Film Kritiken

Green Book – Der beste Film 2019?3 min read

18. April 2019 3 min read

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Green Book – Der beste Film 2019?3 min read

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Zurzeit im Kino zu sehen ist der Film ‚Green Book‘ vom amerikanischen Regisseur Peter Farrelly. Nachdem die Eltern von zwei Kindern, auf welche ich ab und zu mal am Abend aufpasse, ziemlich begeistert davon erzählten und der Film an den Oscars 2019 zu dem besten Film ausgezeichnet wurde, blieb mir fast nichts anderes übrig als mir den Film anschauen zu gehen. Also schleppte ich mich an einem kalten verregneten Samstag-Abend ins Bourbaki und setzte mich in den Kinosaal.

Der Film beginnt und schon in der ersten Sekunde hatte ich das Gefühl, diese Szene schon tausend Mal gesehen zu haben. Die Kamera schweift durch einen Tanzclub, zeigt verschiedene schick angezogene, zum Teil tanzende Menschen, die ein Getränk mit Eiswürfeln drin halten und mit irgendwelchen schönen Frauen in Kleidern der 60er reden. Dieses Gefühl, ein Bild schon so oft gesehen zu haben, zieht sich übrigens dann durch den ganzen Film hindurch.

Sowieso hat der Film nicht wirklich eine neue Thematik, welche eine vom Sockel haut. Es ist ein Rassismus- Drama, in welchem der Italo-Amerikaner Tony Lip, welcher zu Beginn dumme Sprüche gegen Schwarze fallen lässt, wegen Geldmangel einen Job als Chauffeur für die Tournee eines berühmten schwarzen Pianisten annimmt. Sie fahren mit einem blauen Cadillac vom liberalen New York bis durch die Tiefen der konservativen Südstaaten. In dieser Zeit wurde im Süden die Rassentrennung noch strikt durchgeführt und die Beiden sind auf das sogenannte Green Book angewiesen. In diesem sind alle Hotels undRestaurants aufgeführt, welche von Afroamerikanern benutzt werden dürfen. Zu Beginn der Reise haben die beiden Männer Mühe miteinander klar zu kommen, doch schnell merken sie, dass sie viel voneinander lernen können und am Ende – wer hätte es gedacht – sind die Beiden Freunde und es herrscht Friede Freude Eierkuchen.

Klar finde ich, dass man kaum genug über so wichtige Themen wie Rassismus sprechen kann und unsere Geschichte in Kunst verarbeiten soll und muss. Aber so, wie es mit diesem Film getan wird, wird es zum schlappen Unterhaltungskino. Der Film vermittelt einem ein gutes Gefühl sehr kultiviert und sehr viel besser zu sein, als all diese bösen weissen Rassisten im Süden. Es gab zum Beispiel eine Szene im Film, als der Pianist Dr. Don Shirley nicht im Restaurant mit allen anderen essen darf, bevor er ein Konzert für eine hohe Gesellschaft hält. Obwohl er der Grund ist, weshalb sich alle an diesem Abend versammelt haben, soll er in einer Besenkammer zu Abend essen. Der Chauffeur Tony Lip fragt ihn dann, wieso sich diese Leute dann überhaupt ein solches Konzert anschauen gehen und der Pianist antwortet, dass sie sich dabei kultiviert und gut vorkommen. Irgendwie erinnerte mich das dann sogleich an mich selbst, wie ich gerade da im Kino sass, einen Film zum Thema Rassismus ansah, später mit einem guten Gefühl rausging und mir dachte, wie man nur so sein kann wie diese Menschen – zum Glück bin ich ja nicht so.

Der Film beruht auf einer wahren Geschichte und lässt gekonnt alle Klischees  aufeinanderprallen: Proletengegen Gebildete, Weisse gegen Farbige, Arbeiter gegen Reiche, Familienväter gegen Alleinstehende. Es ist einfach die Message hinter dem Film zu verstehen und durch das Happy End(will man das bereits verraten?) und die vielen humorvollen Momente im Verlauf des Filmes wird es zu einem regelrechten Feel Good-Movie.

Fazit allgemein: Obwohl ich gerade sehr kritisch war: Der Film ist gut. Er ist unverkrampft, locker und macht Spass zu schauen. Ich mochte die Stimmung des Filmes, den Humor und die Schauspieler, vor allem Mahershala Ali überzeugte mich sehr, welcher schon bei dem Film ‚Moonlight‘ einen Oscar abstaubte. Wer jedoch auf Filme steht, die Dinge etwas tiefer kritisieren und verarbeiten, muss ‚Green Book‘ nicht wirklich gesehen haben. Doch für einen gemütlichen Samstagabend, um wieder mal ins Kino zu gehen lohnt sich der Film  – man ist jedenfalls zwei Stunden lang gut unterhalten.

 

Autorin: Lina Künzi

*Sämtliche Personalformen des Textes beziehen sich auf alle Geschlechter.