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Werden wir uns der Zwecklosigkeit bewusst, wirkt es befreiend – ein Abend mit pulp.noir in Zürich2 min read

9. Dezember 2019 2 min read

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Werden wir uns der Zwecklosigkeit bewusst, wirkt es befreiend – ein Abend mit pulp.noir in Zürich2 min read

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Dank Google Maps, finden wir den etwas versteckten Kunstraum Walcheturm in einem Innenhof nah am Zürcher Bahnhof.
 Wir gehen rein, bekommen einen Stempel aufgedrückt und gelangen in den Kunstraum. Da gehts dann schnell los. Auf der Bühne steht ein Schlagzeug-Kit, ein Vj-artiges Mischpult (Vj kommt von DJ und befasst sich, anders als nur mit der Musik, mit dem live abmischen von Visuellem), ein Keyboard, ein Mikrofon und ein paar Gitarren mit vielen Effekt-Geräten. Vor uns sind transparente, graue Stoffe aufgehängt, welche verschiedene Sequenzen/Texte drauf projiziert bekommen. So werden zwei Ebenen kreiert: die der Akteure auf der Bühne und die der Projektionen welche zum Teil die Akteure bedecken oder sich mit ihnen vermischen.

Auf der Bühnen sehen wir eine Slam Poetin (Meret Hottinger), einen Gitarristen (Eric Hunziker), einen Schlagzeug-Spieler (Paul Amereller), ein Keyboard-Spieler (Luzius Schuler) und eine Video-Künstlerin (Julia Maria Morf ) welche die projizierten Film-Sequenzen live steuert und zusammenschneidet
.

Es mischen sich verschiedene Kunstformen in dieser Performance: Musik, Poesie und Video. Es ist ein ziemliches Durcheinander auf der Bühne, die Videosequenzen werden montageartig aneinander oder ineinander gemischt, die Musik klingt mal schräg, mal aus dem Rhythmus und doch dann wieder zusammen. Die Slam Poetin hält das Ganze auf eine Art zusammen. Sie ist die freche, laute Stimme durch dieses Chaos. Sie gibt einen Roten-Faden und trägt den Zuschauer ein stückweit durch die Performance.

Das Kollektiv pulp.noir spielt mit Camus Zitaten und philosophischen Ansätzen, welche zur Verdeutlichung auch projiziert werden. Es werden verschiedene Versuche unternommen, den Zuschauer in die Absurdität einzuführen.
Es ist anfangs schwer, sich in dieses Kunstchaos zu geben, da es keine explizite narrative Richtung hat. Die Performance hat Aspekte der Aufklärung, der griechischen Mythologie und irgendwie auch etwas des Dadaismus eingewoben. Dieses Durcheinander hat jedoch auch etwas Befreiendes.

Es gibt Interpretationsraum und die Freiheit, sich selbst etwas dazu auszudenken. Die Texte der Slam-Poetin hatten meistens einen guten Witz und waren bepackt mit viel Ironie und direkten Ansprachen ins Publikum. Die Projektionen sind bizarr, dadaistisch und ironisch und oft sehr gut aufeinander abgemischt und abgestimmt.
Im Grossen und Ganzen war dies ein interessanter uns spannender Abend und die Absurdität kam nicht zu kurz.

Hat euch die Absurdität neugierig gemacht? Pulp.Noir treten am 
11. Dezember in Baden, am 20. April und 2. Mai in Bern auf!

 

Foto: Max Roth