Zwischen Klangfragmenten und fehlendem roten Faden

Rund 60 Gäste versammelten sich zu einer filmischen Reise durch Erinnerungen, Musik und persönliche Geschichten – inszeniert von Mirjam Hadorn (CEO Klangwelt Toggenburg) und moderiert von René Aebi («Thurgau singt»), in Kooperation mit den Klangwelten Toggenburg. Der Film «Melodie» von Anka Schmid hinterlässt ambivalente Eindrücke.

Autor:in:
Daniel Klein
Titelbild:
Alex Obretenov
Hinweise:

«Melodie« heisst der Film von Anka Schmid. Der Titel klingt nach einem magischen Inhalt. Melodien sind schliesslich das, was unsere Seele berührt und was jeder Mensch, egal welchen Alters, verstehen kann. Doch hält der Titel seine Versprechen? Schon der Einstieg – Geburt und Gesang – setzt einen vielversprechenden Ton: Die zentrale Frage «Welches ist das erste Lied, an das du dich erinnern kannst?» öffnet einen emotionalen Raum, der grosses erzählerisches Potenzial birgt.

Starke Einzelmomente – aber keine Komposition

Der Film lebt von seinen Fragmenten. Einzelne Episoden berühren und bleiben hängen:

      •     Erinnerungen an eine griechische Grossmutter, durchzogen von Melancholie und Geschichten über ihren Mann

      •     Eine italienische Protagonistin, die zwischen Rap und Celentano changiert

      •     Kindliche Übergänge zwischen Kulturen, irgendwo zwischen türkischen und kurdischen Einflüssen

Diese Momente sind stark – fast wie kleine musikalische Kurzgeschichten. Doch genau hier liegt auch das Problem: Es fehlt die übergeordnete Komposition. Was als Mosaik gedacht scheint, wirkt letztlich leider eher wie ein loses Aneinanderreihen von Eindrücken. Übergänge gelingen nur vereinzelt, und der rote Faden bleibt über weite Strecken unsichtbar. 

Formale Stärke, dramaturgische Schwäche

Cinematographisch überzeugt der Film durchaus. Die Bilder sind sorgfältig gestaltet, das Material über Jahre hinweg gesammelt. Ein ambitioniertes Unterfangen. Doch unter dem Strich – trotz fünfjähriger Materialsammlung – verliert sich die Erzählung. Eine klare Führung fehlt. Auch die Figur des filmenden Beobachters (der Mann mit der GoPro) schafft es nicht, die einzelnen Episoden ausreichend zu verbinden oder zu rahmen. Hier hätte eine Off-Stimme oder eine stärkere dramaturgische Klammer gutgetan.

Zwischen Europa, Kloster und Fussballverein

Inhaltlich bewegt sich der Film durch verschiedenste Räume: vom Kloster über familiäre Erinnerungen bis hin zu Fussballfans in Sheffield – deren geplante Aufnahmen letztlich nur im Vereinsheim stattfinden konnten. Diese Vielfalt ist an sich reizvoll, wirkt jedoch oft beliebig. Selbst interessante Exkurse – etwa zu klösterlichen Gärten oder kulturellen Traditionen – bleiben episodenhaft und verlieren schnell an Wirkung.

Lichtblicke und Publikumsmomente

Immer wieder blitzen humorvolle oder verbindende Momente auf. Etwa der Chorist am Ende, dessen perfekt frisierter Bart im Publikum für einen grossen Lacher sorgt. Auch die Reaktionen zeigen: Das Publikum fühlt sich stellenweise berührt, spricht gar davon, «genährt» worden zu sein. Wir gehen aber mit hungrigem Gefühl und einigen Fragezeichen über dem Kopf aus den Saal.

Der Film ist ein Projekt mit Herz, Leidenschaft und spürbarer Hingabe zur Musik und zu den porträtierten Menschen. Doch bei aller Emotionalität bleibt der Eindruck: Das Material hätte in einem anderen Format besser funktioniert. Als Mini-Doku-Serie oder Reportage-Reihe hätten die starken Einzelgeschichten mehr Raum und Klarheit entfalten können.

Wir bedanken uns beim Filmverleih PROCHAINE für die Pressekarten und wünschen weiterhin magische Kinomomente – unabhängig vom Film.

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