Zuhören als Projekt: Porträts aus dem Lindenrain

Im Betagtenzentrum Lindenrain haben fünf Studierende der Höheren Fachschule für Sozialpädagogik Luzern Bewohner:innen besucht. Sie haben ihnen zugehört und ihre Lebensgeschichten festgehalten. Entstanden ist ein Buch, das nicht nur von vergangenen Zeiten erzählt – sondern auch davon, wie viel entsteht, wenn man sich wirklich Zeit nimmt.

Autor:in:
Bezzy Wyss
Titelbild:
z.V.g.
Hinweise:

Wenn Zuhören zum Projekt wird

Die Idee entstand nicht zufällig. Im Rahmen ihres Studiums an der Höheren Fachschule für Sozialpädagogik Luzern haben sich die fünf Studierenden Claudia Baumer, Luca Breginc, Camilla Bühler, Andreas Hohl und Nora Inauen im Fach «Alter» intensiv mit dem Bild älterer Menschen in unserer Gesellschaft auseinandergesetzt. Der Unterricht bei André Winter sensibilisierte sie für Fragen, die oft zu wenig gestellt werden: Wer sind diese Menschen wirklich? Welche Geschichten haben sie zu erzählen? Gerade in unserer schnellebigen Welt ist es wichtig, den Menschen zuzuhören, die andere Zeiten erlebt haben.

Der Schritt vom Klassenzimmer ins echte Leben lag nahe. Der Plan stand schnell fest: Entstehen soll ein Buch, das das Leben verschiedener Menschen hohen Alters porträtiert. Über die bestehende Zusammenarbeit mit dem Betagtenzentrum Lindenrain ergab sich die Möglichkeit, das Projekt direkt vor Ort umzusetzen. Die Studierenden fanden schnell 16 Bewohnende, die bereit waren, den jungen Menschen aus ihrem Leben zu erzählen. Dabei entstanden nicht nur wunderbare Gespräche, die unter die Haut gehen, sondern auch liebevolle Porträts über Menschen, die viel erlebt haben. Eine unvergessliche Erfahrung für beide Seiten.

Begegnungen, die bleiben

Was für die Studierenden erst ein Projekt fürs Studium war, wurde schnell zu einem prägenden Erlebnis. Die Menschen im Lindenrain begegneten ihnen offen, herzlich und mit einer grossen Bereitschaft, ihr Leben zu teilen. Es waren Gespräche voller Humor, Neugier und Dankbarkeit. Manchmal wurde herzhaft gelacht, dann wieder wurde es emotional.

Die Studierenden waren darauf vorbereitet: Themen wie Gesprächsführung, Nähe und Distanz oder Beziehungsgestaltung gehören zu ihrer Ausbildung. Trotzdem gingen ihnen manche Begegnungen nahe. Umso wichtiger wurde der Austausch danach. Sie nahmen sich bewusst Zeit, um das Erlebte gemeinsam zu reflektieren – ein professioneller Umgang, der auch Raum für persönliche Betroffenheit liess.

Jede Geschichte zählt

Eine einzelne «herausragende» Geschichte wollen die Studierenden nicht hervorheben. Zu unterschiedlich, zu persönlich waren die Begegnungen. Was bleibt, ist die Verbindung zwischen den Geschichten und den Menschen, die sie erzählt haben. Kleine Anekdoten, besondere Momente, einzelne Sätze – sie haben sich eingeprägt und wirken nach.

Die Gespräche haben nicht nur ein Buch hervorgebracht, sondern auch eine Haltung verändert. Die Studierenden sind sich einig: Es geht darum, innezuhalten. Wahrzunehmen, was da ist. Und es wertzuschätzen. Es sind nicht die grossen Ereignisse, die bleiben – sondern die bewusst gelebten Momente.

Ein Plädoyer fürs Zuhören

Ob sie die Bewohner:innen wieder besuchen würden? Ja – gut möglich, sogar gemeinsam als Gruppe. Denn aus einmaligen Begegnungen sind Beziehungen geworden. Und vielleicht ist genau das die eigentliche Essenz dieses Projekts: Sich Zeit nehmen. Zuhören. Ohne vorschnelle Einordnung.

Die Studierenden formulieren es selbst als Wunsch: Wir sollten weniger in Gruppen denken – und mehr den einzelnen Menschen sehen. Denn jeder Mensch hat eine Geschichte zu erzählen.

Verlosung

Infobox

Das Buch Vom Leben erzählt kann per Mail bestellt werden: vom-leben-erzaehlt@bluewin.ch
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