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Sohails Bericht aus dem zerstörten Land3 min read

12. April 2022 3 min read

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Sohails Bericht aus dem zerstörten Land3 min read

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Vor etwas mehr als zwei Wochen durften wir mit Sohail Khan über sein Entwicklungsprojekt Education for Integration sprechen. Nun ist Sohail zum ersten Mal seit acht Jahren in seiner Heimat Afghanistan, von wo aus er Frachtwerk seine Eindrücke schildert.

Sohail hat eine ermüdende und lange Reise nach Afghanistan überstanden. Als wir mit ihm sprechen durften, weilte er seit vier Tagen in seiner Heimat. Seither konnte er zum ersten Mal seit acht Jahren seine Mutter treffen, die Arbeit von Education for Integration begutachten und unter auch mit den Taliban sprechen. Seit seiner Flucht hat sich einiges verändert, einiges zum Positiven, vieles zum Negativen. Sohail ist aufgefallen, dass die Kinder sich inzwischen viel freier bewegen können. Vor wenigen Jahren hatten die Eltern noch jedes Mal Angst, die Kinder rauszuschicken, da sie sterben könnten. Inzwischen sind die akute Bedrohung und die Angst gewichen. Die Kinder können wieder raus. Leider müssen sie es sogar. Um Essen zu holen, um sich um die Familie zu kümmern. Zeit dazu haben sie, da die meisten keine Bildung erfahren dürfen, die Mädchen sowieso nicht.

Das Land der Unsicherheit

Trotz den Berichten von Bekannten und Artikeln aus den Medien, war Sohail nicht vorbereitet auf den Zustand, in welchen er seine Heimat vorfand. Es hautnah zu erleben, wie ein Grossteil der Bevölkerung hungert, das Ausmass des Leidens vergegenwärtigt zu haben sowie die Angst und Unsicherheit persönlich zu erleben, diese Gefühle und Eindrücke überraschten Sohail. Die Wirtschaft ist am Boden, viele können nicht arbeiten und die Menschen vermögen es kaum, ihre Jüngsten zu ernähren. Zudem ist eine Angst allgegenwärtig, die Angst vor der ungewissen Zukunft. Niemand weiss, wie es nun nach dem Regierungswechsel weitergeht, wie die nächsten Schritte der Taliban aussehen und ob Unterstützungsmassnahmen von anderen Ländern geplant sind. Es herrscht eine unangenehme Anspannung, da langsam der Gedanke grassiert, dass die internationale Gemeinschaft Afghanistan einfach vergessen haben könnte und ihnen, den Kriegsopfern, nie geholfen wird.

Gespräche in Afghanistan

Sohail Khan war nicht nur auf dem Land, sondern auch in den grösseren Städten des Landes, wie Kabul, unterwegs. Auf die Taliban traf er meistens in den Städten. Meistens stellen sie nur einige wenige Fragen, bevor sie Sohail wieder weiterziehen lassen: Woher kommst du? Wohin gehst du?

Niemand weiss, wohin sich das Land entwickeln wird. Für Sohail ist jedoch klar, dass Bildung, allen voran auch für die Mädchen, ein zentraler Faktor für eine erfolgreiche Zukunft Afghanistans ist. Nachdem Sohail auch Gespräche mit den Beteiligten von Education for Integration ausgetauscht hat, ist für ihn klar: Er möchte Schulen gründen und diese von der Schweiz aus unterstützen. Der Samen für dieses Projekt möchte er noch in diesem Monat selbst setzen. Allein in der nächsten Woche wird Sohail Khan 700 Familien treffen, um ihnen zu helfen. Er wird mit den Beamten und Regierungsmitgliedern sprechen. Und er wird weiterhin im ganzen Land herumfahren und helfen. Familien besuchen, Essen, Medikamente und Kleider liefern, Kinder ins Spital fahren, beobachten, reden, zuhören.

Sohail hofft, Ende April zurückehren zu können. Ein Ticket für den Rückflug hat er noch nicht. Die Chance, dass sein Flug „gecancelt“ wird, sei jetzt noch zu gross. Tickets kauft man sich in Afghanistan nur kurzfristig. In einem Land der wie Afghanistan sind Planungssicherheiten Teil der Vergangenheit.

Information
Wie man selbst bei Education for Integration aktiv werden kann, auf welches Konto Spenden getätigt werden dürfen und alle weiteren Informationen zum Projekt sind auf ihrer Website ersichtlich.