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Kleider machen Leute. Leute machen Gender? – Ein Besuch bei UNLABEL3 min read

17. Juli 2019 2 min read

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Kleider machen Leute. Leute machen Gender? – Ein Besuch bei UNLABEL3 min read

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Gelbes Licht aus einer Leuchtstoffröhre beleuchtet meine ersten Schritte in den eher dunkel gehaltenen Raum. Kleidungsstücke hängen in kabinenartigen Installationen von der Decke. Viele Exponate sind hinter den Abtrennungen nur vage zu erahnen. Ein Wechselspiel zwischen Verhüllung und Enthüllung.

Jedes Jahr erhalten die Erstsemester des Masterstudiums Art Education Curatorial Studies den Auftrag in Eigenregie eine Ausstellung zu konzipieren. Erstmalig wurde diese Ausstellung nun in Kooperation mit dem Museum für Gestaltung Zürich in die Realität umgesetzt. Anne-Sophie Mlamali begleitet mich durch das Projekt „UNLABEL – Mode jenseits von Kategorien“. Die Masterstudentin hat das Projekt von Beginn an mitgestaltet und war bei der Umsetzung für die Koordination zuständig. UNLABEL verhandelt die traditionellen Genderzuschreibungen eines universalen Aspekts des Alltaglebens: Der Kleidung. Hierbei brechen die acht ausgestellten Modedesigner*innen und Künstler*innen mit herkömmlichen Gendernormen mit Design, Material und Präsentation.

 

Wir wandern durch die Ausstellung, betrachten die kraftvollen Pink- und Rottöne von Jacqueline Loekito, die Männerröcke von Sandra Kuratle, die netz- und lederartigen Materialien von UY Studio. Auf einer riesigen Leinwand sehe ich androgyne Models aus Julian Zigerlis Zürcher Ladenboutique auf mich zu laufen, davor hängt ein Anzug bedruckt mit nackten Männerkörpern. Hinten im Raum Glossarschilder, welche Begriffe wie „queer“, „androgyn“ und „one size“ definieren. Flankiert von zwei Umkleidekabinen steht eine Kleiderstange mit ausgewählten Stücken einiger der Modedesigner*innen. Die Besucher*innen sind herzlich eingeladen, die genderlose Mode selbst an- und auszuprobieren. Ich trete in eine der Umkleidekabinen. Vor mir der Spiegel, hinter mir eine Videoinstallation, welche den Künstler Jules Claude Gisler zeigt. Der in Unterwäsche bekleidete Körper starrt mich an. Ich fühle mich beobachtet, fast durchbohrt durch seinen Blick, ich trete wieder aus der Kabine hinaus. In der anderen Umkleidekabine kann ich in die Eingangshalle der Zürcher Hochschule der Künste durch eine Glaswand sehen. Anne-Sophie versichert mir, dass mich die Leute auf der anderen Seite der Glaswand nicht sehen können.

Die Ausstellung ist auffallend queer. Wie zugänglich ist sie denn für Leute, welche sich noch nie mit LGBTIQ*-Themen auseinandergesetzt haben? Anne-Sophie erklärt mir, dass die queere Thematik keine Reizüberflutung bei den Besuchern auslösen und diese überfordern solle. Die Ausstellung ist spezifisch für ein breiteres Publikum konzipiert worden. Und das merkt man auch. Berührungsängste werden mithilfe interaktiver Elemente im Ausstellungsraum abgebaut. Mein Fazit: Hinter jedem ausgestellten Kleidungsstück, und jedem Label steckt eine einzigartige Geschichte. UNLABEL ist eine neue Art, Gendernormen in der Mode – und in der Gesellschaft – aufzubrechen.

„UNLABEL – Mode jenseits von Kategorien“ ist noch bis zum 29.09.2019 im Museum für Gestaltung Zürich beim Standort Toni Areal ausgestellt.

 

 

Öffnungszeiten Museum für Gestaltung Zürich


Dienstag–Sonntag 10–17 Uhr, Mittwoch 10–20 Uhr

 

Weitere Infos zur Ausstellung:

museum-gestaltung.ch/de/ausstellung/das-kuratorische-projekt/

 zhdk.ch/unlabel

 zhdk.ch/studium/arteducation/curatorialstudies

 

Bilder:

Ausstellung UNLABEL – Mode jenseits von Kategorien im Museum für Gestaltung Zürich, Toni-Areal, 24. Mai – 29. September 2019, © ZHdK

 

Autorin:

Jasmin Vogel