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Radio Contre-Temps: Einblick in den Schaffensprozess von Flavien Berger

7. Juli 2019 2 min read

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Radio Contre-Temps: Einblick in den Schaffensprozess von Flavien Berger

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„Willkommen zu Radio Contre-Temps, das Radio der Songs, die noch nicht existieren.“ Flavien Berger hat seinen eigenen Ansatz, an seinen Alben zu arbeiten: Er schickt die Songs kommentiert an sein Label. Heute wird dieser Schaffensprozess öffentlich gemacht, Flavien Berger veröffentlicht 18 kommentierte Fragmente zu Contre-Temps, seinem letzten Album. 

Dass der französische Elektropop wiederbelebt wird, ist nicht zuletzt auch Flavien Berger zu verdanken. Der in Paris geborene Musiker hat sich zum Sounddesigner ausbilden lassen und vertonte bald schon die Filme seiner Kommilitonen. 2014 erschienen seine ersten zwei EPs, ein Jahr später folgte Léviathan, 2018 schliesslich Contre-Temps. In ein spezifischen Genre lässt er sich nicht einordnen, doch seine Musik ist auf eine gewisse Weise sehr narrativ. Dies bestätigt sich auch in seinen Musikvideos. Sie zeigen Geschichten, die in Bildern auf einen niederprasseln. Ob man sie richtig deutet, kann man sich nie ganz sicher sein. So verhält es sich auch mit seinen Liedern und Kommentaren in Radio Contre-Temps.

Elektrobeats und Flavien Bergers ruhige Stimme begrüssen uns zu der Reise in seinen Schaffensprozess. Es geht um Träume, die ihn inspirierten, man hört Gespräche mit seinen Freunden, die von Strassenlärm begleitet werden. Man reist auf Zügen, die durch ihre Farben speziell wirken und lauscht dem Sänger, wie er singt „Man muss an die Nachbarn denken“ und manchmal sind seine Gedanken so nah, als hätte man sie selbst gedacht.

Es ist ein Erlebnis, plötzlich so nahe an den Songs von Flavien Berger zu sein. Nach jeder Einleitung ist man gespannt, was dieses Mal auf einen zukommt, manchmal sind es auch einfach Fragmente, die sich zu einem grossen Ganzen fügen. Flavien Berger führt wie ein Radiomoderator durch seine Quellen der Inspiration und 18 Songs. Auch der Albumname Contre-Temps bekommt eine andere Bedeutung: Als Hörer läuft die Veröffentlichung von Flavien Berger gegen die Zeit. Hat man erst das ursprüngliche Album ContreTemps gehört, führt einem Radio Contre-Temps vom geschliffenen Endresultat zurück zum freien Entstehungsprozess.

Die Reise durch Flavien Bergers Kopf endet mit den Worten „Gros bisous“ und einigen elektronischen Klängen, wie sie auch gestartet hat. Zurück bleibt die Erkenntnis, dass man aus vielen Quellen Inspiration schöpfen kann. Sei es aus Gesprächen mit Freunden, Sätzen wie „I found the microphone“ oder speziellen Träumen. Und dass sich aus dieser Inspiration Grosses schaffen lässt.

Mach auch du dich auf die Reise:

Bild: Nordic By Nature

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