Kunst

Schweben durch das Beyeler – die neue Ausstellung Resonating Spaces4 min read

24. November 2019 3 min read

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Schweben durch das Beyeler – die neue Ausstellung Resonating Spaces4 min read

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Wir betreten die Fondation Beyeler in Riehen an einem herbstlichen Sonntag Nachmittag. Die Sonne scheint, der Parkteich des Kunstmuseums plätschert ruhig vor sich her. Was will man mehr? Eine Ausstellung besuchen, welche unglaublich starke Künstlerinnen ausstellt.

Resonating Spaces ist eine Ausstellung welche durch Leonor Antunes (gebürtige Portugiesin, wohnt in Berlin), Silvia Bächli (lebt in Basel), Toba Khedoori (gebürtige Australierin, wohnt in Los Angeles), Susan Philipsz (gebürtige Engländerin, lebt in Berlin) und Rachel Whiteread (lebt in London) verwirklicht wurde. Fünf international renommierte Künstlerinnen, welche gemeinsam die Räume des Beyeler mit ihren Malereien und Installationen füllen.

Es beginnt mit der überraschenden, versteckt platzierten Klanginstallation von Susan Philipsz. Von irgendwo erklingt eine Stimme, welche ein Poplied beginnt zu singen. Ganz allein, ohne Instrument. Minimalisiert auf die Stimme der Künstlerin. Von da an gelangen wir direkt in den Raum von Toba Khedoori. Ihre Werke bestehen aus riesigen, auf Papierbahnen gezeichneten architektonischen Fragmenten. Sie spielt mit der Vollständigkeit und der Unvollständigkeit in ihren Werken. Diese werden meist mit einem synthetischen Wachs beschichtet. Khedoori lässt ungezeichnete, unfertige Stellen übrig, kreiert eine neue Ebene der gewollte Leere inmitten eines detaillierten Öl-Bildes. Eine Provokation. Die Grenzen verschwinden, ihre Kunst bietet uns riesige, offene Räume. Sie hinterlässt den/die Betrachter*in in einem Schwebezustand. Doch dann zeichnet sie auch kleinformatige und farbige spezifische Ausschnitte. Diese kleineren Werke, auch in Ölfarben, kippen durch diese extremen Ausschnitte und dem präzisen Zeichnen schon fast ins Abstrakte oder Fotorealistische.

Wir bewegen uns weiter und landen beim grössten Saal der Ausstellung. Der Blick schweift durch das grosse Fenster der Fondation. Im Raum selbst befinden sich verschiedene Skulpturen aus Stäben, Knoten, Netzen, Röhren oder Paneelen. Der Boden ist mit grafischen, ausgeschnittenen, farbigen Linoleum Elementen bedeckt. Manchmal spiegeln die Werke, bewegen sich, wirken standhaft und stabil oder unglaublich zart und feingliedrig. Die Kunst der gebürtigen Lissabonerin Leonor Antunes ist stark architektonisch geprägt mit vielen Einflüssen der modernen Kunst. Sie ist vor allem interessiert an der Architektur und Design des 20. und 21. Jahrhunderts. Da überrascht es nicht, dass der Linoleum Boden von der Bauhaus Grafikerin Anni Albers inspiriert wurde.

Wir gelangen in die zeichnerischen Räume von Silvia Bächli. Ihre Werke werden auf das Wesentlichste reduziert, der Emotion oder der Bewegung. Ihr wichtigstes Gestaltungselement ist die Linie, welche sie mit flüssiger Farbe auf das Papier aufträgt. Diese vermengt sich, läuft einher mit anderen Linien oder steht allein auf einem Werk. Mal sind sie ganz schwach und lasierend und mal bestehen sie aus einer starken Intensität. Sie spielt mit der Platzierung der Werke, welche ein wichtiger Teil ihrer Kunst ist. Ihre Zeichnungen selbst wirken manchmal etwas simpel, wenn sie alleinstehen. Doch im Gesamten, im Raum gesehen, sind die Werke aufeinander abgestimmt und in komplexen Konstellationen zueinander. Ihre Werke lassen uns viel Interpretationsspielraum.

Von da aus schlüpfen wir in die Klanginstallation von Suzan Philipsz. Ihr Werk stellt die 12 Windköpfe der Weltkarte «Typus Universalis» von Sebastian Münster aus dem Jahr 1550 dar. Auf dieser Weltkarte sind die damals bekannten Kontinente zu sehen und die dazugehörigen 12 Windköpfe. Diese umringen die Weltkarte und blasen in die Erde hinein. Philipsz benützte für ihre Klanginstallation verschiedene Meerschnecken aus verschiedenen Weltgegenden. Die Klänge erklingen dumpf, sind lauter, mal leiser, werden unterbrochen von der Atmung. Als Betrachter*in läuft man durch den länglichen Raum mit 12 weissen, länglichen, geordnet platzierten Wandlautsprecher. Jedem dieser Boxen ist ein Klang eines Windkopfes zugeordnet. Der Raum füllt sich mit sphärischen Klängen und wirkt irgendwie beruhigend. Man möchte irgendwie meditieren (was sogar eine Besucherin tat).

Der letzte Raum der Ausstellung zeigt uns die Kunstobjekte aus Papiermaché von Rachel Whiteread. Verschiedene Texturen und Farben prägen ihre Objekte. Als Ausgangspunkt für ihre Objekte, benütze Whiteread Werke von Balthus. Diese sind in der Fondation Beyeler als Dauerleihgabe. Sie arbeitet oft mit traditionellen Verfahren und Materialien und kreiert aus dieser Tradition neuartige und reduzierte Werke.

Resonating Spaces ist eine interessante, wunderschöne Ausstellung. Sie stellt die Vielfalt der Kunst dar und die Formen, welche sie annehmen kann. Und doch haben alle Künstlerinnen etwas Verbindendes. Die Kunst, den Betrachter mit wenigem und bewusstem zu bewegen und einzufangen. Man schwebt in diesen Räumen und hat viel Platz für Interpretationen. Ich hätte noch lange verweilen können.

Geht auch und lässt euch die Augen von dieser Kunst beglücken. Die Ausstellung dauert noch bis zum 26. Januar 2020 und ist für bis 25-jährige Studenten gratis.

Copyright Foto: INSTALLATIONSANSICHT AUSSTELLUNG „Resonating Spaces“ Fondation Beyeler, Riehen/Basel, 2019; Foto: Stefan Altenburger