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Bergmalerei mal anders – „Mitten im Motiv“ bis am 15. März in der Kunsthalle Luzern3 min read

28. Januar 2020 2 min read

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Bergmalerei mal anders – „Mitten im Motiv“ bis am 15. März in der Kunsthalle Luzern3 min read

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Barbara Gwerder ist eine ursprünglich aus dem Kanton Schwyz stammende, etwas über 50-jährige Künstlerin. Ihre abstrakten, expressionistischen Malereien, die in der Schweizer Bergwelt entstanden sind, stellt sie noch bis am 15. März 2020 unter der Ausstellungsbezeichnung «Mitten im Motiv» in der Kunsthalle Luzern aus.

Als ich am vergangenen Samstagnachmittag die Kunsthalle betrete, ist der Ausstellungsraum bis auf die Mitarbeitende menschenleer. Zu allererst fällt mir Klaviermusik auf, die mich zu einer Leinwand hinzieht auf der ein 20-minütiger Dokumentarfilm von Sébastien Devrient eingeblendet wird. Es ist eine interessante Zurschaustellung der ruhigen Herangehensweise Gwerders, die Muotataler und Ruosalper Bergkulisse als Motiv für ihre auf zum Teil 1.70m langen Holzplatten zu nehmen. Auch fasst er die beschwerliche künstlerische Arbeit auf, der die auf der Alp gross gewordene Kunstschaffende begegnete, wobei sie unter anderem auf 1800 m.ü.M. und bei Temperaturen von -20 Grad zeichnete. Auf ähnliche Weise machten innovative Künstler wie Giovanni Segantini es ihr vor. Auch mit dem isolierten und spärlichen Leben in einer Alphütte ohne Strom und Wasser musste sie umgehen können.

Nicht nur Devrient hat sich an Gwerders Projekt «AlpStreich» interessiert, das durch den von ihr 2015 gewonnenen Prix FEMS der Fondation Edouard et Maurice Sandoz mit CHF 100000.- realisiert werden konnte, sondern auch Cineastin Esther Heeb hat die Künstlerin während deren mehr als einem Jahr andauernden Aufenthalt in den Alpen begleitet. Daraus produzierte die gebürtige Luzerner Filmemacherin 2018 den 76-minütigen Dokumentarfilm «Über den Tannen», der am Sonntag, den 16. Februar um 14:00 Uhr und am Sonntag, den 15. März um 11:00 Uhr im stattkino (im gleichen Gebäude wie die Kunsthalle) ausgestrahlt wird. Ebenfalls am 15. März gibt Gwerder um 13:00 Uhr ein Gespräch, wobei die Finissage bis um 17:00 Uhr dauert. 

Nach diesem passend mit experimenteller Musik unterlegter Filmsequenz, geht es für mich weiter mit den eigentlichen Kunstwerken. Farbig bunt kommen einige Bilder daher, zum Teil erkennt man nicht einmal mehr, dass Berge als Vorlage galten, sondern die Malerin schien ihrer Kreativität und künstlerischem Handwerk freien Lauf zu lassen. Zudem hat die Witterung ihre Spuren auf den Bildern hinterlassen. 3000 Edelweisse aus Tannenholz entstanden während den einsamen Stunden in der Berghütte. Installiert wurden auch grosse Holzäste, worauf Betonkugeln angemacht wurden. Diese «Chnebelgrindä» geben der Ausstellung etwas Verspieltes und zeigen das Flair der wagemutigen Malerin für Natur und deren Rohheit. Die Malereien sind alle mit ähnlichen Materialien nämlich Acryl, Grafit und Tusche gefertigt worden, die Konturen der Bergkette sieht man zumeist und es gibt unterschiedliche Farben. Bei genauerem Hinsehen, erkennt man jedoch grosse Unterschiede z.B. in der Farbwahl, der Pinselführung und im Abstraktheitsgrad. Die kleine Wendeltreppe führt zum letzten Teil der Ausstellung und zu einem kleinen Ausstellungsraum, der etwas kleinere Bilder darbietet, die aber trotzdem die Grösse der Berge einzufangen vermögen. Beim einen Kunstwerk sieht man ein wenig auf den Grund des Holzbretts, bei der anderen Malerei kann man mit ein bisschen Fantasie ein Alpaka entdecken.

Die Ausstellung ist sehr durchdacht, die Anordnung der Bilder im Ausstellungsraum geschah bewusst und mit dem Hintergrundwissen, dass die Künstlerin sich der Naturgewalt aussetzte, schätze ich ihr Schaffen noch um ein Vielfaches mehr.

Über Barbara Gwerders Werdegang:
1967* im Kanton Schwyz
1991-1997: Schule für Gestaltung und Kunst Luzern mit Austauschsemester an der Hochschule der Künste Berlin
1997-1998: Assistenz an der Schule für Gestaltung und Kunst Luzern
1998-2002: Atelieraufenthalt in Berlin 
Seit 1999: Kunstwerke aus Installation, Malerei, Objektkunst, Performance und Kunst am Bau

Adresse Kunsthalle Luzern: Löwenplatz 11, 6002 Luzern
Eintrittspreis: frei
Öffnungszeiten: Mi-Sa 14:00-19:00 Uhr, So 14:00-17:00 Uhr