
Ja, daran erinnere ich mich sehr gut. Ich war elf Jahre alt und das war Vanilla Ice mit «Havin' a Roni» und Turbo B mit «Snap». Das war 1990. Ich habe das gehört und war unglaublich beeindruckt. Ich dachte mir: Das ist das coolste Talent der Welt. Wenn man das kann, dann ist man der coolste Typ der Welt. Auch Michel Courtemanche hat mich sehr beeindruckt. Ein Kanadischer Komiker und Schauspieler. Der kann auf sehr coole Art Geräusche imitieren. Auch Michael Winslow von der Police Academy hat mich sehr geprägt. Der beste Geräusche-Imitator der Welt. Der konnte sogar eine E-Gitarre imitieren. Verrückt! Und Bobby McFerrin muss ich wahrscheinlich nicht erwähnen (lacht). Ich merke bis heute, wie gross die Nachfrage nach Beatboxen ist und wie es nach wie vor viele Menschen fasziniert. Es hat sehr grosses Potenzial. So gross, dass ich davon leben kann. Auch wenn es nicht immer einfach ist.
Genau da! Ich habe sofort angefangen zu üben. Habe imitiert, was sie gemacht haben und jeden Tag für mich geübt. So beginnt man eigentlich: Man versucht, möglichst viel zu imitieren. So bekommt man ein Gespür. Dann erst kommt der eigene Stil raus, indem man langsam Varianten erfindet. Danach habe ich begonnen, eigene Sounds und Beats zu entwickeln und habe das meinen Mitmenschen vorgeführt. So bin ich in dieses ganze Beatboxen eingestiegen. Der Prozess geht immer weiter, es entstehen immer neue Ideen und Sounds. Manchmal übt man monatelang an bestimmten Klängen. Inzwischen mache ich das seit 35 Jahren. Es ist eine unfassbar grosse Leidenschaft, ich habe es immer aus Spass gemacht. Ich bin Rhythmus-süchtig. Es ist nicht unbedingt ein Üben, sondern einfach ein Machen.
Der Rapper Rahzel hat 1996 Beatbox weltweit bekannt gemacht. Er war der erste, der gleichzeitig gebeatboxt und gesungen hat. Das hat die ganze Welt beeindruckt. Spätestens da haben viele Kinder angefangen zu beatboxen. Als ich das damals gehört habe, dachte ich: Krass! Wie kann man so krass sein? Das ist next level shit! Ich fands unfassbar. Auch wenn ich das Gefühl hatte, sowas sei gar nicht möglich, habe ich es ganz intensiv geübt. Das war technisch das erste, das ich als richtig anspruchsvoll empfand. Heutzutage ist es Standard, gleichzeitig zu singen und zu beatboxen. Aber damals... Wow. Es war einzigartig. Er hat das alles populär gemacht. Dank ihm gibt es diese Szene. Er nennt sich selbst «Godfather of Noise».
Absolut ja! Wenn man Talent hat und ein gutes Rhythmusgefühl besitzt, dann ist es einfacher. Man lernt es schneller. Aber grundsätzlich kann jeder die Basics lernen. Nur schon die «Böse Katze» kann low level jede Person lernen.
Gutes Beatboxen ist, wenn jemand im Rhythmus bleiben und präzise Sounds machen kann. Wenns sauber und clean klingt. Das ist stark. Aussergewöhnlich wird es für mich dann, wenn jemand Sounds benutzt, die ich noch nie gehört habe und man sofort hört, dass es ein unfassbar schwer zu erlernendes Geräusch ist. Wenns Technisch sehr anspruchsvoll wird. Wenn ein Beatboxer einem anderen Beatboxer zuhört, kann er sofort beurteilen, wie schwierig gewisse Sounds sind. Manchmal bekomme ich Gänsehaut oder es laufen Tränen, wenn mich jemand mit Beatbox so richtig catcht. Einfach aus lauter Euphorie.
Kunst ist es generell immer. Es hat natürlich sehr viel mit Technik zu tun, die Technik alleine ist aber nicht alles. Es hat sehr viel mit Musikalität zu tun. Auch die Bühnenpräsenz ist relevant. Am schönsten finde ich, wenn die Technik des Beatboxens mit Musik kombiniert wird. Und wenn damit etwas Individuelles kreiert wird, wenn Neues erschaffend wird. Dann ist es wahre Kreativität und damit Kunst. Es ist ein wenig wie mit der Zauberei. Ich erlebe es nach wie vor oft, dass die Leute mich ganz verdutzt anschauen, wenn ich beatboxe und fragen sich, wie ich das mache. Es klingt unmöglich. Es löst viel Faszination aus.
