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Wie an einem einzigen Abend zu anderen Galaxien gereist werden kann – Die Interstellaren nisteten sich im Südpol für ihr Residenzkonzert ein3 min read

11. Dezember 2019 3 min read

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Wie an einem einzigen Abend zu anderen Galaxien gereist werden kann – Die Interstellaren nisteten sich im Südpol für ihr Residenzkonzert ein3 min read

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Die Reise beginnt auf der Erde. Mit mehreren Kilometern pro Sekunde katapultieren wir uns auf den Mond, zum Nachbarplaneten und zu guter Letzt aus dem Sonnensystem, aus der Milchstrasse, weit weg, mit weit mehr als nur mit Lichtgeschwindigkeit in die Unendlichkeiten des Alls. Doch lasst uns von vorne beginnen.

Eigentlich starten wir unseren Rausch im Club vom Südpol. Während einer Woche hat das Luzerner Quartett mit einem zusätzlichen Performer ein Konzert vorbereitet. Die Interstellar Supercops verbrachten einige Tage in den dunklen Gefilden des Südpol-Clubs, probten und verfeinerten ihre Show für das Album, welches noch diese Woche getauft werden soll. Eine Art Pre-Release-Party also.

Um halb zehn war der Raum erstaunlich leer. Aussergewöhnliche Stimmung füllte das Lokal mit Vorfreude auf die anstehende Reise, einige Menschen rauchen, andere bestellen einen nächsten gespritzten Weisswein. Der Perser-Teppich vor der Bühne liess den dunklen Club als Art Proberaum erscheinen, die Menschen setzten sich darauf und warteten gespannt auf den Auftritt der Interstellaren. Als sich die Location nach einiger Zeit mit mehr und mehr Leuten gefüllt hat, ging es los. Fünf junge Männer traten aus dem Publikum auf die Bühne, richteten sich ein und nahmen uns mit – ganz, ganz weit weg.

Future, future!

Spannend daran: Alle vier Supercops hatten Instrumente zu bedienen, drei von ihnen haben gesungen und eine weitere Person hat weder gesungen, noch Musik gemacht. Und schon gar nicht getanzt. Der mysteriöse, zusätzliche Mann, dessen Name „Liwaï“ lautet, sass auf einem Hocker, trug Bart und eine Brille. Dabei handelte es sich aber nicht um eine Brille, mit der man die Realität besser sieht, sondern um eine, die virtuelle Realität überhaupt erst möglich macht, eine VR-Brille also.

Diese Brille fungierte zusammen mit einer Art Joysticks als Steuerelement für eine virtuelle Welt, die das All darstellte. Die Reise, welche er auf sich nahm, wurde auf der sich hinter der Bühne befindenden Leinwand gezeigt. „Liwaï“ steuert nach eigenen Angaben normalerweise seine eigens kreirten Visuals über den Laptop. Diesmal jedoch kam ihm die Idee, sich eigens auf die Bühne zu setzen, und selbst Teil der Performance zu werden. Und das wirkte gross, saustark und verblüffend.

Das Konzert begann, die Reise startete dicht über der Erde. Die Beats kamen ins Rollen, die Reise führte am Trabanten vorbei. Mal dicht, mal weit weg – mal langsam, mal schnell. Genau so wie sich die Musik veränderte, schlug die Geschwindigkeit unseres virtuellen All-Taxis um. Dumpfer Dub, bestehend aus groovigen Baselines und zarten Gitarrenklängen, unterstützt von Gesang und zwei Perkussionisten, wurden immer wieder mit schlagartigen und doch fantastisch konzipierten und subtilen Übergängen von Rock’n’Roll-Einschüben abgelöst.

Innovation und Genrefusion als Erfolgsrezept

Langweilig wurde es nie, denn fühlte man sich gerade wie in einem verrauchten Rockschuppen der Sechziger, wurde man kurz darauf wieder in acid-ähnliche Zustände bestehend aus verwinkelten und schwebenden Dub- und Psychedelic-Welten geführt. Abgerundet durch einen sphärischen Höllenritt mit dutzenden astronomischen Einheiten – also knapp 150 Milliarden Meter – pro Sekunde spürte man längst nicht mehr, wo oben und wo unten ist. Die Leinwand war zu gross, die Musik zu gut. Psychedelisch, erstaunlich funky, und aktivierend – das Luzerner Quartett weiss mit Innovation, Genre-Fusion und Humor zu begeistern. Man war einfach, man hat genossen. Mal wurde ganz ruhig geschaut, gestaunt, mal wurde intensiv gejubelt, gepfiffen und exzessiv getanzt.

Die im Voraus eigens angekündigte Zugabe blieb nicht aus. So legten sie nach längerem Applaus noch einmal nach und spielten für eine weitere Viertelstunde – auch wenn Zeitdefinitionen nicht nur schwierig zu machen, sondern auch während des ganzen Abends absolut überflüssig waren.

Am kommenden Samstag (14. Dezember) taufen die Interstellar Supercops ihre erste Platte im Off-Space der Güterhalle.

Albumverlosung

Hier kannst du sie übrigens zudem noch gewinnen! Fülle dieses Formular aus und gewinne ein Exemplar des am Samstag erscheinenden Albums der Interstellar Supercops!

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