Ein Aufkleber in Orange macht Karriere
Ein Sticker und ein Label, das aus der heutigen Bücherwelt nicht mehr wegzudenken ist: Wann kam der berühmte Aufkleber auf die Bücher und wann kam der Erweiterungssticker mit dem Prädikat Besteller Autor:in eigentlich? Wir haben beim lokalen Buchhandel nachgefragt, erhielten Auskünfte aus Hamburg und bringen euch die Fakten zum Prädikat, das Autor:innen reicher macht. Oder?
Autor:in:
Daniel Klein
Titelbild:
Lea Windisch
Hinweise:

In unserem Ressort, natürlich dem Literaturbetrieb, ging es die letzten Jahre eigentlich gut. Also schon besser, glaubt man den Zahlen. Covid und die schweren Folgen davon machten den Verlägen eigentlich keine grossen Sorgen, da die Menschen ja wieder Zeit zum Lesen und sogar viel Freude daran hatten.

Bei diesem Artikel geht es um die Vermarktung und Marktwertdarstellung jener berühmter Sticker - der noch berühmteren Charts des hanseatischen Magazins SPIEGEL.

Kurzer Zeitsprung zur Entstehung und zur Gegenwart der berühmten Liste: Wir schreiben das Jahr 1961. Es erschien die erste SPIEGEL-Bestsellerliste. Diese ist noch heute die massgebende Referenz der meistverkauften Bücher auf dem deutschsprachigen Markt. Die Bestsellerlisten werden auf Grundlage des Media Control Handelspanels (MCMetis) ermittelt. Das in Baden-Baden ansässige Marktforschungsunternehmen ermittelt in über 9.'000 Verkaufsstätten. Damit schafft sie eine Marktabdeckung von 88 Prozent und ist somit das aussagekräftigste Buchhandelspanel im deutschsprachigen Raum. Seit 1980 erhebt buchreport die Taschenbuch-Bestsellerliste. Seit 2007 für SPIEGEL ONLINE. Diese werden – wie im Hardcover-Segment – nach Belletristik und Sachbuch getrennt ermittelt.

Seit 2003 erstellt buchreport eine Hörbuch-Bestsellerliste. Von 2010 bis September 2019 wurde sie zusammen mit dem Medienpartner LiteraturSPIEGEL veröffentlicht. Seit Oktober 2019 ist das neue Kulturmagazin SPIEGEL Bestseller der Medienpartner. So viel zur Entstehung. Die Aufkleber werden seit 2017 im einheitlichen Design vermarktet, teilt uns Julia Pollak, Projektleiterin der Unternehmenskommunikation, mit.

Das suggeriert Glaubwürdigkeit und Erfolg. So ein Sticker und das Prädikat «Bestseller» machen den Unterschied, ob ein Buch häufiger über die Ladentheke geht. Oder nicht?

Laut den Buchhändler:innen aus Luzern eher nicht. «Das ist ja ganz nett und schön, aber ob ein:e Kund:in wirklich deswegen das Buch kauft, sei dahingestellt. Vielleicht ist das eher in Deutschland so, da hat der SPIEGEL mehr Relevanz als bei uns.» Generell geht es den stationären Händler:innen eher um Verkaufsbereiche, spezielle Ecken im Laden, wo persönliche Empfehlungen wie auch die aktuell im LITERATURCLUB oder DRUCKFRISCH besprochenen Bücher aufgestellt werden.

Es gibt auch allgemeine Bestseller-Sticker und jene, die Autor:innen bekommen, wenn sie Buchpreise gewonnen haben. Diese, erklärt man uns, hätten sicher auch eine gewisse Wichtigkeit bei den Kund:innen. Aber: Mehr als ein Anreiz, es mal kurz in die Hand zu nehmen, sei da nicht vorhanden. Ob es deswegen gekauft wird, bekommen die Verkäufer:innen nicht mit.

Also doch mehr Aufmerksamkeitserhascherei und Vermarktungstool? 

Spieglein, Spieglein an der Wand, wer hat die meistem Sticker auf dem Einband?

Laut Julia Pollak betrachten sowohl die Verlage als auch die Autor:innen die Aufkleber als verkaufsfördernde Massnahme und als Qualitätssiegel. Aha. Und was soll der Aufkleber in Orange? Dieses kleine Aufkleberchen kostet was. Vor allem die Verläge, die den 2017 ins Leben gerufenen «BESTSELLER AUTOR:INNEN»-Sticker hart befeuern.

Also nochmals eine kleine Zahlenreise. Davor wollen wir euch aber auch noch wissen lassen, wer genau diese Auszeichnung bekommt - und ab wann.

Es dürfen Titel und Autor:innen mit einemSPIEGEL-Bestseller-Logo beworben werden, die sich in den Top 10 (Kinder- und Jugendbuch) oder Top 20 (Hardcover-, Paperback-, Taschenbuch-, Ratgeber- und Wirtschaftsbestseller) einer der SPIEGEL-Bestsellerlisten platziert haben. Ebenfalls dazu gehören alle Bücher, die im deutschsprachigen Raum mehr als 100'000 Einheiten verkauft haben. Diese im sogenannten «Bronze»-Segment zu bewerben ist kostenlos. Für das «Silber» und «Gold»-Paket zahlen die Verlage 250 Euro je Titel, dies inkludiert die Verwendung in Werbemitteln, Vorschauen und Anzeigen. Zusätzlich gibt es die Option der Anbringung des Aufklebers auf dem Hardcover. Preise werden separat erhoben. Erreicht ein:e Autor:in Platz 1 der Liste, gibt es den Preis für die Vermarktung nur auf Anfrage. Am Ende des Tages, beziehungsweise vor der ersten Seite des Buches, ist also doch alles eine Frage des Marketings und der Bekanntmachung.

Gut zu wissen

Interessant ist auch die aktuelle Pressemitteilung aus dem Hause SPIEGEL, bezüglich der Änderungen zur Ermittlung. Die SPIEGEL-Gruppe hat mit der eBuch eine langfristige Partnerschaft rund um die SPIEGEL-Bestsellerlisten vereinbart. Die eBuchGenossenschaft, der 850 inhabergeführte Buchhandlungen angehören, erstellt abJanuar gemeinsam mit Media Control und dem SPIEGEL-Kulturressort die Bestsellerlisten und wird sie dem Buchhandel wie gewohnt in digitaler Form und als Plakat zur Verfügung stellen. Zudem publiziert das zur eBuch gehörende monatliche Magazin «BuchMarkt» künftig die SPIEGEL-Bestsellerlisten. Wie bisher erscheinen die Verkaufsrankings jede Woche im gedruckten SPIEGEL und aufSPIEGEL.de. Die eBuch wird darüber hinaus die exklusive Lizenzierung der SPIEGEL-Bestseller-Siegel und des Siegels «Manager Magazin Bestseller» übernehmen.

Gerne wollen wir von euch wissen, wie ihr vom orangen Bebberli beeinflusst seid, oder eben nicht. Habt ihr schon mal ein Buch gekauft, weil der XYZ-Gewinner-Preis-Sticker drauf war? Hat es eventuell euer Unterbewusstsein entschieden? Schreibt uns und bleibt am Lesen.

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