durchgesickert sein muss, aber tatsächlich war das einfach nur ein ganz gruseliger Zufall: er ist einfach nur ein riesiger Antilopen – Fan und hatte gesehen, dass wir auf Tour gehen und wollte sich einfach mal bei uns melden, auf ein Konzert kommen und einfach mal quatschen. Und als wir uns dann getroffen haben, dachte ich die ganze Zeit, dass er mich vermutlich gleich auf das Lied anspricht. Aber tatsächlich wusste er überhaupt nichts davon. Dann habe ich ihm das Lied gezeigt und er hat selber angeboten, da mitzumachen. Er ist dann jetzt auch zur Release-Party gekommen und dort haben wir dann „Fahrrad“ von den Prinzen im Duett gesungen, das war so skurril. Hätte mir damals – als ich noch Prinzen-Kassetten gehört habe – jemand erzählt, dass ich mal mit ihm auf einer Bühne stehe, ich hätte es nicht geglaubt. Das war großartig!

Es gibt ja immer Künstler die einen inspiriert haben, gibt es da irgendjemanden mit dem du mal etwas zu machen wollen würdest?

Ich weiß gar nicht, ob ich so etwas wie eine Inspirationsquelle habe. Es gäbe da vielleicht einige Rapper vor der Jahrtausendwende, die ich cool fand, aber mit denen würde ich nichts machen wollen. Es ist auch manchmal eher eine Enttäuschung seine Helden kennenzulernen, dann bemerkt man, dass das auch nur ganz normale Penner sind. [lacht]

Online wird ja einiges zu der politischen Gesinnung der Antilopen Gang bzw. dir geschrieben. Zwischen linksliberal, -radikal, -gesinnt, Unterstützer der Antifa, Kommunisten und Anarchisten gibt es da alles. Gibt es eine politische Gruppierung, der du dich selbst zuordnen würdest?

Nein, wirklich nicht. Ich find die meisten Organisationen von linken Strömungen angreifbar und peinlich, das funktioniert bei mir einfach anders. Da definiere ich mich einfach eher über Negation: ich find grundsätzlich alles scheiße, das reicht mir aus. Dahinter steht eine abstrakte Utopie: wenn ich sage, dass ich alles scheiße finde, steht da eigentlich ja dahinter, dass alles besser sein könnte.

Der Titel des Albums ist ja eine ganz offensichtliche Anlehnung an Adornos „Minima Moralia – Reflexionen aus dem beschädigten Leben“, welches eines der Hauptwerke von ihm darstellt. Ist das dann ein Werk, das du gelesen hast und dich ein Stück weit geprägt hat?

Ja schon, ich hab Minima Moralia als Buch z.B. hier rumliegen, allerdings ist es kein Buch, das man sich durchlesen müsste. Es besteht nun mal aus ganz vielen Aphorismen und vielen kleinen Texten, die innerhalb des Werkes Sinn machen, aber man muss nicht das ganze Buch gelesen haben, um diese zu verstehen. Aber grundsätzlich interessiere ich mich sehr für philosophische Themen und versuche, mich mit diesen auseinanderzusetzen. Was man dabei aber sagen muss, ist, dass ich in erster Linie Schulabbrecher bin, ich habe keine grundlegende akademische Ausbildung genossen, weswegen ich z.B. die philosophische Abgrenzung zwischen Adorno und Hegel nie ganz verstanden habe. Allgemein habe ich relativ schnell festgestellt, dass ich Hegel langweilig finde und hatte aber auch nie den Druck einer akademischen Karriere, mich mit dieser Abgrenzung auseinanderzusetzen. Aber es gibt einige Texte in Minima Moralia, in denen es vor allem um Liebe und wie Liebe gelebt werden sollte, geht, so z.B. in meinem Lieblingstext „Moral und Zeitordnung“. Wenn Adorno über Liebe redet, finde ich das einfach großartig, dafür brauche ich keinen Hegel. Der Text „Sur l’eau“ – „Auf dem Wasser“ – war ja am Ende auch Inspiration für das Albumcover. Man muss aber eigentlich Adorno nicht gelesen haben. Es reicht schon auf ähnliche Gedanken zu kommen. Ich bin weit davon entfernt „Adorno-Kenner“ zu sein.

In „Sand in die Augen“ hast du folgende Line benutzt: „Aber wie soll ich ihr erklären ohne Röte im Gesicht
Dass man sie eines Tages nur auf ihren Körper reduziert
In der Schule, auf der Straße, in der Supermarktfiliale
Jeden Tag wird sie mal irgendwer begutachten wie Ware
Im Vorbeigehen wird sie eingeteilt in „sexy“ oder „hässlich“
Jede Frau wird im Verlauf des Lebens sexuell belästigt“ Das hört sich an, als würdest du hier Ängste beschreiben, die du für die Zukunft deines Kindes hast. Sind das Ängste, die jetzt ausgelöst worden sind, weil du Vater geworden bist, oder hattest du solche eigentlich schon immer?

Ne, das war mir vorher schon klar, dass das passiert und wie das passiert. Ich glaub auch, dass die meisten Männer sich einfach mal in ihren Freundeskreis umhören sollten, wie sich alleine U-Bahn fahren als Frau anfühlt. Das gestaltet sich ganz anders als für Männer. Um zu peilen, wie widerlich das ist, musst du nicht Vater werden. Es gibt auf YouTube ja auch so „Cat Calling Compilations“, wo eine Frau durch New York läuft und man sieht wie oft ihr irgendwelche Sprüche hinter gerufen werden und sie läuft halt einfach nur durch die Stadt. Dass Frauen darüber nachdenken „Kann ich das anziehen? Ist der Ausschnitt zu tief?“, finde ich total schrecklich. Das Problem ist ja nicht, dass ein Ausschnitt zu tief ist oder dass man zu freizügig ist, sondern dass einfach die Männer drum herum nicht klar kommen damit. Das sind alles Themen, die mich schon lange beschäftigen. Ich würde behaupten, ich war schon Feminist bevor ich Rapper war, was vermutlich mit ein Grund ist, warum mir das so peinlich ist zu sagen „Ich bin Rapper“, weil eben in den Stereotypen, wie wir denken, das Rapper-sein und Feminismus sich mehr oder weniger ausschließt. Und man sollte generell zwischen Feminismus und einen natürlichen Beschützerinstinkt unterscheiden. Dieser Reflex hat viel mehr sexistische Untertöne, als er eigentlich möchte. Ein Vater der denkt, dass er seine Tochter beschützen muss, der hängt auch in abstrusen Geschlechterrollen fest, als ob man seinen Sohn nicht beschützen müsste. Das ist totaler Quatsch. Bei solchen Themen muss man immer zweimal hingucken, um die eigentlich Motivation zu ergründen.

Anmerkung der Redaktion: in diesem Teil des Interviews sprach Danger Dan mit unserem Reporter über das Thema „Sexismus im HipHop in der Gesellschaft“ – wir würden dir empfehlen, die genaue Diskussion nachzuhören, diese beginnt ab 36:55 im Video.

Abschließende Frage: gibt es aktuell irgendeine Band oder Album, das du hörst?

Ne, ich find grundsätzlich alles scheiße. Das einzige was ich gerade vielleicht höre ist „Hans-A-Plast“, die 70er Punkband aus Hamburg, am besten finde ich das Lied „Lederhosentyp“. Aktuelle Musik höre ich eigentlich gar nicht, aber ich finde, dass die Musik der 70er vermutlich mit das Beste ist, was geschrieben wurde. Also finde ich, man kann das als aktuelle Musik bezeichnen. [lacht]

Vielen Dank für das mega schöne Interview.