Das würde ich schon sagen, ja. Ich liebe Musik. Wenn ich heute Musik höre, dann höre ich wohl anders zu als andere Menschen, die Musik konsumieren. Ich höre sehr genau zu, was die einzelnen Instrumente machen und beginne, diese in meinem Kopf zu zersetzen. Ich höre, was das Drum macht, was der Bass macht und so weiter, und dann versuche ich das in meinem Kopf als Beatbox umzusetzen. Ich habe ein ganz anderes Bewusstsein beim Musikhören. Das ist wohl normal. Ich denke, das geht allen Beatboxern so. Wir analysieren die Musik, ganz unbewusst.

Das ist total schön, wenn deine Leidenschaft das Publikum mitreissen kann. Das ist mir ganz ganz wichtig. Es wäre schlimm, wenn das Publikum nur ganz ruhig dasitzen würde, ohne einen Wank zu machen. Das ist wie bei einem Komiker, der einen Witz erzählt, und niemand lacht. Dann wird man unsicher. Deswegen ist dieses Feedback ein grosser Motivationsschub und auch ein Dopamin- und Adrenalinkick. Das ist total schön. Das ist genau das, was ich brauche. Auch wenn ich Musik mache und singe, ist es für mich wichtig und schön, dass ich Menschen damit abholen kann.
Für mich war Beatboxen immer eine Leidenschaft, eine Kunst und Freude an der Faszination. Den Wettkampfgedanken hatte ich damals nicht. Im Jahr 2004 habe ich dann von einem Battle erfahren und mich sofort angemeldet. Ich wollte sehen, wie gut ich bin. Es hatte sich dann herausgestellt, dass ich offenbar ziemlich gut war damals (lacht). Ich bekam die Auszeichnung «Best Show». Ein Jahr später durfte ich an die Weltmeisterschaft und kam ins Viertelfinale. Ich finde Battles sehr sehr cool, dennoch bin ich aber kein Battle-Beatboxer. Auch wenn ich zwei Mal sehr weit gekommen bin, ist es nicht ganz so mein Ding. Ich mache lieber meine eigenen Sachen und entertaine dabei gern. Das war auch der Grund, warum ich 2004 als «Best Show» abgeräumt habe: Rein technisch hätte ich keinen Preis gewonnen, jedoch war ich ein mega Showman und habe damit total gepunktet.
Ich gehöre zum Glück zu den Oldschool-Beatboxern. Ich habe das erste Schweizer Beatbox-Battle erlebt und auch die erste Weltmeisterschaft. Ich gehöre zu denen, die am längsten in der Szene sind. Und ja, es hat sich einiges verändert. Früher hat man anders gebeatboxed. Technisch einfacher. Heute ist die Technik mehr im Zentrum. Die Musik ist eher in den Hintergrund gerückt. Obwohl es auch heute einige Beatboxer gibt, die sehr musikalisch sind, das find ich sehr schön. Ich liebe technischen Beatbox, jedoch gewichte ich die Musikalität höher. Ist aber halt meine subjektive Meinung. Krass ist einfach auch, wie stark sich Beatbox im allgemeinen weiterentwickelt hat. Es war damals schon krass, aber heute ist das Level unfassbar hoch. Gerade durch YouTube-Tutorials können Kids heute schon mega früh viel mehr lernen. Darum ist wohl das Level auch so hoch. In meiner Generation musste man sich alles noch selbst beibringen. Die Szene ist noch immer eine Subkultur, aber es ist schon alles stark gewachsen. Es gibt viele Teenies, die mich heute an die Wand beatboxen.
Den wichtigste Rat, nicht nur beim Beatboxen, sondern auch generell im Leben: Sei echt, sei authentisch. Sei dich selbst, bei allem was du tust. Das ist für mich auf Platz eins. Wenn man seine Kunst fühlt und lebt, kommt das rüber. Bleibt auf dem Boden, aber bleibt dran. Seid kreativ, reflektiert euch selbst und verliert nicht den Spass daran. Macht euren Scheiss, macht ihn richtig und ernsthaft. Nicht für Klicks, nicht für Geld, nicht für Fame, sondern für die Leidenschaft. Dann kommt alles andere automatisch.