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Southside Festival 2019: So war der Auftritt von Tame Impala

25. Juni 2019 3 min read

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Southside Festival 2019: So war der Auftritt von Tame Impala

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Die fünf Jungs von Tame Impala haben es alles schon gemacht: Sie wurden vom australischen Indie-Label Modular Recordings entdeckt, spielten als Vorband für The Black Keys und MGMT und waren als Headliner beim diesjährigen Coachella mit dabei. Kevin Parker, der Frontmann, hat gar bei empfehlenswerten Liedern von Mark Ronson (Daffodils) oder Travis Scott (Skeletons) mitgemischt. In der Samstagnacht spielten sie am Southside mit vielen Sound-, Licht- und Bild-Effekten und liessen Bässe mit einer derartigen Wucht wummern, dass man den Mund vor Staunen fast nicht mehr zubrachte.

Viele im Publikum kannten den Hit Let It Happen, mit dem die im Jahre 2007 formierte Band aus Perth ihr Konzert begann. Sie zeigten den Konzertbesucher*innen von Anfang an, wie sich die rund eineinhalb Stunden zuzutragen haben. Nämlich mit hohem, abwechslungsreichem Gesang von Kevin Parker, motivierenden und repetitiven Bassklängen, atmosphärischen Pads, abgestimmten Gitarrenklängen und Synthesizer-Tönen im Duett, peppigen und mutigen Schlagzeugparts und einer Vielzahl an Effekten auf Vocals, den Drums oder, gerade bei diesem Lied, zum Teil auf allen Instrumenten.

Nach Nangs, das auch zu ihrem Album Currents gehört, spielten sie Patience, die Single mit Disco-Einfluss, die im März dieses Jahres herausgekommen ist. Mit den fülligen Klavier-Chords und den Congas (die übrigens von einem zusätzlichen Musiker gespielt wurden, der nach dem Lied die Bühne wieder verliess), passend für die Sommerzeit. Auf The Moment folgte Mind Mischief, der Song mit dieser gängigen Gitarrenmelodie. Der Schlagzeuger fügte jeweils am Ende des Taktes vor allem den aus Toms, Snares, Hats und Kicks zusammengesetzten Beat hinzu. Der Flanger-Effekt wurde auf die Synthesizerspuren und den Gesang gegeben.

Beim motivierenden Stück Elephant änderte sich die Lichtkonzeption, statt von oben, kamen die Lichter nun neu von hinten, die sich als farbige Strahlen ihren Weg in den Nachthimmel bahnten.
Wie sich ihre Lichtshow abrupt änderte, wandelten sich während dem Konzert auch die Visuals. Bearbeitete Live-Aufnahmen liessen Platz für Porträt-Aufnahmen von Kevin Parker. Farbige Muster und Bilder wechselten sich mit grauen und schwarzen Grafiken ab, die im Stile ihres Albumcovers von Currents kreiert wurden.

Nachdenkliche Texte im Song Love/Paranoia wurden durch die in den Ohren hängen gebliebene Bassmelodie von The Less I Know The Better abgelöst, wodurch mehrere Leute im Publikum wild pfiffen und Freudenschreie von sich gaben.
Yes I‘m Changing trieb den psychedelischen Sound auf die Spitze. Die hohen Pads-Akkorde, das mit Reverb bestückte Glockenspiel mit den drei verschiedenen Tönen, die in steigender Abfolge ständig wiederholt wurden und die Trägheit des Liedes, verliehen mir das Gefühl, als liefe ich auf Wolken.
Beim Stück Why Won‘t You Make Up Your Mind? von der ersten LP Innerspeaker wurden die Snythesizer und die Gitarre zusammen mit Pan-Effekt vorgetragen, was auf der grossen Soundanlage des Southsides relativ speziell klang. In Eventually stellte Parker sein Talent unter Beweis, sogar nur aus einem Wort mit mutiger Betonung und Aussprache dessen, sich in die Ohren der Zuhörenden zu schleichen. Ich würde allgemein behaupten, dass ein grosser Teil des Erfolgs der Band dem Wortkünstler Parker zu verdanken ist, nicht nur weil er beinahe alle Songs selber geschrieben hat, sondern auch wegen seiner einzigartigen Artikulation und Rhythmisierung von einzelnen Wörtern und Phrasen. Zudem verfremdet er seine Stimme extrem, macht sie so zum Instrument und er wird weniger fassbar. Autotune und Vocoder, er benutzt sie gekonnt und so ist es auch nicht weiter erstaunlich, dass er Daft Punk vergöttert.

Die zuletzt veröffentlichte Single Borderline kam bei den Leuten gut an, auch hier trafen wir die Congas wieder an und irgendwie wirkte der Song erfrischend, weniger schwer und emotional als die vorherigen. Apocalypse Dreams (vom Album Lonerism) spielte mit aufbauenden Parts (herausstechenden Piano-Akkorden), die dann mit langsameren Sequenzen abgetauscht wurden. Jay Watson, der Keyboard-Spieler, sang dazu die hohen Vocals im Duett mit Parker.

Wie auch Nangs war Gossip vor allem instrumental. Interessanterweise hatte sich das Quintett für das Konzert für diese Lieder entschieden, wobei sie auch absolut hochkarätige Songs wie Endors Toi, Sundown Syndrome oder Sun’s Coming Up hätten wählen können. Auf Feels Like We Only Go Backwards folgte New Person, Same Old Mistakes, das letzte Lied des Konzerts.

Abschliessend ist zu sagen, dass die Lieder mit kleinen Ausnahmen wie auf den Platten daherkamen und vor allem die Show überraschte. Und natürlich die Bassfrequenzen, die sie gerade gegen Schluss noch einmal richtig aufspielen liessen. Nur schon deswegen lohnt es sich, Tame Impala live zu sehen.

Nach den zwei Singles, die wie erwähnt dieses Jahr veröffentlicht wurden, steht das neue Album vor der Türe. Wann genau es herauskommt, ist jedoch bisweilen nicht klar.

 

Bilder: Jan Rucki