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Von der Orgel bis zum Altar – Black Sea Dahu am Lichtfestival Luzern3 min read

22. Januar 2020 3 min read

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Von der Orgel bis zum Altar – Black Sea Dahu am Lichtfestival Luzern3 min read

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An und in der Hofkirche St. Leodegar waren die letzten Tage zwei Installationen des Zürcher Künstlerkollektivs Projektil zu sehen. Die Werke trugen klangvolle Titel wie: «En-Trance» und «Genesis 2». Letztere wurde von Black Sea Dahu musikalisch begleitet. Diese und viele weitere Installationen, waren über die ganze Stadt Luzern verteilt und fanden im Rahmen des Lichtfestival Luzern statt.

«Hinten links, da sind die besten Plätze, um die Lichtshow zu geniessen», höre ich einen älteren Mann beim Einlass zu seiner Gruppe sagen. Nach einigen Minuten warten, in Mitten der bunten, hypnotisierenden Mustern, gehen die Tore auf. Wie eine wild gewordene Herde stürmt das Publikum am Sonntagabend, kurz vor neun Uhr, in die Hofkirche. Wie gewohnt gehe ich, mit schnellem Schritt, möglichst weit nach vorne, gezielt Richtung Band.

Als Black Sea Dahu zu spielen beginnt, gehen, zu meinem Erstaunen, keine Lichter auf der Bühne an. Es erscheint, ein sich ausbreitender heller Kreis, an der weissen, gekrümmten Decke der Kirche. Die sechsköpfige Band bleibt im Dunkeln. Nur die leuchtend pinke Jacke von Schlagzeuger Nick Furrer alias Haubi Songs ist zu erkennen.

Ich sitze in der zweitvordersten Kirchenbank und muss meinen Kopf ganz schön in den Nacken legen, um die Projektionen an der Decke betrachten zu können. Mir wird klar, dass der ältere Mann beim Einlass vermutlich Recht hatte. Der Musik von Black Sea Dahu soll man, dieses eine Mal, nur lauschen und sich voll und ganz in die Bildwelt der Schöpfungsgeschichte des Künstlerkollektiv Projektil fallen lassen.

Die Schöpfungsgeschichte beginnt. Sie wird über abstrakte Welten erzählt, die über Flora und Fauna zu beeindruckenden Tierwelten führen. Haie, Schildkröten und gigantische Wale schwimmen über die Decke. Bei solch eindrücklichen Bilder, sei es gar nicht so einfach sich nicht ablenken zu lassen, meinte die Frontsängerin. Gegen Ende schweben menschliche Körperteile an den Stuckaturen der Kirchendecke. Rotierende Hände und Beine sind in Mandela artigen Anordnungen zu sehen. Bis zu guter Letzt der Mensch als Ganzes, in embryonaler Stellung, gezeigt wird. Ganz schön viel nackte Haut, in der sonst so konservative Kirche.

Die dunkle, warme Stimme der Sängerin Janine Cathrein, begleitet von Cello, Gitarre, Bass, Keys und Schlagwerk, füllt die Kirche von der Orgel bis zum Altar. Nach einer Weile fordert Cathrein das Publikum auf, die Show in vollen Zügen zu geniessen. Man solle sich fallen lassen, meint sie, auch sich auf den kalten Marmorboden zulegen sei erlaubt. So begebe auch ich mich von der harten Holzbank auf den noch härten Marmorboden und beobachtete das Lichtspektakel, das sich an der Decke räkelt. Zwischen den Songs ist es teils so Stil, dass die Band sich erkundigt, ob das Publikum noch da ist.

Als Black Sea Dahu den letzten Song ankündigte, war ich überrascht, wie schnell die Zeit verflogen ist. Solche sakralen Bauten sollten viel öfters Schauplatz für Kunst kombiniert mit moderner Technik werden. Ich wäre mit Vergnügen wieder mit dabei.

Bilder: Kaj Bossard