In Quiet Echoes: Zwei Chöre, zwei Instrumente

In Quiet Echos ist ein Konzertprojekt des Luzerner Vokalensembles the quire, das die Entwicklung der Mehrchörigkeit von der Renaissance bis zur Romantik erlebbar macht. Im Zentrum stehen die doppelchörigen Psalmen Davids von Heinrich Schütz und die Messe in Es-Dur von Josef Rheinberger. Beide Werke zeigen, wie der Chor als eigenständiges Instrument genutzt werden kann, dessen Klangkraft durch zwei räumlich getrennte Chöre vervielfacht wird.

Autor:in:
Redaktion
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z.V.g.
Hinweise:

Ein Chor ist ein enorm vielseitiges Instrument. Es kann eine Melodie von allen Sänger:innen unisono gesungen werden. Kraftvoll und stark, einheitlich im Klang. Nimmt man eine zweite Stimme hinzu, eröffnet sich bereits jetzt schon eine neue Welt mit unzähligen musikalischen Möglichkeiten. Es ergeben sich erste Anzeichen von Harmonieren, die beiden Stimmen ergänzen oder kontrastieren sich, sie treten in einen Dialog. Steigen nun noch eine dritte und vierte Stimme mit ein, zeigt sich die ganze Pracht und Vielseitigkeit des Instruments Chor. Nun, wer sagt, dass das schon alles gewesen sein muss?

Das haben sich wohl auch die venezianischen Komponist:innen Mitte des 16. Jahrhunderts gedacht. Die Praxis der venezianischen Mehrchörigkeit nutze die Möglichkeiten zweier und manchmal sogar noch mehr Chöre, wie mehrere Instrumente. Der vertonte Text konnte so noch differenzierter und ausdrucksstarker in Musik umgesetzt werden und die Palette der kompositorischen Möglichkeiten um ein Vielfaches erweitert. Dabei wurde auch die Klangeigenschaften der Kirchenräume genutzt, indem die Chöre an verschiedenen Orten und mit grösseren Abständen positionierten wurde. Dieses räumliche Hörerlebnis, mit der Klangvielfalt und Klangkraft zweier Chöre, zweier solcher «Instrumente», muss für die Zuhörenden ein aussergewöhnliches Erlebnis gewesen sein.

Diese Überlegungen nimmt jetzt auch das Luzerner Vokalensemble the quire mit auf. Mit dem Programm «In Quiet Echoes» zeigen sie die Vielfältigkeit des Chors als Instrument auf. Mit den Psalmen Davids und der Es-Dur-Messe von Josef Rheinberger erschafft das Ensemble wahre Klang-Experimente, die ein unvergessliches Hör-Erlebnis bieten.

Psalmen Davids

Heinrich Schütz kam mit der Mehrchörigkeit während seinem dreijährigen Studium in Venedig in Kontakt. Von seinem Lehrer, dem Organisten und Kirchenmusiker des Markusdoms Giovanni Gabrieli, erlernte er die mehrchörige Kompositionstechnik und brachte diese zurück in sein Heimatland. In seinen 1619 veröffentlichten «Psalmen Davids» vertonte er Psalmtexte in der deutschen Übersetzung Martin Luthers und nutze dafür mehrheitlich die in Italien neu erlernte Technik. Schütz ergänzte die doppelchörigen Kompositionen teilweise zusätzlich noch durch solistische Passagen, um den vertonten Text noch farbiger und lebendiger in Musik umzusetzen.

Cantus Missae ex octo modulatione vocum concinnatus

Genau 260 Jahre später, im Jahre 1879, wurde Josef Gabriel Rheinbergers Messe in Es-Dur in  München uraufgeführt. Rheinberger nutzte für seine Messvertonung der katholischen Liturgie ebenfalls die Kompositionstechnik der Doppelchörigkeit und transportierte, durch die Harmonik und Klangsprache des 19. Jahrhunderts, die Mehrchörigkeit in die Epoche der Romantik. Auch er nutzt dieses zusätzliche Instrument, um die Chöre in einen Dialog treten zu lassen. In romantischer Manier gleitet die Musik durch die beiden Chöre hindurch: Ein Chor gibt eine musikalische Idee vor, der andere übernimmt, schmückt aus, spinnt weiter oder antwortet mit einer kontrastierenden, neuen Idee, bis sich beide zu einem grossen Klangkörper vereinen. Die achtköpfige Besetzung von «the quire» verleiht der Cantus Missae einen intimen, kammermusikalischen Klang. So wird die romantische Messvertonung nicht nur durch die gleiche, zugrundeliegende Kompositionstechnik, sondern auch durch einen filigranen und durchlässigen Ensembleklang mit den Psalmen Davids der Spätrenaissance verbunden. 

T H E Q U I R E 

the quire ist ein junges Vokalensemble aus Luzern. Es wurde 2020 gegründet und widmet sich der solistisch besetzten Interpretation von Vokalmusik. In den ersten Jahren seines Bestehens präsentierte das Ensemble die Programme woe is me und languir me fais mit Musik aus der Zeit um 1600. In seinem dritten Programm to the side im Jahr 2024 führte the quire ausschliesslich Vokalwerke von Komponistinnen aus unterschiedlichen Epochen auf. 2025 stand beim Programm they are at rast wieder die Alte Musik mit den musikalischen Exequien von Heinrich Schütz im Mittelpunkt. the quire setzt sich für das kommende Projekt aus den Sänger:innen Berit Griebenow, Nora Ly, Lea Stadelmann, Elena Schneider, Joël Morand, Jan Hofstetter, Simeon Häfliger und Conrad Hofer zusammen, die bereits eine lange Zusammenarbeit in anderen Chören und an der HSLU - Musik verbindet. Das Oktett wird von Musiker:innen auf Instrumenten der historischen Aufführungspraxis begleitet; Emma-Lisa Roux an der Renaissancelaute, Bianca Cucini spielt Viola da Gamba und David Erzberger Continuo. Dies ermöglicht es, die Werke so aufzuführen, wie sie in ihrer Zeit zu hören waren. Joël Morand leitet das Ensemble musikalisch. In den Proben ist die künstlerische Verantwortung und der Gestaltungswille jedes einzelnen Mitglieds gefordert. Das Ensemble präsentierte seine Programme mit Konzerten in Luzern, Basel, Sachseln, Solothurn, Steinhausen und Zürich. 

Verlosung

Infobox

Konzerte: in quiet echoes

Freitag, 23. Januar 2026, 20:00 Uhr – Sachseln, Pfarrkirche

Samstag, 24. Januar 2026, 19:30 Uhr – Luzern, Christuskirche

Sonntag, 25. Januar 2026, 17:00 Uhr - Solothurn, Franziskanerkirche