Weniger ist mehr. Ein Abend weg von der Welt.

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Konzerte von grossen Künstlern sind immer so eine Sache: die Erwartungen sind gross, die Angst enttäuscht zu werden ebenso. Auf dem Weg ans Mumford and Sons Konzert in der St. Jakobs-Halle in Basel fühlte ich mich aber eher so, als würde ich an ein intimes Konzert eines begabten, low-key Künstlers gehen. Die sympathische, bodenständige Art, welche die vier English-Men in ihrer Musik verkörpern und dem Hörer auf ehrliche Weise vermitteln, macht die Band meiner Meinung nach aus – und liess mich doch noch erwartungsvoll auf diese Attribute hoffen. Die erfolgreichste Band Englands enttäuschte nicht und lieferte auf eine abwechslungsreiche Art und Weise ein musikalisch farbiges Erlebnis.

Der Abend wurde von der australischen Band Gang of Youths eröffnet – eine ethnisch sehr interessante Zusammensetzung von Jungs, die im Genre Indie Rock/Alternative Rock zuhause sind. Als Lead-Sänger David Le‘aupepe verkündet, dass es seiner Meinung nach keine Probleme gäbe, die nicht bessergetanzt werden könnten, kam das Publikum in Stimmung und gab alles, um mit seinen exzentrischen Tanzbewegungen mitzuhalten. Die Band ist regelrecht ein neuentdecktes Juwel – mehr Rock als Indie, mit tiefgründigen Texten oder mit Musik zum allen Kummer vergessen – die ganze Palette wird gut abgedeckt!

Wie man es von englischen Gentlemen erwartet, betraten Mumford and Sons – bestehend aus Lead Sänger und Gitarrist Marcus Mumford, Winston Marshall am Banjo, Ben Lovett am Keyboard und Kontrabassist Ted Dwane – nach einer kurzen Pause pünktlich die Bühne. Die Halle jubelte, als vier Gestalten die Bühne einnahmen und gleich anfingen zu spielen. Das beste Gefühl während einem Konzert ist es, wenn man merkt, wie plötzlich die Energie in einem aufkocht, man alle Gedanken vergisst und sich voll und ganz der Musik hingeben kann – ob tanzend, singend oder einfach stillschweigend und -stehend in den Bann gezogen. Alle drei Facetten dieses Gefühls wurden am gestrigen Abend ausgelebt, als die Band das Publikum verwöhnte. Nebst den Klassikern
wie „I will wait for you“ und „Little Lion Man“, zu denen das Publikum mehr oder weniger musikalisch mitsang, gab es in der Mitte einen stilistischen Wechsel. Plötzlich wurde alles auf die Seite geräumt und ein einsames Mikrofon in der Mitte der Bühne aufgestellt. Die vier Bandmitglieder versammelten sich, als die Halle gespannt horchte und total still wurde. Hier war mein intimer Auftritt, den ich mir erhofft hatte! Nur in Begleitung einer Gitarre, sangen die vier Gentlemen of the Road in Mehrstimmigkeit Lieder, die einen in den stillstehenden Bann zogen. Mit dabei war „White Blank Page“, ein vom Album Sigh No More (2009) stammendes Musikwerk. Aus dieser Blase wurden wir geweckt mit einer letzten Ladung Pep, als die Band nochmals alles gab, und sogar Gang of Youths nochmals dazustiess, und mit Mumford and Sons auf kollegiale Weise die Bühne mit viel Bass und Schlagzeug bereicherte. Das Zusammenspiel der Bandmitglieder auf der Bühne, ihre Bewegungen und Gesichtsausdrücke bestätigten die Passion für ihre Musik, sowie die Bodenständigkeit. Sympathiepunkte für beide Bands: 10/10. Nebst den musikalischen Einlagen, brachten beide Lead Sänger das Publikum immer wieder zum Lachen – Marcus Mumford mit seinem trockenen englischen Humor, David Le‘aupepe mit australischem Slang und Hüftschwung.

Viel geredet wurde aber nicht – die Musik war Programm.

Goodies zum Abschluss

Euch, liebe Leser, möchte ich gerne noch ein paar Song-goodies mit auf den Weg geben – und etwas mehr.

Da Mumford and Sons schon seit 2007 als Band unterwegs ist, haben sie einiges zu offerieren. Nebst ihrem 2018 frisch veröffentlichtem Album – mit ihrem wunderbaren, unter-die-Haut-gehenden Hit „Woman“ – haben sie einige nicht so bekannte Prachtsexemplare. Mein absolutes Lieblingsalbum ist das im Jahr 2016 aufgenommene Album Johannesburg. In Zusammenarbeit mit verschiedenen afrikanischen Künstlern haben sie 5 Lieder aufgenommen, die solch eine spezielle Kraft haben. Lieblingssong vom absoluten Lieblingsalbum ist „There Will Be Time“, sowie „Wona“. Über ihre Tour in Südafrika haben
sie sogar einen Film gedreht, der einem ein Gefühl für verschiedene Lebenswelten gibt und für einen Moment den Drang nach einem Abenteuer beschert: Mumford and Sons – We wrote this Yesterday. Schon nur der Trailer auf der Webpage der Band oder auf Youtube vermag es, einen kurz aus der Realität zu entziehen.

Was Gang of Youths angeht – stöbert durch ihre Songs und macht euch selber ein Bild. Ich bin etwas verliebt, no kidding mate. Lieblingslied: „Don’t let Your Spirit wane“.

 

Text von Gastautorin: Michelle Becht

Bild: Universal Music

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