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Lebensbejahende Melancholie als Rezept der vollkommenen Begeisterung: Die Horror-Show von Get Well Soon2 min read

4. November 2019 2 min read

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Lebensbejahende Melancholie als Rezept der vollkommenen Begeisterung: Die Horror-Show von Get Well Soon2 min read

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Disharmonien, die sich in einem zuckersüssen Klangbett aus Bläserset, Gesang und Instrumentarium der Populärmusik auflösen: Das klingt erstmal nach einem simplen, verwaschenen Trick, den sich heutzutage noch so mancher Künstler zur Begeisterung des Publikums zunutze macht – und oft kläglich daran scheitert. Nicht so der deutsche Virtuose Konstantin Gropper, welcher am Montagabend die Reithalle der Kaserne Basel gemeinsam mit der Get Well Soon Big Band und seinen zarten Kompositionen erfüllte. Das Konzert war souverän, gekonnt und überwältigend.

Get Well Soon – ein Projekt des 1982 geborenen Multiinstrumentalisten und ambitionierten Musikers und Künstlers Konstantin Gropper. Gemeinsam mit der über zehnköpfigen Get Well Soon Big Band und seinem neusten Album «The Horror» tourt Gropper durch einige Länder Westeuropas. Am letzten Montagabend machte die Musikgruppe in der Kaserne Basel halt und gab eines ihrer letzten Konzerte in dieser Kombination zum Besten.

«The Horror», ein Album voller Albträume und deren Verarbeitung, das trotz aller Schwermut eine mächtige Portion Lebensfreude und Prunk umfasst. So erschien auch die Gestaltung des Bühnenbildes, welches auf die Tour mitgenommen wurde. Nebst weissen, hängenden Tüchern, die unter Umständen Symbolbilder der Albträume Groppers darstellen könnten, konnte das darauf projizierte weisse Licht immer wieder durch warme, helle Lichtkegel abgelöst und durch einen sanften, humorvollen Spruch von Gropper aufgelockert werden. Was anfangs zu einer epischen, tragischen und dennoch sehr guten Horrorshow zu mutieren schien, stampfte sich den Weg in Richtung Helle, in Richtung Wohlfühl-Atmosphäre. Trotzdem konnte rein visuell, abgesehen von einigen Stroboskop-Einsätzen, kein wirklicher Trigger der Gefühlsmutation ausgelöst werden. Das Lichtkonzept liess etwas zu wünschen übrig.

In musikalischer und Performance-technischer Hinsicht hing das Niveau des Auftritts an der Decke wie ein Kronleuchter im Speisesaal eines edlen Dampfers. Setzten einmal fragile Flöten- und Xylophon-Klänge ein, so wurden diese auf gewaltig überraschende Art und Weise von kreischenden, schleifenden und klirrenden Gitarren abgelöst. Die Musik von Get Well Soon besitzt kontrastreiche Färbungen und Schattierungen, sodass von jedem Gefühl, das auf der Palette der Emotionen zu finden ist, etwas übrig blieb.

Das sitzende Publikum erhob sich immer wieder von den Stühlen, um seinen Hüften die Teilnahme an den rollenden Beats der Bassgitarre und des Schlagzeugs zu gewähren, während Konstantin Gropper vom Bühnenrand sitzend aufsprang, um wenig später das Schlagzeug zu besteigen und siegessicher die Seele der Sorgen zu entleeren.

Eine prunkvolle, tragische Performance mit einer grossen, im Voraus nicht erwarteten Portion Humor, machte das Horror-Konzert zu einem fantastischen, hochstehenden und unfassbar überwältigenden, geniessbaren Fest der Freude. Schade, dass auch die letzten beiden Konzerte bereits vorüber sind. Auf ganz bald, Get Well Soon Big Band.

Text & Bild: Jan Rucki

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