«Nützts nüüt, so schadts nüüt»

I «Langsam pressiere – Morgegschichte» sind 100 vomn Walter Däpp sine bärndütsche «Radio SRF 1 Morgegschichte» enthalte. S Buech isch erstmals 2017 erschiene und 2025 isch di füfti Uflag druckt worde, De Journalist und Buechautor verzellt alltäglichi Gschichte uf humorvolli Art und spielt gekonnt mit Dialäekt. Hüfig glingtss ihm, au no, en überraschende Twist in sini Erzählige inezbringe.

Autor:in:
Nadine Gasser
Hinweise:

Anetaste

Mundart isch s Thema vo dere Usgab und ich bi ehrlich: Ich lise momentan chuum Büecher uf Dütsch, geschweige denn uf Schwiizerdütsch, sondern verlüüre mich meistens ide English Section im Büecherlade. Drum han ich nid grad es passends Buech uf mim (mittlerwile sehr höche) Büecherturm ufem Nachttischli gha, sondern ha mier zerst es passends Exemplar müesse beschaffe.

De Titel «Langsam pressiere» hed mich sofort agsproche: Die Gegesätz, wo mit dene zwei Wörter ufenand träffed und doch so passend en Alltagssituation beschriibed. Ich liebe sörtigi humorvolli Sprachspielerie. Das Verbinde vo Gägesätz zieht sich i Form vo Kapitelüberschrifte durs ganze Buech, «Frömd u vertrout» oder «Schnäll u langsam» heissts zum Bispiel i dene Zwüschetitel. De roti Fade gfallt mier guet.

Au s Vorwort vom Pedro Lenz hani stimmig gfunde und hed mich gwundrig gmacht uf de Inhalt vo dene genau 100 churze Alltagsgschichte. «Walter Däpp führt mich als Leser oder Hörer seiner Geschichten sehr direkt in vermeintlich vertraute Situationen. Doch dann öffnet er beispielsweise mit einer Überleitung vom Schlagen und Schwingen des Rahms zum Schlagen und Schwingen im Sport einen neuen Raum», schreibt Lenz. So start ich also mit Vorfreud und eher höche Erwartige mitem Läse vo dene Churzgschichte – und bi zerst emal ernüchtered.

Aegge

Bsunders im erste Kapitel «Harmonisch u ironisch» dunket mich vieli Erzählige rächt sterotypisch und gebed mier nid de erhofft nüi Blick ufs Alltägliche. So gads bi «Date» zum Bispiel drum, dass sich en Maa und en Frau imne Restaurant verabreded. Sie isch bim Usläse vom passende Menü sehr wählerisch und achtet sich uf jedi Zuetat, wogäge er sich miteme simple Züri-Gschnätzlets zfriede gid – d Botschaft wo bi mier achund: Männer sind eifach gstrickt, Fraue hingäge kompliziert und au echli müehsam. I «Lippestift» wett en Maa sinere Partnerin äbe sone Lippestift schänke, das isch ihm de schlussändlich aber doch z müehsam weg de riesige Uswahl und er schänkt ihre schlussendlich, wie jedes Jahr, en Gschänkguetschin. Generell heds mich dunkt, isch d Rolleverteilig i dene Gschichte rächt klar und i mine Auge doch eher altmodisch.

Was mier hingäge sehr imponiert, sind am Walter Däpp sini Sammlige a Redewändige, wo er gschickt zunere Einheit verflochte hed. So bestaht «Körpersprach» us Phrase wie «wo sie ihrne Fründinne früsch vor Läbere wägg hed verzellt, was ere uf der Zunge brönnt» oder «Sie heig z lang uf Zähn bbisse, aber de doch ändgültig d Nase voll gha vo syne ständige Lippebekenntnis». I «Affetheater» gads ähnlich zue und här, aber äbe mit tierische Redewändige. Die lustige und innovativ zämebastlete Gschichte gfalled mier.

Sie hend mich am Ball phalte und so hani wiiter gläse. Für min Gschmack isch es durzoge witergange und ich ha bi villne Gschichte d Stirne zumindest liecht grunzlet, bispielswiis wenn di wiiblich Protagonistin i «Duftnote» ihri Wohnig wett butze und sich de i de Vielfalt vo Butzmittel verlürt. Gwüssi Gschichte hend mich eifach susch nid vum Hocker ghaue, will sie mier zu gwöhnlich gsi sind. Natürlich hani gwüsst, dass es sich um Alltagsgschichte handlet, wo sich somit au ums Alltägliche dräihet. Aber das Öffne vomne nüe Ruum, vo dem im Vorwort d Red gsi isch, hed mier gfählt. I «Gälb» gads umne Maa, wo inere Zitschrift liest, dass au Männer sich echli stylischer und farbiger döfted alegge und er überleid sich de, ob ihm en gälbi Grawatte würd staa. Er stellt sich de vor, dass er so au bi Fraue besser würdi acho. Am gliiche Abig schlad ihm sini Frau genau das vor: en gälbi Grawatte azlegge.

