Ein Wechsel der Gefühle mit Víkingur Ólafsson

Der isländische Pianist Víkingur Ólafsson hat im Mai im Rahmen des Lucerne Festivals ein wunderbares Konzert in der Piuskirche Meggen gespielt. Dabei vermischte sich seine Musik mit Licht und Raum. Eine Erfahrung, die das Publikum in einen warmen Kokon einwickelte und den Alltag vergessen liess. Emotional, berührend und eindrucksvoll.

Autor:in:
Tanja Lichtsteiner
Hinweise:

Als in der Piuskirche Meggen die ersten Töne der Goldberg-Variationen erklangen, entstand sofort eine besondere Atmosphäre. Ohne Ansage betrat Víkingur Ólafsson ruhig die Bühne, setzte sich ans Klavier und begann zu spielen. Dabei tat er, was er am besten kann: Musik und Stille gleichzeitig zu transportieren, ohne grosses Brimborium. Diese Zurückhaltung machte den Beginn eindrucksvoll. Sofort konnte man in die Tiefen seiner Pianomusik eintauchen.

Begleitet wurde das Konzert von der Lichtinstallation des Künstlers Olafur Eliasson, die in Echtzeit auf das Klavierspiel reagierte und die besondere Architektur der Kirche eindrucksvoll zur Geltung brachte. Mal tauchte warmes Licht den Raum in eine beinahe beruhigende Stimmung, dann wieder wirkten die wechselnden Farben und Schatten kühl und unruhig. Dadurch entstand das Gefühl, sich an einem sicheren Ort zu befinden, während draussen etwas Bedrohliches geschieht – wie in einem Haus oder einer Höhle während eines Sturms. Immer wieder gab es helle, hoffnungsvolle Momente, doch kurz darauf wurde die Stimmung erneut düsterer. Dieses Wechselspiel zog sich durch den ganzen Abend und machte das Konzert emotional intensiv.

Eine einzigartige Atmosphäre

Auch das Publikum trug viel zur Atmosphäre bei. Bereits vor Beginn war beim Warten vor der Kirche eine gewisse Spannung und Vorfreude spürbar. Während des Konzerts selbst herrschte eine fast andächtige Ruhe. Die am Eingang bereitgelegten Decken verliehen dem Abend zusätzlich etwas Geborgenes. Weniger angenehm waren allerdings die harten Kirchenbänke, die auf Dauer unbequem wurden. Trotzdem passte selbst das irgendwie zum Gesamteindruck des Abends: Man blieb sitzen, hörte zu und verharrte gemeinsam in diesem geschützten Raum. Die Welt draussen, die sich einfach weiterdrehte, schien niemanden mehr zu kümmern.

Dass Olafur Eliasson am Schluss nicht auf die Bühne kam, hinterliess einen leicht unvollständigen Eindruck, denn seine Lichtkunst war ein wesentlicher Teil dieses besonderen Konzerterlebnisses. Trotzdem blieb der Abend vor allem wegen der Verbindung aus Musik, Raum und Licht lange nach dem letzten Ton im Gedächtnis.

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