Konzerte Kritiken Musik

Synchrone Diversität- Quiet Love Label Night im Hyperlokal Binz in Zürich3 min read

6. November 2019 3 min read

Autor*in:

Synchrone Diversität- Quiet Love Label Night im Hyperlokal Binz in Zürich3 min read

Reading Time: 3 minutes

Am vergangenen Wochenende fand die zweite Quiet Love Label Night im Hyperlokal in Binz statt. Mit einer Vielzahl von Musikern präsentierte das Label  ihre Heterogenität; von elektro-akustischem Sitar-Drum&Bass, bis zu Post Industrial Gesang. Insgesamt eine sehr interessante Erfahrung mit bleibender Wirkung. 

Am ersten Abend eröffnete die Band HOLM die Bühne des Hyperlokals. Mit ihrem pulsierenden Postrock füllen sie den Saal der ehemaligen Autowerkstatt, mit einer Stimmung der dynamischen Melancholie, mit wabernd schnell gespielten Riffs, welche eine Sphärische Wirkung vollbringen. Musikalisch bieten sie eine gewisse Variabilität sie schwanken zwischen „klassischem“ Post-Rock mit gehallten schnellen Gitarrenriffs und experimentelleren Abschnitten welche schwer einem Genre zuzuordnen sind. Zu ebendiesen zweitgenannten Teilen wird in einigen Liedern aufgebaut, es ist der Abschnitt des kurzeitigen Wahnsinns in welcher die Musik zerberstet.

Den Schauplatz in das silbern bemalte Atelier gewechselt, sitzt bereits Jan Wagner an seinem Rhodes Piano und das Publikum am Boden und auf Sofas verteilt. Er beschallt das Publikum mit seinem emotionalen Ambient welcher teils auch durch einen Herzschlagähnlichen Beat unterstützt wird. Über die digital produzierten Sounds, welche teils an Cliff Martinez erinnern, spielt er auf dem Rhodes melancholische Melodien und Harmonien. Die Musik trägt die Stimmung der Einsamkeit, aber mit Aussicht auf einen Hoffnungspfad. Mit seinem langsamen Aufbau in rhythmischere tanzbarere Welten, gibt Jan Wagner einen Spannungsbogen welcher den silbernen Raum zum Verstummen bringt.

Zum Abschluss wieder in die Werkstatt gewechselt, präsentiert uns Tobias Preisig sein mit elektronischen Komponenten fusioniertes Geigenspiel. Es ist der Tag seines Albumreleases und er ist wohl der meist erwartete Künstler des Abends und auch er enttäuscht mit seiner Performance das Publikum nicht. Düstere dramatische Stücke mit dynamisch gezogenem Bogen werden durch das Lokal gefetzt. Das Publikum steht gebannt im Saal und lauscht den epischen Stücken des Violinisten. Ein sehr toller Abschluss eines spannenden ersten Abends.

 

Der zweite Abend wird von dem Elektronik-Duo Diskret mit ihrem „hardware-only-no-laptop-no-ableton-live-set“ eröffnet. In der Mitte des Raumes ist ein Synthesizer-Paradies aufgestellt. Sie beginnen mit einem sanften warmen House-rhythmischen Track welcher leicht an die Musik des Tycho erinnert. Elektronischer „Easy Listening“. Darauf folgt jedoch ein enorm härterer Wave-Techno Track mit einer interessanten Rhythmik. Darauf folgen noch weitere Elektrokonstrukte, bei manchen sogar live akustisch mit Kalimba oder Bassgitarre eingespielt wird. Besonders zu loben ist an dieser Performance die Zusammenarbeit zwischen Klang und licht welche an einer Stelle des Sets in einem epischen Synthaufbau gepaart mit grellem Strobolicht einen in einen gewaltigen Trance-Sog zieht, ein berauschendes Erlebnis.

Darauf folgt ein elektroakustisches Konzert des Sitaristen MONOH. Er präsentiert uns ein Loop-Set, gekoppelt mit hintergründigen Ambienttracks welche er teils auch noch mit einem kleinen Keyboard unterstützt. Seine Spielweise auf der Sitar ist bemerkenswert, und sehr interessant anzuschauen wie er die Saiten schlägt und zupft. Leider drängt sich die elektronische Ebene teils ein wenig in den Vordergrund, so dass es scheint, als würde er mit der Sitar die Elektronik begleiten und nicht umgekehrt, auch insgesamt lässt einen die elektronische Sparte des Konzerts eher kalt, und bewegt sich in einer sehr ordinären Gegend. Es sind Stimmungsabschnitte welche man in der Ambientmusik bereits etliche Male gehört hat und damit leider auch mit der Sitar nicht zur musikalischen Vollkommenheit gelangen. Jedoch ohne die besagte Elektronik wäre es doch ein grossartiges Konzert gewesen, da der junge Zürcher doch technisch sehr bewandert gewesen wäre.

Zum Abschluss werden wir von der fantastischen Rosa Anschütz poetisch besungen. Mit genialen Texten und erfrischendem Sounddesign, ist sie definitiv das Highlight der zweitägigen Labelparty. Mit ihrem ausdrücklich authentischem Sound überzeugt sie wahnsinnig. Es sind neue Klangkombinationen, kombiniert mit schönen poetischen Texten, welche die junge Künstlerin uns präsentiert. Avant-Industrial vom allerfeinsten. Jeder Übergang wird durch einen Loop des vorherigen Textes eingeleitet und somit auch etwas erforscht was, ich zumindest, noch nie so zu Ohren bekam. Sie spielt einige neue Lieder, viele davon mit deutschen Texten.  Rosa Anschütz im Konzert zu erfahren, ist ein künstlerisches Erlebnis was jedem, der sich für das düstere und experimentelle interessiert zu empfehlen ist.