Afründe

Na dis na chömed aber immer meh Gschichte dezue, wo mich würklich abholed, einigi bringed mich zum Lache, anderi stimmed mich nachdenklich und die einte beidrucked mich sogar sehr. I «1. Ougust» hed en Spital-Patient folgendi Gedanke: «S het ne ddünkt, dass grad das, was das so farbig zämegwürflete Spital-Team da leischtet u usstrahlt, e schöne Bytrag zum Schwyzer Nationalfyrtag isch. No ydrücklecher, als di einti oder angeri vo all dene nüünzäh bundesrätleche Feschtreden äuä isch.» Hie wird drüber sinniert, wers de eigentlich würklich verdient hed, am erste August gfiired z werde und wer äbe hüüfig debi vergäesse gad.

I «Widerchöier» fragt en Bueb si Vater, ob näbst de Chüe au mier Mänsche «Widerchöier» sind. «’Nei’, het em der Vatter gseit. Aber eigetlech hätt er em o chönne ‘Ja!’ säge. S gitt ja o Mönsche, wo Widerchöier sy. Settigi zum Byspiu, wo gäng wider ds Glyche verzelle: di glyche Behouptige, di glyche Witze, di glyche Vorurteil.» Ändlich gsehni, was de Pedro Lenz meint, wenn er seid, i dene Gschichte gieng de Walter Däpp vom Alltag us und öffni denn aber en nüe Ruum. Und debi phalteds en gwüssi Liechtigkeit und en gueti Priise Humor.

Aregend

Wenn ich ei Gschicht i dem Band müesst als mini liebst näenne, de wärs «Everest». Sie fad eso a: «Dä jung Maa het Ydruck gmacht. Är isch aagleit gs, wi wen er diräkt us mene Sportartiku-Proschpäkt use chiem u grad d Eigernordwand ufe gieng.» Im Aschluss wird detailliert beschriebe, was de jungi Maa alles so ahed und am Schluss heissts: «Är isch zügig ungerwägs gsi - u het e Rollstuel vor sech härgstosse, wo ne alti Frou drinn gsässen isch. Mit dere het er sech ungerwägs aagregt ungerhalte. Für das isch er ja scho chli ‘overdressed’ gsi, dä schnadig gstylet jung Maa. Aber e Frou im Rollstuel dür e Wald z begleite: Das isch o e tolli Leischtig gsi. Vilech no e beydruckenderi, als wen er ungerwägs uf e Everest wär gsi.»

Mier imponiert, wie de Walter Däpp de roti Fade mit dere Everest Wanderig passend dur die ganz Gschicht cha flächte, wie er de Begriff «overdressed» mal ine ganz andere Kontext setzt und wies ihm au da wieder glingt, am Schluss en unerwartete Twist dri z bringe.

Nid nur d Inhält gfalled mier alles in allem immer besser, sondern es fallt mier mit de Zit au dütlich liechter, de bärndütschi Dialäkt z läse. Am Afang vom Buech hani mich doch nu rächt fest müesse konzentriere, gäge Schluss bini voll dinne gsi.

Abschliessend

Mis Fazit isch folgendes: Nid alli Gschichte i dem Buech empfind ich als glich läsenswärt. Es hed es paar Goldschätz und vieli witzigi Alltagsanekdote, einigi Gschichte sind mier aber zu stereotypisch (vor allem im Bezug uf Gschlächterrolle) und hend mier au für Alltagsgschichte schlicht z wenig Substanz. Aber am Walter Däpp sis Talent, mit de Sprach z spiele, sie z biege und sie effektvoll izsetze, lad sich nid vo de Hand wiise.

Zudem han ich au de Fähler gmacht, das Buech als Ganzen z läse, ei Gschicht nach der andere und ha am Schluss s Gfühl gha vonere Überdosis a Alltag, will ich ja doch sälber au nu eine z bewältige ha. Ich würd drum empfähle, das Buech nid i eim Zug durezläse, sondern immer mal wieder en Gschicht z läse, so als chliine Input für zwüschedure. So wäred die Gschichte glaubi eigentlich au dänkt. Usserdem heds ganz hinne im Buech en CD, uf dere sind 33 vo dene Gschichte vertont. Und zum Lose machts fast meh Freud als zum Läse, will d Mundart erst denn so richtig zur Gäeltig chund – wenn mer sie redt.

Di letschti Alltagsgschicht vom Band heisst «Nützts nüüt». Eigentlich gads um en Maa und en Frau, wo sich über alltäglichi Ritual unterhalted mitem Fazit: «Nützts nüüt, so schadts nüüt.» Und s Endi vo dere Gschicht findi sowohl als Abschluss vom Buech, als au vo dem Text sehr passend. Es zeigt nomal s volle Potential vom Walter Däpp sim Wortwitz, sim sprachliche Gschick und debi au, dass er sich sälber nid allzu wichtig nimmt: «U so chönts ja o mit däm Gschichtli da sy. S bringt nech äuä wenig bis nüüt. Aber: Nützts nüüt, so schadts nüüt.»

Verlosung

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