Musik

Flautando und ein präpariertes Klavier – Tobias Preisig & Stefan Aeby im Neubad

7. Oktober 2019 2 min read

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Flautando und ein präpariertes Klavier – Tobias Preisig & Stefan Aeby im Neubad

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Tobias Preisig tourt in Europa mit seinem bevorstehenden Album „Diver“ und Stefan Aeby feiert eine Plattentaufe im Neubad. Zwei Premieren der Extraklasse; Avantgardistische Geige und Glitch-Post-Bop auf dem Klavier. 

Tobias leitet den Abend mit seinem düsteren Geigen-Synthesizerngekoppelten Sound ein. Mit seinem ersten Solo-Projekt „Diver“ präsentiert uns der in Berlin wohnende Violinist ein sphärisches Album, welches am 1. November sein Release feiert. Anfänglich hält sich der Synthesizer in einer hintergründlichen Atmosphäre und die Geige schwebt mit emotionalen Melodien und Harmonien darüber. Die Musik erinnert wage an Kompositionen des estinschen Komponisten Arvo Pärt besonders durch die wechselhafte Variation der Harmonien. Die Energie des Sounds ist eine sehr hypnotische, welche uns in eine Trance der dramatischen Stimmung bringt. Mit der Technik des Doppelgriffs erkundet der gebürtige Zürcher verschiedenste Harmonien, welche er dynamisch gestrichen in den Saal trägt. Teils schwingt das Konzert in der Energie eines musikalischen Exorzismus, welcher energetisch Dämonen aus dem Saal zu jagen vermag. Zu dessen Unterstreichung verkrümmte und tanzte der Geigenspieler noch. Er experimentiert mit dem flötenähnlichen Flautando und verschiedenen elektronischen Verzerrung und auch mit Delays. Ein sehr gelungenes Projekt, welches mich mit seiner Stimmung mitreisst. Ich bin begeistert vom ersten Teil des Abends.

 

Nach einer kurzen Pause und dem Abbau der Instrumente des ersten Konzertes, setzt sich Stefan Aeby an seinen Flügel. Und sofort beginnt er auch mit dem Klavierspiel. Auch er verbindet ein altes klassisches Instrument mit modernen Geräten und Techniken. Vor allem tritt aber die Technik des Präparierten Klaviers, welche von John Cage erfunden wurde, in den Vordergrund. Nämlich manipuliert Stefan Aeby die Saiten des Klaviers mit kleinen Metallstücken und Knete welche Flageoletttöne hervorbringen, dass heisst die Grundfrequenz der Saite vervielfacht; also die Obertöne akustisch verstärkt, und auch mit sogenannten „E-Bows“ welche ursprünglich für Gitarren erfunden wurden, um die Saiten elektromagnetisch zum Schwingen zu bringen. Mit diesen Techniken kombiniert durch weitere elektronische Geräte, erzeugt Stefan Aeby einen glitchigen Klang, mit dem er eine (für mich zumindest) neue Art des Glitchs synthetisiert; nämlich die Kopplung von Post-Bop mit Glitch. Vom Klavierspiel erinnert der Fribourger sehr stark an Brad Mehldau, vor allem durch das zweihändige kontrapunktische Spiel welches er zeitweise präsentiert. Und auch findet man akustische Parallelen zu Alva Notos und Ryuichi Sakamotos gemeinsamen Projekten. Aber insgesamt lässt sich nur sagen, dass Stefan Aeby sein Flügelspiel wahnsinnig beherrscht und auch die Techniken die er damit verbindet.